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28.02.2003

Der Cello-Faktor

Der Cello-Faktor

Ein Fernsehportrait des Edel-Senders Arte stellt Jorane auf eine ähnliche kreative Ebene wie die Freaks von Apocalyptica. Denn die 26jährige Kanadierin kümmert sich ebenso wenig um die Konventionen ihres Instruments wie die Heavy Metal Kollegen aus Finnland. Sie nimmt das Cello als Allroundklangkörper und gestaltet musikalische Welten nach eigenem Gusto.

Ihre Eltern hatten es bestimmt nicht leicht. Als die kleine Jorane fünf Jahre alt war, spielte sie bereits leidlich Klavier. Und hasste die Stücke, die sie sich aneignen sollte. Mit sechs verweigerte sie den Unterricht und erfand lieber eigene Klangräume, Geschichten, Assoziationen. Sie wechselte zur Gitarre, gewann als Teenagerin einige Preise als Solistin, war aber noch immer nicht zufrieden mit den ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. Also probierte sie es mit dem Cello und brachte es an dem anspruchsvollen Instrument schnell zu beachtlicher Fertigkeit. Außerdem sang sie dazu und so wuchs eine individuelle Soundvorstellung heran, in der Schwebe zwischen klassischen Stileinsprengeln, atmosphärischen Hörarchitekturen und popmusikalischen Einflüssen. Jorane ging ins Studio, gerade 22 Jahre alt, nahm ihr erstes Album "Vent Fou" auf und wurde in ihrer kanadischen Heimat prompt für mehrere Preise nominiert, unter anderem als Beste Solo-Künstlerin und Bestes Album-Design (Juno-Award) und Beste Weibliche Künstlerin, Bester Newcomer und Bestes Album (Adisq Award).

Für die damals 22jährige war das die Bestätigung, in Richtung persönlicher Ideenumsetzung weiter zu machen. "16 mm" wurde ein Album voller Hörfilme, die als fragile Klangkonstruktionen die Experimente des Vorgängerwerks weiter führten. Mit "Jorane" nun meldet sie sich auch auf dem internationalen Parkett zu Wort. Als Querschnitt der beiden ersten Alben, ergänzt um Konzertmitschnitte von 2002 und Beiträge zu dem Soundtrack von "I Am Diana" (mit Gérard Depardieu) ist es eine ebenso anspruchsvolle wie einladende Möglichkeit, eine eigensinnige Künstlerin kennen zu lernen, der die Nischenzuweisungen der Musikszene gleichgültig sind. Hier geht jemand seinen Weg, unbeirrbar und offen allen Anregungen gegenüber, die das Gefühl anbietet.