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25.10.2002

Bach variiert

Bach variiert

Für Ketil Bjørnstad ist es eine Rückkehr. Denn der 50jährige Pianist aus Oslo begann seine Klavierkarriere als Teenager im klassischen Fach, bis er dem Jazz begegnete. Seitdem pflegt er ein stilistisches Zwischendasein, dass ihn nun wieder zu Johann Sebastian Bach zurückgeführt hat. Allerdings nicht ohne ich ein wenig zu kommentieren.

Bis vor ein paar Jahren wohnte Ketil Bjørnstad auf einer Insel vor der norwegischen Küste. Damals hat er viel geschrieben, Bücher über Edvard Munch, Edward Grieg, Krimis. Auf der Suche nach der eigenen Stimme horchte er literarisch und musikalisch in sich hinein, inspiriert von den Naturgewalten vor der Tür. Es war eine Mischung aus Reflexion und Therapie, denn er hatte einige Eindrücke zu verarbeiten: "Mich hat es belastet, mit 17 Jahren bereits Profi zu sein und mit den Osloer Philharmonikern zu spielen. Ich fiel in eine Art Loch, eine Schaffenskrise, die mich zu anderen Sachen gebracht hat. Ich bin dann abends in die Clubs gegangen und habe auf diese Weise den Jazz für mich entdeckt." In den siebziger Jahren wurde Bjørnstad zu einem der führenden Pianisten der norwegischen Szene. Nach dem Debütalbum "Åbnet" ging es für ihn relativ schnell voran. Obwohl er auf seiner Insel nur wenig von den internationalen Trends mitbekam, veröffentlichte er regelmäßig Schallplatten und von 1972 an auch eigene Bücher. Das Album "Leve Patagonia" 1978 wurde ein Erfolg und der Einsiedler vom Fjord verwandelte sich in eine gefragte Persönlichkeit des kulturellen Lebens. Da er darüber hinaus als literarisch-musische Doppelbegabung zwei unterschiedliche Zirkel bedienen konnte, fand er schrittweise wieder aus der Abgeschiedenheit in das urbane Leben der Gegenwart zurück und hielt seine Entwicklung in fünfzehn Büchern und mindestens ebensoviel Tonträgern fest.

 

Seit Anfang der Neunziger lebt Bjørnstad wieder in Oslo. Die Stadt, die ihn einst mit ihren Ansprüchen gestresst hat, stellt inzwischen wieder eine Herausforderung dar. Dabei ist Bjørnstad ein bescheidener Mensch geblieben. Wenn man mit ihm spricht, fallen Worte wie "Schönheit" und "Demut", aber ebenso "Liebe" und "Spaß". Und seit 1997 immer wieder auch "Bach". Die Beschäftigung mit dem Werk des Barockmeisters hatte ihn zwar sein Leben lang begleitet. Vor fünf Jahren sah er aber einen konkreten Grund, sich hinzusetzten und die Bearbeitungen zu vollenden. Denn er hörte gerüchteweise, dass sein Lieblingsstudio in Oslo würde schließen müssen, ein Ort, in dem viele seiner frühen Aufnahmen entstanden: "Das waren richtig schlechte Nachrichten für mich und ich buchte mich augenblicklich für einen der nächsten Termine ein. Bei dieser Gelegenheit nahm ich viele meiner alten Lieder noch einmal auf. Daraus entstand die Live-CD 'New Life' Außerdem nahm ich - ebenfalls live und ohne Nachbearbeitung - meine '20 Variations Over Prelude & Fuge in C Sharp Minor by Johann Sebastian Bach' auf. Denn es ist etwas Besonderes in diesem Raum, mit seinem alten Steinway-Flügel und der Holzvertäfelung."

 

Man hört es. Bjørnstads zum Teil hochromantischen Klavierkommentare zu Bachs Thema bekommen ein spezielles Flair des Authentischen, werden von der Idee zur persönlichen Aussage eines ernsten, aufmerksamen Zeitgenossen. Übrigens wurde das Studio nach langem Hin und Her nun doch nicht geschlossen. Es bekam einen neuen Namen und Bjørnstad war schon wieder dort, für eine weitere Aufnahme. Doch das ist eine andere Geschichte.