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28.06.2002

Drei mal drei macht vier

Drei mal drei macht vier

Alle lieben "Die Drei Tenöre". José Carreras, Placido Domingo und Luciano Pavarotti sind die besten, bekanntesten und beliebtesten höherstimmigen Herrensänger unserer Zeit. Auf einer "Best Of"- CD vereinen die stimmkräftigen Superstars jetzt Highlights ihrer ohnehin nicht gerade sensationsarmen "Three Tenors"- Konzerte. Das erste dieser Ereignisse fand bekanntlich 1990 in Rom statt, Nummer zwei 1994 in Los Angeles und 1998 sang das Trio schließlich in Paris. Bei diesen Jahreszahlen und Veranstaltungsorten dämmert es wohl nicht nur Fußballfans. Und richtig, die neue CD "ersetzt" sozusagen den Auftritt des superlativen Dreigestirns zum Endspiel der WM 2002.

Wenn einer fragt, was Fußball und Oper gemeinsam hätten, erwartet der Befragte wahrscheinlich eine lahme Pointe. Vielleicht, dass die Pause oft das Beste am Abend ist? Oder dass am Rande des Spielfelds einer in großen Gesten herumfuchtelt und die Spieler trotzdem machen, was sie wollen? Dabei lautet die Antwort, nicht nur einfacher-, sondern auch überraschenderweise, "Die Drei Tenöre". Es war alles andere als ein Zufall, dass die drei wichtigsten Heldentenöre der modernen Zeit ihr erstes gemeinsames Konzert am 7. Juli 1990 in den "Terme Di Caracalla" in Rom gaben. Natürlich feierten die drei die Genesung von José Carreras, der sich gerade von seinem schweren Kampf gegen die Leukämie erholt hatte. Aber Ort und Zeit dieses Festes waren sehr bewusst gewählt, immerhin handelte es sich um den Vorabend des WM-Endspiels und das Konzert fand in der Hauptstadt des damaligen Gastgeberlandes statt. Trotzdem hatte kaum Jemand mit einem solch durchschlagenden Erfolg dieses Konzertes gerechnet, geschweige denn damit, dass Pavarottis "Nessun Dorma" in der Folge zum offiziellen Fußballhit werden würde.

 

Über Nacht waren die "Drei Tenöre" in aller Ohren. Ein Phänomen war geboren, wie es die Welt der klassischen Musik seit Enrico Carusos "Vesti La Giubba", dem wahrscheinlich ersten "Million-Seller" der Plattengeschichte, nicht mehr erlebt hatte. Popfans und Klassikverächter, Afficionados und Elfenbeinturmwärter kauften die einzigartige Aufnahme der "Three Tenors", die Verkaufszahlen machten selbst umsatzverwöhnte Rockstars neidisch. In einer Zeit, die nach immer seichterer Unterhaltung zu verlangen schien, setzte sich klassische Musik durch, weil man PR und Popularität, leichte Verständlichkeit und große Seriösität gekonnt miteinander verbunden hatte. Jeder für sich, aber vor allem gemeinsam, bei den von Lalo Schifrin geschriebenen "Medleys", begeisterten die drei Tenor-Titanen Milliarden von Zuschauern und Zuhörern in der ganzen Welt.

 

Selbstredend verpflichtete dieser Erfolg auch. Und so fand sich das Trio auch am Vorabend des Endspiels der Fußball-WM 1994 in Los Angeles, sowie in der Nacht vor dem Finale in Paris im Jahre 1998 wieder zusammen. Bei letzterem - in atemberaubender Kulisse, umsonst und draußen, mit Blick auf den Eiffelturm - sangen "Die Drei Tenöre" vor einem Publikum, das etwa 100mal so groß war, wie das bei ihrem ersten Konzert acht Jahre vorher in Rom, zusätzlich verfolgten knapp zwei Milliarden Fernsehzuschauer in aller Welt das Ereignis live am Bildschirm.

 

In diesem Weltmeisterschaftsjahr brechen die "Drei Tenöre" erstmalig mit dieser liebgewonnen Tradition. Doch obwohl sie 2002 kein Konzert am Vorabend des WM-Endspiels geben, böse Zungen munkeln, dass dies an Pavarottis Inkompatibilität mit den japanischen Hotelbetten läge, liefern sie mit "The Best Of The Three Tenors" mehr als nur angemessenen "Ersatz". In über einer Stunde Spielzeit vereint diese CD die großartigen Trios des Trios, das "Beste der Besten". Darunter findet sich vielleicht auch der Fußball-WM-Hit 2002. Sollte Oliver Kahn halten, was er verspricht, singen wir "You?ll Never Walk Alone". Für die Alternative findet sich an achtzehnter Stelle sicherheitshalber Ary Barrosos Gassenhauer "Brazil".