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28.03.2003
Antonín Dvorák

Die Liebe der Nymphe

Antonín Dvorák, Die Liebe der Nymphe

Es ist eine traurige Geschichte. Die Nixe Rusalka liebt den Prinz. Der Prinz lässt sich bezirzen, wird aber untreu. Die Nixe ist daraufhin zum Geisterdasein verdammt. Zuschlechterletzt stirbt auch noch der Geliebte in ihrer Umarmung. So viel Dramatik in einem Libretto - da fällt auch einem Komponisten wie Antonin Dvorak nur großartige Musik ein.

Dvorak war verschnupft. Obwohl er im Laufe der Jahre immerhin zehn große Opern geschrieben hatte, galt er in der Öffentlichkeit weiterhin als Symphoniker. In einem Interview im März 1904 gab er daher zu bedenken: "In den letzten fünf Jahren schrieb ich nichts anderes als Opern. Ich wollte mich mit all meinen Kräften, soweit mir der liebe Gott noch Gesundheit schenkt, dem Opernschaffen widmen. Nicht etwa aus Sehnsucht nach Bühnenruhm, sondern aus dem Grunde, weil ich die Oper auch für die geeignetste Schöpfung für das Volk halte. Dieser Musik lauschen die breitesten Massen und zwar sehr oft; wenn ich aber eine Symphonie komponiere, könnte ich vielleicht jahrelang warten, bevor sie bei uns ausgeführt würde". Die Verstimmung des Komponisten allerdings galt nicht nur der asymmetrischen Wahrnehmung seiner Schaffenskraft, sondern auch der Wankelmütigkeit von Publikum und Kritik. War der Kritikerpapst Eduard Hanslick etwa zur Uraufführung der großen Oper "Dimitrij" anno 1881 noch eigens nach Prag angereist und kehrte voller Lob nach Wien zurück, so wurden spätere Werke wie etwa das symphonische Gedicht "Der Wassermann" von ihm eher abschätzig beurteilt.

 

Ein Erfolg allerdings blieb unangefochten. Am 31. März 1901 wurde im Prager Nationaltheater Dvoraks neunte Oper "Rusalka" uraufgeführt. Das Libretto stammte von Jaroslav Kvapil, der wiederum sich von Hans Christian Andersens Märchen "Die kleine Meerjungfrau" hatte inspirieren lassen und deren traurige Liebesgeschichte er mit Motiven aus Karel Jaromir Erbens Volksballaden verknüpfte. Die Geschichte packte Dvorak. Er war so begeistert, dass er die gesamte Partitur zwischen 21. April und 27. November 1900 vollendete, in nur sieben Monaten Arbeitszeit. Trotz einiger Pannen in der Vorbereitung (der Prinz der Premiere zum Beispiel musste wergen Trunkenheit ersetzt werden), war der Zuspruch groß. Während der folgenden Jahre avancierte "Rusalka" neben Smetanas "verkaufter Braut" sogar zur beliebtesten tschechischen Oper überhaupt. International jedoch gehört das Werk noch immer zu den eher selten aufgeführten Bühnenstücken, wohl wegen des tschechischen Librettos, aber auch aufgrund der Vorurteile, die Dvorak als Symphoniker festlegen.

 

Insofern ist ein Aufnahme, die Stars wie der amerikanischen Sopranistin Renée Fleming (Rusalka), dem kanadischen Tenor Ben Heppner (Prinz) und Sir Charles Mackerras am Pult des Czech Philharmonic Orchestra vor den Mikrofonen versammelt, eine längst überfällige Würdigung des traurigsüßen Melodrams. Und das wissen auch die Spezialisten wie der Rezensent des Fonoforums zu schätzen: "Der mit dem Idiom der tschechischen Oper schon seit langem vertraute Dirigent ist der denkbar beste Anwalt des Werkes; was er im Verein mit der Tschechischen Philharmonie an Schönheiten, Farben und auch an dramatischer Empfindung aus dem Werk herausholt, ist eine wahre Pracht".

 

Die Referenz:

 

"Der mit dem Idiom der tschechischen Oper schon seit langem vertraute Dirigent ist der denkbar beste Anwalt des Werkes; was er im Verein mit der Tschechischen Philharmonie an Schönheiten, Farben und auch an dramatischer Empfindung aus dem Werk herausholt, ist eine wahre Pracht. " (K. Egelmann, FonoForum 12/1998)