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28.02.2003
Giuseppe Verdi

Verdis größte Oper

Giuseppe Verdi, Verdis größte Oper

Gardiner war der erste. Seine Einspielung von Verdis "Requiem" mit dem Orchestre Révolutionaire et Romantique und dem Monteverdi Choir vom Dezember 1992 war das Debüt des Stückes im Sinne historischer Aufführungspraxis. Dramatisch und unmittelbar vermittelt es sich dem Zuhörer, den Ideen des Komponisten nahe, aber auch den klangtechnischen Bedürfnissen der heutigen Zeit gerecht.

Viel Vorarbeit war zu leisten. Der Dirigent und Spezialist für Rekonstruktionen historischer Klangverhältnisse John Eliot Gardiner erinnert sich an das Projekt Verdi mit eine Mischung aus Begeisterung und Stolz: "Was mir persönlich vordringlich erschien - und auch bei der Vorbereitungsarbeit zu dieser Einspielung mitbestimmend war - ist das Bemühen, möglichst viel über Verdis eigene Ansichten zur Frage des Aufführungsstils zu eruieren, insbesondere auch über Typus, Originalität und Umfang der ihm zur Verfügung stehenden Mittel. Die weitaus wichtigste Fragestellung betrifft den Gesamtstil des Werkes. Das Requiem wurde gelegentlich als "Verdis größte Oper" bezeichnet. Denkt man an die bei der Premiere mitwirkenden Solisten, unter denen ja seine ersten Darstellerinnen der Aida (Teresa Stolz) und der Amneris (Maria Waldmann) waren, so könnte man auf eine durchaus opernhafte Aufmachung schließen; liegt hier doch ein Text zugrunde, an dem sich die Phantasie des Dramatikers Verdi entzünden musste. [...] Unser Anliegen ist hier der Versuch, die vitale Dramatik des Werkes mit den tonmalerischen Elementen und der leidenschaftserfüllten Aussage des liturgischen Textes zu verbinden, ohne dabei in theatralische oder klischeehafte Posen zu verfallen - mit anderen Worten: nicht nur die stilistischen Hauptmerkmale von Verdis "Messa da Requiem" wieder klar herauszuarbeiten, sondern zugleich auch deren Beziehung zur geistlichen Musik der Vergangenheit nachzuweisen - zu Rossini und Cherubini sowie auch noch viel älteren italienischen Vorbildern, die Rossini hoch verehrte."

Der Weg dorthin führt zunächst über besondere Ensembles. Den Monteverdi Choir rief Gardiner bereits 1964 ins Leben, mit dem Ziel, ein kompetentes Medium für lang vergangene Oeuvres zu haben. 1990 folgte das Orchestre Révolutionnaire et Romantique als sinfonischer Klangkörper mit vergleichbarer Aufgabe: "Die Musiker des Orchestre Révolutionnaire et Romantique verwenden Instrumente, die in Verdis Tagen zu den modernsten gehörten, inzwischen aber aufgegeben oder von späteren Instrumentenbauern verbessert wurden. Sie sind sämtlich französischer Herkunft - Paris war Mitte des 19. Jahrhunderts im Bau von Blasinstrumenten führend - und waren damals in Italien stark verbreitet". Dazu kommen wichtige Spezialitäten der Instrumentierung, von den von Verdi vorgeschriebenen 27 Bläserstimmen bis hin zu besonderen Einzelstücken wie dem Cimbasso, einer Kontrabassposaune, die später von der Tuba verdrängt wurde, vor 130 Jahren aber zu einem großen Orchester gehörte. Basierend auf der kritischen Notenedition von David Rosen, ergänzt um hervorragende Solisten wie die Mezzo-Sopranistin Anne Sofie von Otter und erweitert um die "Quattro Pezzi Sacri" des späten Agnostikers Verdi, erstrahlt die im Dezember 1992 in London entstandene Aufnahme in voluminöser zu zugleich differenzierter Pracht. Ein Meisterwerk geistlicher Musik des 19.Jahrhunderts, ehrfurchtsvoll umgesetzt.

Die Referenz:

" Verdis inspirierenster Partitur gibt Gardiner ihren dunkel schimmernden Zauber und ihre tiefe Spiritualität zurück ohne frömmlerisch oder entrückt zu wirken" (A. Csampai, Stereoplay 6/95)