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25.10.2002

Raum und Ruhe

Gideon Lewensohn, Raum und Ruhe

Neue Musik ist als Begriff ein Widerspruch. Denn wer sich die permanente Innovation auf die Fahnen schreibt, wird eines Tages an der Unerfüllbarkeit dieses Anspruchs scheitern. Neue Musik steht daher vielmehr für eine unvoreingenommene Verbindung vorhandener und individueller Klangbausteine, die je nach persönlichem Talent der Komponisten über die Mauer der Konvention hinausreichen. Das Münchner Label ECM kümmert sich aus diesem Grund wenig um die Normvorgaben der Stilphilister und widmet sich Komponisten, die es zu entdecken gilt. Zum Beispiel Alexander Knaifel. Und Gideon Lewensohn.

Alexander Knaifel (*1948) stammt auch Usbekistan und lebt in St. Petersburg. Sein Vater war Violinist und seine Mutter Dozentin für Musiktheorie an der Leningrader Musikakademie. Es wundert daher wenig, dass bereits der junge Alexander mit hochkulturellen Klangwelten in Kontakt kam und nach Studien an der ortsansässigen Schule sich 1961 an die Moskauer Musikakademie begab. Als Hauptinstrument hatte er das Cello gewählt und kam auf diese Weise mit Mstislav Rostropowitsch und Boris Arapov in Kontakt, die ihn als Meister in die höheren Weihen der Interpretations- und Kompositionskunst einführten. Seit den siebziger Jahren gehört er zu den wichtigen Vertretern russischer Klangmoderne. Rund siebzig Kompositionen in unterschiedlichen Fächern entstanden seitdem, außerdem etwa vierzig Soundtracks für Spiel- und Dokumentarfilme. Das Besondere an Knaifels musikalischen Architekturen ist dabei die weitläufige Raumgestaltung, die er seinen Werken zugesteht. Das wird sowohl bei "In Air Clean And Unseen" als auch bei "Svete Tikhiy" deutlich, die als Beispiele seines Werkkomplexes aus den Neunziger auf seine erste eigene CD (nach der Zusammenarbeit mit Thomas Demenga auf "Lux Aeterna" 1998) bei ECM New Series aufgenommen wurden. Gemeinsam mit dem ungarischen Keller Quartet, dem Pianisten Oleg Malov, der Sopranistin Tatiana Melentieva und dem Elektronik-Spezialisten Andrei Siegle gelingt ihm eine schemenhaft an Arvo Pärt erinnernde Kombination spiritueller und kontemplativer Intensität auf melodischer Basis, die trotz klarer Struktur inhaltliche Offenheit suggeriert.

 

Gideon Lewensohn (*1954) wiederum sieht sich in der Nachfolge Gustav Mahlers. Geboren in Jerusalem und unterrichtet in Tel Aviv, gehört er zu den zentralen Gestalten der zeitgenössischen klassischen Musik in Israel. Das Spektrum seiner künstlerischen Aktivitäten reicht von Engagements als Dirigent bei unterschiedlichen Ensembles in seiner Heimat und den USA bis hin zu Gastprofessuren und Kompositionsaufträgen etwa der "Bayerischen Akademie der Schönen Künste" anno 2001. Lewensohns Werke gründen dabei ebenso in der Tradition der europäischen Moderne wie in den Überlieferungen, die er selbst die "Option des Talmud in der jüdischen Musik" nennt. Auf seinem ersten Album für ECM New Series finden sich daher neben Mahler-inspirierten Klaviermeditationen auch prämierte Kompositionen wie das von der Solman an Libe Friedman Foundation in Auftrag gegebene "Odradek Quartet", mit dem Lewensohn den ersten Preis des Wettbewerbes der Italian Academy Of Arts And Letters gewann. Für die Aufnahme konnte er das renommierte Auryn Quartet und die PianistInnen Alexander Lonquich und Ora Rotem Nelken gewinnen. Eine Entdeckung abseits der Norm.