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13.12.2002

Seelenklänge

Alexei Lubimov, Seelenklänge

Der Klassikkritiker Reinhard Schulz war begeistert und jubilierte in der Süddeutschen Zeitung: "Diese Klavier-Aufnahme mit elegischen Stücken aus drei Jahrhunderten zählt zum Außerordentlichsten, was in letzter Zeit aufgelegt wurde. Was für ein wunderbar intensiver, zart fühlender, innig gestaltender Pianist ist doch Alexej Lubimov!"

Eine Elegie, sagt der Brockhaus, sei eine Klage, ein Trauergesang, ursprünglich im strengen Zusammenhang griechischer und römischer Dichtkunst, allgemein aber auch in der Welt der Klänge zu finden. "Elegies For Piano" untertitelt Alexei Lubimov sein Programm, das von Carl Philipp Emanuel Bach über abstrakte Melodien eines John Cage bis hin zu Werken russischer Zeitgenossen wie Tigran Mansurian und Valentin Silvestrov führt. Für den Künstler ist der Zusammenhang eindeutig: "Melancholie - so könnte man dieses Programm nennen; Nostalgische Bilder - wird ein anderer sagen; Stille, Meditation - so wird es ein Dritter empfinden. Man kann es sich auch so denken: Musik, die jemand für sich selbst geschrieben hat - wie ein Tagebuch, das gar nicht zur Veröffentlichung bestimmt ist und das nur Persönlichstes fixiert, etwas, das nur einem selbst erinnerlich ist und vieles besagt". Musik als Wegweiser in vergessenes Terrain der Empfindung und Erinnerung - das ist ein heikles Konzept. Nur allzu schnell stellen sich die mahnenden Zeigefinger der Kulturkritiker ein, die vor den Verlockungen der New Age-Klangräumen warnen. Tatsächlich neigen Gesamtkonzepte mit dem Schwerpunkt auf der Innerlichkeit zuweilen unter dem Stigma des Beliebigen. Lubimov entgeht dieser künstlerischen Fallgrube jedoch durch die Direktheit seines Ausdrucks, die er sich über die Jahre hinweg angeeignet hat.

 

Anno 1944 in Moskau geboren, bei Heinrich Neuhaus unterrichtet, zählte Lubimov bereits als 16jähriger Teenager zu den Stars der Sowjetrussischen Klaviergarde. Er machte sein heimisches Publikum mit John Cage und Terry Riley bekannt, brachte ihnen Landsleute wie Silvestrov nahe und schaffte es schließlich seit 1987, auch über die Grenzen des Eisernen Vorhangs hinaus in der Welt der Konzertsäle sich mit einem Repertoire zu behaupten, das von den Klassikern der Klavierkunst wie Mozart, Schubert, Chopin und Brahms bis zu den Experimentellen der Avantgarde reicht. Insofern ist "Der Bote" als stilistisches Patchwork aus verschiedenen Epochen ein konsequent auf Lubimovs Möglichkeiten zugeschnittenes Programm. Es präsentiert den Pianisten als Propheten des Verhaltenen, als Individualisten mit dem Mut zum Wesentlichen: "Es ist eine Art Reiseerzählung, und die einzelnen Stationen geben weniger etwas über die Seele der Autoren kund, als dass sie allmählich zu dem Ausgangspunkt hinführen, wo all diese Musik ihre Verwandtschaft findet und dem sie in einer inneren Einheit verpflichtet ist."

 

Die Referenz:

 

"Diese Klavier-Aufnahme mit elegischen Stücken aus drei Jahrhunderten zählt zum Außerordentlichsten, was in letzter Zeit aufgelegt wurde. Was für ein wunderbar intensiver, zart fühlender, innig gestaltender Pianist ist doch Alexej Lubimov!" (Reinhard Schulz, Süddeutsche Zeitung)