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26.04.2002

Streicher im Weltraum

Streicher im Weltraum

Eigentlich weiß es jeder: Die Opulenz der Bilder und die Kraft der Sinfonik passen gut zueinander. Große Filme greifen daher regelmäßig auf die anregenden Klänge aus der Vergangenheit zurück. Inzwischen ziehen aber auch die Werbespezialisten nach, die wie beim aktuellen Levi's-Clip schon mal bis Georg Friedrich Händel zurückgehen. "Odyssey" zieht eine Zwischenbilanz der cineastisch relevanten Klänge. Eine besondere Reise.

Meistens ist es Mozart. Eigentlich kein Wunder, denn der Salzburger Komponist an der Grenze zwischen höfischer und bürgerlicher Klassik schaffte es wie kaum ein anderer, Stimmungen zu beherrschen. Das war seine Aufgabe, zumindest als er noch im Dienste regionaler Potentaten seine Auftragswerke verwirklichte. Schließlich wollten die spätbarocken und frühaufgeklärten Fürsten elegant und geistreich unterhalten werden. Mozart hatte allerdings noch mehr zu bieten. Denn in ihm keimte bereits die Ahnung des Individuellen, der unmittelbaren Schaffenskraft, die über die Vorgaben seiner Zeit hinaus reichte. Genau das spürt man noch heute. Genau deshalb aber hat seine Musik etwas sphärisch Unnahbares, das sie zur Illustration von sehr unterschiedlichen Filmsequenzen anbietet.

 

Denkt man an die "Truman Show" zum Beispiel, die zutiefst zynische Parabel auf die Skrupellosigkeit der Fernsehindustrie, dann wirkt sein Klavierkonzert wie eine ambivalente Vorwegnahme der Läuterung des Hauptdarstellers. In "Out Of Africa" wiederum, der Kolonialepisode mit der wehmütigen Meryll Streep und dem linkischen Klaus-Maria Brandauer, darf sie einfach nur schön sein. Denn diesmal geht es um die Symbolisierung der verlorenen Größe und scheinbaren Freiheit, die auch den Menschen in der Ferne nicht glücklich macht. Mozart ist dabei immer wieder Favorit, doch er ist nicht der einzige Sinfoniker, dessen Klänge sich als Kontrapunkt oder Einlösung einer Filmsequenz eignen. Das (Anti-)Kriegsdrama "Platoon" etwa greift als Kontrast zur Brutalität der Bilder aus Samuel Barbers Adagio aus dem Streichquartett N°1 zurück. Und Stanley Kubricks Weltraumepos "Clockwork Orange" hat neben Richard Strauss auch Edward Elgars "Military March N°1" im Programm. So legt "Odyssey" einen weiten Weg zurück, quer durch die Gefilde atmosphärischer Klanggestaltung, aber immer entlang der Linie der Intensität.