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01.11.2002

Wiener Melange

Wiener Melange

Es war eine große Zeit. Im Wien der Nachkriegsjahre herrschte eine Überfülle an legendären Sänger und hervorragenden Dirigenten, wie es sie sonst nirgendwo in der Welt gab. Einer von ihnen war Erich Kleiber. Bekannt als strenger Perfektionist entlockte er den Künstlern das Möglichste an Interpretationskunst. So auch im Fall des "Rosenkavaliers".

Der Rezensent konnte sich kaum bremsen. Im High Fidelity Magazin war zu lesen: "Selbst an den äußersten Grenzen der Vorstellungskraft ist wohl kaum ein Tag denkbar, an dem diese Aufnahme ihren Wert verlieren wird. Opernaufführungen, die von Anfang bis Ende derart phantastisch gelungen sind, gibt es einfach nicht so oft, und die Chancen, dass ein 'Rosenkavalier' in die Nähe eines Mikrofons kommen und dann auch noch mit so großem technischen Glanz völlig unbeschadet auf Schallpatte festgehallten werden sollte, ist astronomisch gering." Mit anderen Worten: Erich Kleiber war es gelungen, im Juni 1954 die richtige Mannschaft im Großen Saal des Wiener Musikvereins zu versammeln, um aus Richard Strauss' populärem Werk das Maximum an Ausdruckskraft herauszuholen. Tatsächlich ist das Resultat beachtlich. Denn der 'Rosenkavalier' gerät unter der Ägide des österreichischen Dirigenten zum verblüffend transparenten und zugleich temporeich dynamischen Verwirrspiel um dem eitlen Baron Ochs. Das liegt zunächst an der seriösen und probenreichen Erarbeitung des Stoffes, die sowohl die Wiener Philharmoniker als auch die Starsänger interpretationsgerecht domestizierte. Es hängt aber auch mit den stimmlichen und theatralischen Kompetenzen zusammen, die die Beteiligten mit in die Aufnahmesession brachten.

Denn die Besetzung war prominent. Bis in die kleineren Rollen hinein waren Koryphäen ihres jeweiligen Fachs zu erleben. Die junge Hilde Rössel-Majdan aus dem niederösterreichischen Mossbierbaum zum Beispiel gehörte seit 1950 zum Ensemble der Wiener Staatsoper und fand in der wetterwendigen Intrigantin Annina eine charmante Entsprechung ihrer stimmdramatischen Fähigkeiten. Oder Anton Dermota, dessen Tenor die Rolle des namenlosen Sängers mit der Verve der Begeisterung ausfüllte. Aber auch die Hauptrollen waren hervorragend ausgestattet. Noch am Unspektakulärsten wirkte dabei Maria Reinig als Feldmarschallin Fürstin Werdenberg, die vor allem über den Ernst und die Würde ihres Vortrags überzeugte. Sena Jurinac als Octavian hingegen sprühte nur so vor Vitalität und auch der burlesk-verschmitzte Heiratsschwindler Baron Ochs auf Lerchenau fand mit dem Bassisten Ludwig Weber einen idealen Darsteller. Dazu kam die (für die CD-Version sorgfältig überarbeitete) Aufnahme der erfahrenen Techniker Cyril Windebank und Jack Law, denen die angemessene Übertragung der klanglichen Qualität auf Band gelang. So setzte sich Steinchen für Steinchen ein Interpretationsmosaik zusammen, dass die Kleiber-Aufnahme des "Rosenkavaliers" bis heute zum Maßstab gestalterischer Möglichkeiten macht.

Die Referenz:

"Keine neuere Aufnahme kommt an Kleibers beglückende Deutung heran." (Fonoforum)