Klassik Newsletter

Sie wollen immer aktuell informiert sein? Unser Newsletterservice versorgt Sie wöchentlich mit allem zum Thema klassische Musik.

OK

Nichts verpassen

Nutzen Sie KlassikAkzente Online auch wenn Sie nicht auf unserer Seite sind:
Social Networks:

Artikel

30.05.2003

Fingerübungen mit Folgen

Fingerübungen mit Folgen

Viele seiner Klavierkonzerte komponierte Mozart als Fingerübungen für sich oder seine Schülerinnen. Einige der eindrucksvollsten Werke entstanden "in Eyle" neben zahlreichen weiteren Verpflichtungen, denen der Workaholic nachkommen sollte. Das erstaunt umso mehr, als dass er etwa mit dem "Klavierkonzert d-moll, K 466" eines der großartigsten Werke dieser Gattung überhaupt schuf.

Auf der Anschlagtafel der Burgtheaters konnte man lesen: "Donnerstag den 10ten März 1785 wird Hr. Kapellmeister Mozart die Ehre haben, in dem k.k. National-Hof-Theater eine grosse musikalische Akademie zu seinem Vortheile zu geben, wobey er nicht nur ein neues erst verfertigtes Forte piano-Konzert spielen, sondern auch ein besonders grosses Forte piano Pedal beym Phantasieren gebrauchen wird. Die übrigen Stücke wird der große Anschlagzettel am Tage selbst zeigen". Bei dieser Gelegenheit führte Mozart sein Klavierkonzert in C-Dur K 467 auf, das einundzwanzigste von insgesamt 25, die im Laufe der Jahre entstanden. Es war eine Phase, in der sich für den in Wien lebenden Salzburger die Ereignisse überschlugen. Er hatte sich in den erlauchten Kreisen der Stadt etablieren können, seine "Akademien" genannten Konzertabende waren voll von begeisterten Anhängern, die Opern verhalfen ihm zu weiterem Ruhm und die Unterrichtsstunden brachten einiges ins Säckel, so dass er nicht mehr jeden Dukaten umdrehen musste. "Der ganze Vormittag geht mit Lectionen herum, folglich bleibt mir nichts als der Abend, zu meiner lieben Arbeit - zur Komposizion", schrieb er im Februar 1784 an seinen Vater.

Dementsprechend nebenbei und unter immensem Zeitdruck entstanden die meisten seiner Werke. Sein dunkelstes und bald darauf bekanntestes Klavierkonzert d-moll, K 466 zum Beispiel, beendete er am 10.Februar 1785, einen Tag bevor er es bei einem Subskriptionskonzert im städtischen Kasino "Zur Mehlgrube" in Anwesenheit seines gestrengen Vaters uraufführt. Das Lob kam stante pede, vom Publikum und aus berufenem Munde. Joseph Haydn etwa, der sich damals gelegentlich bei Mozarts blicken ließ, schrieb wenige Tage später an Leopold Mozart: "Ich sage ihnen vor Gott, als ein ehrliche Mann, ihr Sohn ist der größte Componist, den ich von Person und dem Namen nach kenne". Viel Ehr' also als Früchte eines imposanten, aber auch ehrgeizigen Karriereplans, den Wolfgang Amadeus vom Kleinkindalter an zu erfüllen hatte und dem er auch entsprach.

Doch zurück zu den Klavierkonzerten. Mozart verfasste sie für befreundete Schülerinnen wie Barbara von Ployer (K 449) oder Maria Theresia Paradis (K 456), als Fingerübungen für Fortgeschrittene oder auch als Herausforderungen (über K 451 und K 453 schrieb er an seinen Vater, das seien "Concerte, welche schwitzen machen"). Tatsächlich zeigt sich an den an der Oberfläche in der Regel unbeschwert klingenden Werken, worin die Kunst der Interpretation besteht. Der österreichische Pianist Friedrich Gulda etwa gehörte zu den begnadetsten Mozart-Interpreten des vergangenen Jahrhunderts, der wie kaum ein anderer in die Geheimnisse der treffenden Nuancierung, passenden motivischen Differenzierung und vor allem idealen Tempowahl eintauchen konnte. Mag sein, dass er sich diese Fähigkeit durch die intensive Arbeit mit Jazzmusikern erworben hatte. Fest steht, dass die Einspielung der Klavierkonzerte, die er Mitte die Siebziger mit den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Claudio Abbado verwirklichte, zu den in jeder Hinsicht perfekten Versionen dieser Werke zählt. Ob dynamische Balance, klangliche Binnendifferenzierung oder auch musikalische Freiheit in den zum Teil selbst entwickelten Kadenzen - Gulda trifft die richtige Wahl. Und so passt der Titel "Great Piano Concertos", der für die Zusammenstellung der Konzerte K 466, K 467, K 503 und K 595 gewählt wurde, sowohl für den Komponisten als auch für den Interpreten. Eine glorreiche Kombination, inspiriert und ehrfürchtig der Musik gegenüber.

Die Referenz:

"Herausragend!" (HiFi Stereophonie)
"Atemberaubend!" (WDR)

Näheres zur Referenz-Reihe unter http://www.referenzaufnahmen.de