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11.04.2003

Die schönste Stimme Spaniens

Die schönste Stimme Spaniens

Es gibt etwas zu feiern. Am 12. April wird Montserrat Caballé 70 Jahre alt. Ganz Spanien ist stolz auf die große Sopranistin aus Barcelona, eine Diva mit Charme, die im Laufe ihrer Karriere nicht nur die Kritiker und Spezialisten, sondern ein breit gefächertes Publikum von den Opernhäusern bis zu der Fernsehsesseln begeisterte. Die Universal reiht sich daher in die Schlange der Gratulanten ein und präsentiert mit "Caballé and Friends" und "Vissi d'arte - the magnificant Voice of Montserrat Caballé" (2CD) zwei Zusammenstellungen mit vielen ihrer großen Erfolge.

Als Montserrat Caballé geboren wurde, stand es schlecht um Spanien. Die Faschisten kämpften um die Macht, ein unsäglicher Bürgerkrieg verwüstete als Vorgeschmack noch verheerenderer Zerstörungen Teile des Landes. Für das Mädchen aus musikbegeistertem Elternhaus bedeutete das zunächst zahlreiche Entbehrungen. Immerhin, sie hatte die Musik und ihre Eltern unterstützten sie nach Kräften in ihrem Wunsch, Sängerin zu werden. Mit Hilfe eines katalanischen Mäzens war ihr von 1942 an das Studium am Konservatorium Liceo in Barcelona möglich. Sie beendete es mit der Goldmedaille im Fach Gesang, durfte daraufhin in Mailand weiter studieren. Große Lehrer wie Napoleone Annovazzi und Conchita Badía weihten sie in die Geheimnisse der Stimmgestaltung ein, konnten aber bereits auf einen außergewöhnlichen natürlich lyrischen Sopran zurückgreifen, den die junge Elevin zum Unterricht mitbrachte. Erste Bühnenerfahrungen sammelte sie von 1956 am Stadttheater Basel, am Gran Teatro der Liceo ihrer Heimatstadt, schaffte aber nicht den großen Durchbruch auf dem internationalen Parkett.

Im Jahr 1965 jedoch half ihr der Zufall. Als Marilyn Horne, die für die Titelrolle von Donizettis "Lucretia Borgia" in der New Yorker Carnegie Hall vorgesehen war, kurzfristig erkrankte, sprang die spanische Kollegin ein und gewann mit wenigen Tönen bereits die Sympathie des Publikums. Die ebenfalls durch Zufall zahlreich im Publikum anwesenden Produzenten und Agenten brauchten ein wenig länger, doch am Ende des Abends war klar, dass ein neuer Star am Opernhimmel erschienen war. Von da an konnte sich Montserrat Caballé vor Angeboten kaum retten und sie schaffte es tatsächlich, in den folgenden zwei Jahrzehnten beinahe pausenlos und mit nahezu allen namhaften Kollegen ihrer Zunft auf der Bühne zu stehen. Die internationale Begeisterung ging so weit, dass manche Kritiker bald wieder unkten, sie würde sich im Erfolg verbrauchen. Und vor allem mit schwächeren Partnern konnte es passieren, dass ihre Persönlichkeit ganz das Geschehen dominierte.

Doch die großartigen Eigenschaften ihrer Stimme, die warme Klangfarbe, das schöne und ausgewogene Timbre, die Geschmeidigkeit und Homogenität, das beeindruckende Volumen, die samtige Textur, überhaupt die gesamte Erscheinung belehrten die Skeptiker immer wieder eines Besseren. Und die beeindruckende Liste der musikalischen Wegbegleiter, von denen nur ein kleiner Teil auf den beiden Jubiläums-Zusammenstellungen Platz hatte, liest sich wie ein Who is Who der klassischen Musikwelt. Sie reicht von den drei Tenören über Dirigenten wie Karajan, Colin Davis, Solti, Mehta, Abbado, Levine bis hin zu Rockgrößen wie Freddie Mercury, mit dem sie 1987 sogar die Pophitparaden stürmte. Alles in allem gibt es also viele Gründe zum Jubilieren und noch mehr zum Gratulieren, wenn mit Montserrat Caballé eine der wichtigsten Sängerinnen des 20.Jahrhunderts ihren runden Geburtstag feiert.