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03.01.2003

Konzentrat des Genies

Konzentrat des Genies

"Das Schlüsselwort, der gemeinsame Nenner heißt Inspiration", meint Eugene Drucker, der erste Geiger des Emerson String Quartets zu dem Mammutunternehmen, das das Kammerensemble mit der Gesamteinspielung von Beethovens Streichquartetten wagte. Und tatsächlich sprühen diese ungewöhnlichen Aufnahmen nur so vor Vitalität und Schaffenslust.

Das Emerson String Quartet ist eine Ausnahme im Klassikbusiness. Es ging 1976 aus verschiedenen Übungsformationen hervor, die vier junge Studenten an der New Yorker Juilliard School Of Music ausprobiert hatten, und unterschied sich bereits damals von der gängigen Form des Streichquartetts. Denn die Musiker wollten sich nicht der strengen Rollenunterteilung der Instrumente fügen und überließen Leitung und Position der 1. Geige abwechselnd Eugene Drucker und Philippe Setzer. Sie nannten sich nach dem amerikanischen Philosophen Ralph Waldo Emerson und entwickelten sich schnell zu einem der führenden Ensembles ihres Fachs, das sich vor allem durch Konzerte wie mit den sechs Streichquartetten von Bartók an einem Abend oder auch den umfangreichen Beethovenzyklen auf sich aufmerksam machte.

 

Insofern wundert es kaum, dass das Emerson String Quartet sich nach beinahe zwei Jahrzehnten konstanter Konzertpraxis reif genug fühlte, sich einer Kompletteinspielung der Beethovenquartette zu widmen: "Was diese Aufnahme angeht, möchten wir das eine versichern: dass das Ergebnis die Empfindungen wiederspiegelt, die uns bei unseren vielen Aufführungen im Konzertsaal bewegt haben. Kaum etwas kommt der Beschwingtheit gleich, mit der uns die kraftvollen Impulse der Großen Fuge am Ende von Opus 130 erfüllen. Oft sind wir der Erschöpfung nah, wenn wir diesen Satz zum Abschluss eines langen Konzertabends beginnen, doch unweigerlich entfesselt er in uns neue Energien. Über das denkbar Mögliche hinauszugehen, die Klanggrenzen des Streichquartetts zu überschreiten, die Form über verbürgte Umrisse hinauszutreiben? diese Kraftentladungen in Beethovens Musik spornen die Ausführenden an, über sich hinauszuwachsen".

 

Dabei liegt die Kunst darin, bei aller Emphase und Ausdruckslust die Kontrolle über die historischen und werkkonstituierenden Zusammenhänge nicht zu verlieren. Da die Entstehung der Quartette den Zeitraum von 1800 (op.18) bis 1825/26 für die späten Werke umfasst und somit quasi die komplette Künstlergenese Beethovens abbildet, brauchte es neben der reichhaltigen Konzerterfahrung ausführliche quellenkritische Studien, um den Intentionen des Komponisten auf die Spur zu kommen. Das Emerson Sting Quartett ließ sich daher vom Januar 1994 an rund eineinhalb Jahre Zeit, die kompletten Vorlagen einzuspielen und immer wieder zu korrigieren, bis schließlich Versionen entstanden waren, die sowohl ihren eigenen Ansprüchen als auch denen der musikalischen Spezialisten entsprachen. Die Resonanz auf die CD-Box war dementsprechend enthusiastisch. Weltweit begeisterten sich Publikum und Kritik für ihr Engagement um das Erbe des klassischen Genies, das bis ins Detail hinein zu faszinieren vermag: "Die Wut, mit der sich die Vier in den Kopfsatz von op.95 stürzen, ist eher 'dramatico' als 'serioso'", meinte stellvertretend für viele der Rezensent der Zeitschrift 'Stereoplay' und fügt hinzu: "Und das fugierte Finale von op. 59/3 bricht in seiner perfektionierten Raserei alle Rekorde. Eine imponierende Produktion".

 

Die Referenz:

 

"Die Wut, mit der sich die Vier in den Kopfsatz von op.95 stürzen, ist eher 'dramatico' als 'serioso'. Und das fugierte Finale von op. 59/3 bricht in seiner perfektionierten Raserei alle Rekorde. Eine imponierende Produktion. " (A. Beaujean, Stereoplay 6/1997)