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20.09.2002

Neue Wiener Schule: Revolution!

Neue Wiener Schule: Revolution!

Arnold Schönberg ist einer der großen Komponisten der modernen Musikkultur. Er brach mit dem herkömmlichen System der Dur- und Molltonarten, entdeckte eine neue Form der Tonkombination und war einer der prägenden Lehrer seiner Epoche. Trotzdem dauerte es lange, bis das Publikum das verstand. Die komplette Aufnahme der Streichquartette der Neuen Wiener Schule durch das LaSalle Quartet 1968/70 war und ist eine wichtige Etappe auf dem Weg zum Verständnis der Neuen Musik des 20.Jahrhunderts.

Anton Webern meinte einmal, dass nach fünfzig Jahren Zwölftonmusik von jedem auf der Straße gepfiffen werde. Die Prophezeiung wurde nicht eingelöst, auch wenn in der Folge der Komponisten der Neuen Wiener Schule so ziemlich alles aufgelöst wurde, was an traditionellen Bestandteilen in der abendländischen Musik vorhanden war. Weder Webern, noch Alban Berg noch deren Lehrer Arnold Schönberg erlebten jedoch die letzte Konsequenzen der Dekonstruktionen. Sie standen am Anfang dieser Entwicklung und mussten sich mit Grundlagenfragen herumschlagen, die für ihrer Nachfahren bereits zur Selbstverständlichkeit wurden. Was zum Beispiel musste man denken, wenn man die Bindungen an die bisherigen Gewissheiten der Tonalität aufgab? Wie konnte man instrumentale Sätze ohne die gewohnte Unterstützung tonaler Harmonien schreiben? Wie verhinderte man das Auseinanderbrechen der Kompositionen, wenn man sich von der bisherigen Struktur verabschiedete? Und über die musikalischen Fragen hinaus: Wie konnte man überhaupt angesichts der Kapitulationen des menschlichen Geistes, wie sie im Ersten Weltkrieg und im wachsenden Antisemitismus zu erleben waren, noch Kunst schaffen? Schönberg, Berg und Webern experimentierten. Sie entwickelten hochkomplexe Kompositionstechniken, schufen ungewohnte tonal/atonale Zusammenhänge. Und sie benützten das klassische Kammerensemble des Streichquartetts als Versuchslabor der Klangentwicklung. Hier konnte man am transparenten Beispiel die Ideen der neuen musikalischen Beziehungen entwickeln und deutlicher als in großen Orchestern oder am wohltemperierten Klavier nachvollziehbar machen. Das inhaltliche Spektrum der Kompositionen ist immens. Schönbergs erstes Streichquartett D-Dur von 1897 zum Beispiel stand noch deutlich in der Tradition der romantischen Vorgänger. Es wurde vom Publikum freundlich aufgenommen, vom Komponisten allerdings als zu lieblich empfunden und daraufhin von der Veröffentlichung zurückgezogen. Von da bis zum IV.Streichquartett op.37 von 1937 reichte der Weg der Abstraktion, den er zum Teil gemeinsam mit seinen Schülern ging. Für das LaSalle Quartet (1946-1988) war es daher nur konsequent, die Werke der drei Komponisten in einer Veröffentlichung zu vereinen. Zwischen Mär 1968 bis zum März 1970 spielte das amerikanische Spitzenensemble auf dem Höhepunkt seiner gemeinsamen Ausdruckskraft die Werke der neuen Wiener Schule im Münchner Plenarsaal der Akademie der Wissenschaften ein. Allein das war schon wegweisend. Darüber hinaus begleiteten sie die Veröffentlichung durch eine ausführliche Studie einschließlich zahlreicher Quellenangaben und Forschungsdetails. So wurde die Box zum Meilenstein der Interpretationsgeschichte. Sie vereinigt seriöse Feinarbeit der Werkdarstellung mit einer auch nach drei Jahrzehnten noch grundlegenden Interpretation der Kompositionen, von denen viele im Anschluss an die Arbeit des LaSalle Quartets Eingang ins Konzert- und Plattenrepertoire nachfolgender Ensembles fanden.

Die Referenz: "Das LaSalle-Quartett zeigt herausragende Leistung ... und die Aufnahme ist sehr gut. Eine unschätzbar wertvolle Aufnahme für alle, die sich für die Musik des 20. Jahrhunderts interessieren (Penguin Guide)".

Sämtliche Referenzaufnahmen finden Sie hier