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13.02.2003

Bach-Konzentrat

Bach-Konzentrat

Die "Messe in h-moll" gilt als die Essenz der Bach'schen Vokalmusik. Mehr als fünfzehn Jahre Entstehungszeit waren zu ihrer Fertigstellung nötig, eine Vielzahl von gestalterischen Besonderheiten hebt sie aus dem übrigen Korpus der Kompositionen heraus. Schon deshalb ist es eine immense Aufgabe, sie in ihrer Gesamtheit aufzuführen oder gar aufzunehmen.

Der äußere Anlass war klar. Nach dem Tod des Landesfürsten August des Starken war anno 1733 erlassen worden, dass für fünf Monate alles Musizieren untersagt sei. Der städtische (protestantische) Kantor Johann Sebastian Bach nahm diese Zwangspause wahr, um sich mit einem Stück Kirchenmusik, das er dem (katholischen) Nachfolger des Potentaten widmete, bei Hofe beliebt zu machen. Die Rechnung ging zwar erst drei Jahre später auf, als er zum Hofcompositeur und damit zum kurfürstlich-sächsischen und königlich-polnischen Titular-Hofkapellmeister ernannt wurde. Der Nachwelt aber blieb dadurch der erste Teil seiner Messe in h-moll (BWV 232) erhalten, der aus dem immerhin rund einstündigen "Kyrie" und "Gloria" bestand.

Man nimmt an, dass sie 1733 in Dresden aufgeführt wurde, genaue Quellen aber fehlen. Jedenfalls nahm sich Bach in den Folgejahren in sporadischen Abständen immer wieder der Messe an und erweiterte sie, diesmal ohne speziellen Anlass, noch um "Credo", "Sanctus", "Osanna", "Benedictus", "Agnus Dei" und "Dona nobis pacem". Erstaunlich bleibt dabei, dass er wohl kaum eine tatsächlich Aufführung des Gesamtwerkes im Sinn gehabt haben kann, weil die einzelnen Elementen nach den damaligen Gepflogenheiten nicht zusammen passten. Ging es nach Luther, dann hätten die den Opfergedanken enthaltenden Stücke der römischen Liturgie im evangelischen Gottesdienst keinen Platz gehabt. Gegen eine katholische Umsetzung wiederum sprachen unrömische Textvarianten und die falsche Gliederung der Schlusssequenzen. Das aber bedeutete, dass dieses Werk in jeder Hinsicht den Rahmen des Gottesdienstes sprengte. Warum Bach, der sonst in der Regel pragmatische Gründe für die Entstehung einer Komposition hatte, sich trotzdem so ausführlich der h-moll-Messe widmete, kann man nur vermuten.

Die Strenge einer Messe schloss überwiegend solistische Elemente aus, konnte aber zur Entfaltung des Spektrums chorischer Ausdrucksformen benützt werden. Bach spielte sein Können aus, gestaltete verschiedene fugale Techniken ebenso wie unterschiedliche Satzarten vom Konzertsatz des "Glorias" über den motettischen Satz des "Gratias" bis hin zum frei expressiven Satz des "Et incarnatus". Er orchestrierte verhalten, begnügte sich mit einer Normalinstrumentierung ohne auffallende Ergänzungen etwa durch Trombonen, Cornetti, Blockflöten etc. Sein Hauptaugenmerk lag auf der Stimmverteilung, die er von der Vier- bis zur Achtstimmigkeit (im "Osanna" und "Dona nobis pacem") ausformte. Diese Mischung aus Reduktion und Kunstfertigkeit stellte nicht nur damals die ausführenden Ensembles vor komplizierte Fragen. Auch John Eliot Gardiner musste zunächst zahlreiche Partiturausgaben studieren (Grundlagen der Aufnahme ist die Neue Bach-Ausgabe, Ser. II, Vol.1 (ed . F. Smend), gedruckt bei Bärenreiter, Kassel 1954), um aufgrund fehlender Originalquellen die möglichen Modalitäten der Aufführung zu rekonstruieren. Im Februar 1985 wurden schließlich in der Londoner All Saints' Church die Mikrofone angeschlossen, sodass mit den English Baroque Solists und dem Monteverdi Choir eine Einspielung entstehen konnte, über der die Kritik urteilte:

Die Referenz:

"Das Resultat ist eine Sensation. Egal, wo Sie reinhören: Hier stimmt alles. Höchste Bewertungen für Interpretation und Klangtechnik" (M. Wendt, Audio 2/1986)