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11.08.2002

Spice Sounds

Spice Sounds

Kochen ist eine musikalische Kunst. Die passende Kombination der Ingredienzien gleicht einer Komposition von Tönen, die nur dann wirkungsvoll ist, denn die Verhältnisse exakt getroffen werden. Kochen ist aber auch ein Teil des Alltags, von Zufälligkeiten bestimmt, die genauer Planung widerstreben und erst dadurch den wirklichen Geschmack entstehen lassen. Vor allem aber braucht Kochen ein Ambiente, in dem es Spaß macht zu servieren.

Genau genommen widerspricht der Kochsalon der Ästhetik des gehobenen Genusses. Denn der Club in der Bernhard-Nocht-Straße in St. Pauli kümmert sich wenig um die Etikette der Präsentation und die Zwänge der Haute Cuisine. Das gastronomische Ideal entstammt eher der Mischung aus studentischem Einfallsreichtum und kulinarischer Pragmatik. Trotzdem, oder gerade deshalb, gehört der Kochsalon zu den beliebtesten Plätzen frühnächtlicher Szeneschwärmer in der Hansemetropole, die sich nicht mit dem üblichen Gewummer für die Ohren und geschmacklichen Bankrotterklärungen von Knoblauchbaguette und Mozzarella zufrieden geben wollen. Nirgendwo sonst in der Stadt gibt es so ausgefallene Speisen wie das Cola Huhn, die Perlhuhnbrust in mexikanischer Kaffeesauce oder auch das Tomaten-Minzeis mit Melonensalat.

 

Der Kochsalon ist der Platz fürs Überraschende und legt gerade deshalb Wert auf das passende akustische Drumherum. Ein Fall für die "Gar Klassiker". Denn die Zusammenstellung aus der Vorratskammer der legendären Aufnahmen passt famos zum Menü der Sinneswahrnehmungen, das ein extravagantes Environs wie der Kochsalon auf der Karte haben will. Da gibt es ein Entrée von Debussy, die premiers plats von Schumann und Chopin, dazwischen ein Amuse Gueule von Erik Satie, die Hauptgänge von Mozart und Bach, schließlich die Dessertplatte mit Grieg, Bartók und Ravel. Die Zutaten sind exquisit und stammen aus den Vorräten von Arturo Benedetti Michelangeli, Martha Argerich, Tamás Vásáry oder auch Jean-Yves Thibaudet. Plaudernd gerahmt von Rocko Schamoni und sanft ausgeleitet mit Jacques Palminger ist "Gar Klassiker" die passende Alternative zum Einheitsmampf der akustischen Gewohnheit. Slow Food fürs Ohr.