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06.12.2002

Freuet Euch!

Freuet Euch!

Für Johann Sebastian Bach war es eine Komposition unter vielen. Für die Nachwelt hingegen wurde das Weihnachtsoratorium zu einem der zentralen Werke überhaupt. Denn der barocke Meister hatte es verstanden, die Kraft der kirchlichen Botschaft in eine unmittelbare und verständliche Form zu gießen, die den Menschen Hoffnung gab und Größe präsentierte.

Das "Oratorium Tempore Nativitatis Christi" für Soli, Chor, Orchester und Generalbass BWV 248 entstand für die Weihnachtssaison 1734/35 zum Teil aus bereits vorhandenen Kantaten. Es hat sechs Teile, die von Heiligabend bis zu Epiphanias aufgeführt wurden. Genau genommen war es von Anfang an kein Oratorium im Sinne eines durchgehenden Oeuvres, sondern eine Aneinanderreihung von 6 vokal-orchestralen Einzelwerken, die vorrangig liturgisch, nicht künstlerisch zusammenhingen. Anstatt der opernähnlichen dramatischen Wiedergabe konzentrierte sich Bach auf das erzählende Element und die poetische Gestaltung der Texte, die er für kraftvoll genug hielt, sich im Einklang mit der Musik zu behaupten. Diese Vermengung aus Bekanntem und Poetischem, Liturgie und Geschichtenerzählung machte sein "Weihnachtsoratorium" zu einem großen Erfolg über die Jahrhunderte hinweg.

 

Und sie forderte immer wieder renommierte Ensembles zur Auseinandersetzung heraus. Karl Richter zum Beispiel machte sich im Jahr 1965 im Münchner Herkulessaal an eine aufwändige Plattenaufnahme, die neben dem Bach-Chor und dem Bach-Orchester auch herausragende Solisten wie die Sopranistin Gundula Janowitz und den Tenor Fritz Wunderlich vor den Mikrofonen versammelte. Das Resultat war bestechend. Richter gelang es, bis ins Details der dynamischen Gestaltung die einzelne Komponenten ausgewogen zu gewichten. Gerade in den vertrackt kontrapunktischen Chorpassagen konnte er seine Fähigkeit ausspielen, große Klangkörper nuanciert zu lenken. Sein "Weihnachtsoratorium" wurde zu einer zentralen Einspielung des Werkes, beseelt vom kongenialen Zusammenwirken von Text und Interpretation.

 

Doch es blieb nicht die einzige Version, die für die Labels der Universal mit Laufe der Jahre entstanden. Allein 16 verschiedene Ausgaben bietet der Katalog, die sich mal vollständig, mal auszugsweise dem "Weihnachtsoratorium" widmen. Da ist zum Beispiel die bereits 1979 erstmals veröffentlichte Interpretation mit den Regensburger Domspatzen unter der Leitung von Hanns-Martin Schneidt, die sich partiell den eindrucksvollsten Passagen des Werkes widmet. Acht Jahre später wurden gleich zwei prominente Versionen ins Programm genommen. Eine entstand für Archiv Produktion unter der Leitung von Sir John Eliot Gardiner, die andere bei Philips Classics und hatte als besondere Facette den Startenor Peter Schreier als Solisten zu bieten. Vergleichsweise neu, dafür interpretatorisch am ursprünglichsten schließlich ist die Einspielung des New London Consorts unter der Leitung von Philip Pickett, die anno 1999 entstand. So gibt es für jeden sein eigenes "Weihnachtoratorium" im Repertoire, von emphatisch ernst (Richter) bis historisch kritisch (Pickett). Wer die Wahl hat...