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04.10.2002

Spiel mir die Zukunft!

Spiel mir die Zukunft!

Wenn Steven Spielberg einen Film wie "Minority Report" dreht, dann muss man mit dem Besten rechnen. Denn der erfahrene Regisseur weiß nicht nur genau, wie man das Publikum perfekt durch eine Geschichte leitet. Er leistet sich auch die besten Mitarbeiter, die auf dem cineastischen Markt zur Verfügung stehen. Allen voran seinen Hauskomponisten John Williams.

An Steven Spielberg scheiden sich die Geister. Als Regisseur von Kinorennern wie "E.T." und "Jurassic Park" hat er sich in der Augen der Kritik verdächtig gemacht. Spielberg hat Erfolg und kann daher, qua Definition eines überkommenen Genieverständnisses aus dem 19. Jahrhundert, kein Künstler sein. Trotzdem muss auch die Süddeutschen Zeitung seinem aktuellen Thriller "Minority Report" Qualitäten zugestehen: "Es gibt vielleicht wirklich so etwas wie ein zweites Gesicht, Menschen, die die Gabe haben, Dinge zu spüren, die an nichts rational festzumachen sind. Von solchen Menschen, den Pre-Cogs, handelt Steven Spielbergs neuer Film 'Minority Report'. Eine Behörde der Zukunft gibt es da, die sich auf solche Weissagungen beruft, das Departement for Pre-Crime - im Jahr 2054 ist Washington vom Mord befreit, weil drei Pre-Cogs den Polizisten jede Tat sichtbar machen können, bevor sie geschieht. [...] 'Minority Report' ist meisterlich inszeniert, ein Thriller, genau genommen ein film noir - Spielberg weiß immer noch, auf welchen Wegen er sich am erfolgreichsten in die Seelen der Zuschauer schleicht." Er ist ein Profi der Aufmerksamkeitslenkung, setzt seine dramaturgischen Effekte sorgfältig überlegt ein und braucht deshalb auch auf der Seite der musikalischen Gestaltung einen Meister gleichen Schlags, der den Ansprüchen nicht nur gerecht wird, sondern auch genügend Individualität hat, sich nicht von den Bildern unterjochen zu lassen.

 

John Williams arbeitet seit mehr als zwei Jahrzehnten mit Spielberg zusammen. Aus seiner Feder stammten schon Hymnen wie das Thema von "Star Wars". Mit seinem Gespür für notwendiges Pathos und subtile Traditionsbezüge gelingt es ihm, das Gefühl des akustisch Neuen im Bekannten zu verankern. Schon "Star Wars" war eine heimliche Paraphrase des "Walkürenritts". So glänzt auch der Soundtrack von "Minority Report" mit Mahlerscher Dunkelheit und zuweilen Schönbergscher Abstraktion, ohne den Bezug zu den vorhandenen Orchesterwerken der romantischen Konzertsaaltradition zu verleugnen.

 

Für Spielberg jedenfalls ist sein alter Freund noch immer die erste Wahl der klangdramaturgischen Perfektion: "John Williams hat mit seiner musikalischen Präsentation von 'Minority Report' einen wunderbaren Job gemacht. Plot und Geschichte reichen in die Zeit des amerikanischen Film Noir und der 'Whodunit'-Muster zurück, als Schauspieler wie Humphrey Bogart und Regisseure wie John Huston beliebt waren. John Williams und ich waren beispielweise oft begeistert, wie es Bernard Herrmann gelang, derart viel musikalische Spannung in die Filme von Alfred Hitchcock zu integrieren. In dieser Tradition von Geheimnis, Spannung und Film Noir hat John ein temporeiches und düsteres Portrait des Amerikas von 2054 entworfen.[...] Johns Soundtrack für 'Minority Report' beschränkt sich nicht auf Melodien. Er ist vielmehr in seiner Komplexität brillant und kraftvoll im Einsatz der Rhythmen". Wenige Sätze später fügt Spielberg noch hinzu: "Nebenbei bemerkt ist John Williams der größte musikalische Geschichtenerzähler, den die Welt des Films jemals erlebt hat". Was für ein Lob aus berufenem Munde.