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29.11.2002

Frohe Botschaften

Frohe Botschaften

Drei große Kirchenkompositionen bezeichnete Johann Sebastian Bach selbst als "Oratorien". Davon entwickelte sich vor allem die gesungene Weihnachtsgeschichte zu einem seiner bekanntesten Werke. Im Jahr 1965 nahm sich Karl Richter mit seinen Münchner Bach Ensembles dem umfangreichen Opus an. Ein Zusammentreffen gleichgesinnter Charaktere.

Im Dezember 1721 heiratete Fürst Leopold von Anhalt seine zweite Frau Anna Magdalena Wilken. Für den Hofkapellmeister Johann Sebastian Bach führte diese Liaison zunächst zur inneren, dann zur tatsächliche Kündigung seiner begehrten Stellung. Denn die neue Regentin stand der Musik reichlich gleichgültig gegenüber und so fühlte sich der ambitionierte Komponist weder genug ernst genommen noch ausreichend ausgelastet. Er bewarb sich auf die Stelle nach Leipzig als Thomaskantor, wurde durch viele Zufälle sogar genommen ý alle anderen Kandidaten hatten abgesagt ý und hatte nun die Gelegenheit, sich ausgiebig der geistlichen Musik zu widmen. Zwar hatte Bach auch hier zu kämpfen, denn die Anfänge der Aufklärung drängten deren Bedeutung zugunsten des mit dem Verstand zu erfassenden Wortes zurück. Es gab immer wieder Auseinandersetzungen mit dem Vorgesetzten in der Thomasschule, in der Bach zu lehren hatte und deren Unterricht er mit Musik zu füllen versuchte. Es gab aber auch zahlreiche Gönner innerhalb des kursächsischen Adels in Leipzig, sodass Bach zumindest bis in sein letztes Lebensjahrzehnt hinein sein Auskommen hatte.

Und so entstand unter anderem auch das "Oratorium Tempore Nativitatis Christi" für Soli, Chor, Orchester und Generalbass, dass er für die Weihnachtssaison 1734/35 zum Teil aus bereits vorhandenen Kantaten zusammengestellt und neu bearbeitet hatte. Das Werk hat sechs Teile, die von Heiligabend bis zu Epiphanias aufgeführt wurden. Genau genommen ist es kein richtiges Oratorium im Sinne eines durchgehenden Oeuvres, sondern eine Aneinanderreihung von 6 Kantaten, die vorrangig liturgisch, nicht künstlerisch zusammenhängen. Anstatt der opernähnlichen dramatischen Wiedergabe konzentrierte sich Bach auf das epische Element und die poetische Gestaltung der Texte, die er für kraftvoll genug hielt, sich im Einklang mit der Musik zu behaupten. Diese Vermengung aus Bekanntem und Poetischem, Liturgie und Geschichtenerzählung machte sein "Weihnachtsoratorium" zu einem großen Erfolg über die Jahrhunderte hinweg.

Für Karl Richter war es daher ein Muss, das Werk in der bestmögliche Variante auch zusammen mit seinen hervorragenden Ensembles umzusetzen. So kam es im Jahr 1965 im Münchner Herkulessaal zu einer aufwändigen Plattenaufnahme, die neben dem Bach-Chor und dem Bach-Orchester auch herausragende Solisten wie die Sopranistin Gundula Janowitz und den Tenor Fritz Wunderlich vor den Mikrofonen versammelte. Das Resultat war bestechend. Richter gelang es, bis ins Details der dynamischen Gestaltung die einzelne Komponenten ausgewogen zu gewichten. Gerade in den vertrackt kontrapunktischen Chorpassagen konnte er seine Fähigkeit ausspielen, große Klangkörper nuanciert zu lenken. Sein Weihnachtsoratorium wurde zu einer zentralen Einspielung des Werkes, beseelt vom kongenialen Zusammenwirken von Text und Interpretation. Ein Meisterstück, das die sakralen Inhalte mit Freude und der ihr gebührenden Ehrfurcht präsentiert.

Die Referenz:

"...Höchstes Lob verdienen auch (neben den Solisten) die Instrumental-Solisten,...die im Verein mit dem virtuos musizierenden Bachorchester der Wiedergabe Festlichkeit und Brillanz geben." (J. Delalande in HiFi-Stereophonie 5/1966)