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18.04.2003

Zurück zu den Wurzeln

Concerto Köln, Zurück zu den Wurzeln

Es gab mal eine Zeit, da dachte man bei Bagdad nicht an Krieg. Seit Jahrhunderten gehört der Orient zu den bevorzugten Objekten exotistischer Phantasien, die mit einer Mischung aus Neugier und Schauer mächtige Kalifen und schöne Haremsdamen imaginierten. Fest steht, dass ohne die kulturelle Offenheit und Toleranz des arabischen Kulturkreises das Abendland um manche Errungenschaft ärmer wäre. Das Concerto Köln nahm diese Erkenntnis zum Anlass, um gemeinsam mit der Gruppe Sarband und dem Projekt "Dream Of The Orient" musikalisch den Verbindungen der nur scheinbar so verschiedenen Welten zu Mozarts Zeiten nachzuspüren.

Es war immer eine Mischung aus Fremdheit und Begeisterung. Natürlich bestanden schon in der Antike regen Beziehungen zwischen den Kulturen des Orients und denen Großmächten des Okzients, mochten sie nun Griechen, Römer oder gar Barbaren sein. Schließlich war der babylonische Raum die Wiege der menschlichen Zivilisation. Seitdem wechselten Phasen des Austausches mit solchen der Ablehnung, wurden von Zeiten der religiösen Intoleranz überdeckt, die etwa während der Kreuzzüge oder der Reconquista zu blutigen Auseinandersetzungen aus Glaubensgründen führten. Das Muster blieb jedoch ähnlich. Standen die Türken als osmanische Repräsentanten der orientalischen Welt vor Wien, fürchtete man sich von ihnen und versuchte, sie schnellstmöglich wieder aus dem Land zu treiben. Waren sie aber als Händler und Kunstliebhaber in der Ferne zu betrachten, dann umsponnen sie sagenhafte Träume. Märchen aus 1001 mehrten den Ruhm des Kalifen, Opern wie Mozarts "Entführung aus dem Serail" kokettierten mit dem (erotischen) Charme der rätselhaften Muslimen, Janitscharen, Sarazenen.

 

Tatsächlich gab es immer wieder europäische Komponisten, die versuchten, die akustischen Eindrücke der Ferne in die abendländischen System einzufügen. Christoph Willibald Gluck (1714-87) zum Beispiel versah die Ouvertüre von "La Rencontre Imprévue" mit Elementen türkischer Militärmusik. Seine Zeitgenosse Joseph Martin Kraus (1756-96) schrieb seine Oper "Soliman II" voller edler Türken und Franz Xaver Süssmayr (1766-1803) eine "Sinfonie Turchesca", die das Orientalische bereits im Namen hatte. Der Trend war "alla turca" und es herrschte eine eigenartiges Verhältnis von Neugier und Unkenntnis, dessen Resultat bis hinein in die ausgedehnte Kaffeekultur der Habsburger-Monarchie reichte.

 

Für das Concerto Köln war das ein Ausgangspunkt, sich mit "Dream of The Orient" einer Idee zu widmen, die die oben genannten Komponisten mit Kollegen wie Zurnazen Ibrahim Aga, Han Gazi Giray und Ali Ufki kombiniert, um die strukturelle Verwandtschaften mancher Orientphantasien mit den Originalen zu belegen. Das seit seiner Gründung vielfach preisgekrönte Orchester, das sich der Umsetzungen unkonventioneller Projekte mit zeitgenössischen Instrumenten widmet, nahm sich in diesem Fall das Ensemble "Sarband" zu Hilfe. Geleitet von dem Schlagwerker Vladimir Ivanoff kommen dabei sieben Spezialisten für türkisch-arabischen Musik zusammen, die ebenfalls auf authentischen Instrumenten wie Ney (Hirtenflöte), Kanun (Trapezzither) oder Bendir (Rahmentrommel) die klassischen und volksmusikalischen Beispiele der orientalischen Musiktradition angemessen umsetzten können. So verschmilzt das im September 2002 in der Kölner Melanchton-Kirche aufgenommene Repertoire zu einer imaginären Hörreise durch einen nur an der Oberfläche fremden Raum, dessen Gemeinsamkeiten mit der europäischen Kultur man in politisch finsteren Zeiten wie diesen nicht genug hervorheben kann.