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28.03.2002
Musica Antiqua Köln

Genius im Verborgenen

Musica Antiqua Köln, Genius im Verborgenen

Georg Philipp Telemann wurde erst in den vergangenen Jahren wieder entdeckt. Überstrahlt durch die Werke seines Zeitgenossen Johann Sebastian Bach, stand er im Ruf, ein wenig verzopft zu sein. Nicht zuletzt Reinhard Goebel und dessen Arbeit mit der Musica Antiqua Köln ist es zu verdanken, dass der barocke Meister eleganter Klangnoblesse inzwischen zu seinem Recht kommt.

"Telemann und Bach: wie nah sie sich doch sind und zugleich wie fern. Im Ausloten, Bewerten und Umdeuten dessen, was ihnen die Welt zu bieten hatte, war der eine Sanguiniker, der andere Melancholiker. Während der eine die raue Oberfläche einer Nuss polieren konnte, bis sie golden glänzte, forschte der andere nach dem Kern, den es zu bearbeiten galt. Sie verhielten sich zueinander wie Dionysos und Apoll - doch beide waren sie Kinder des deutschen Potestantismus, der nach der innersten Bedeutung der Dinge fragt". Für den Geiger, Orchesterchef und Musiktheoretiker Reinhard Goebel ist Telemann ein Juwel, dem er selbst erst im Laufe der Jahre auf die Spur gekommen ist. Immerhin hat er selbst zunächst reichlich Erfahrungen mit historischer Aufführungspraxis gesammelt, bis er sich an die vorliegende Sammlung unterschiedlicher Konzerte, Sinfonien, Suiten und Sonaten des lange unterschätzten Komponisten wagte. Bereits 1973 gründete Goebel mit Kommilitonen der Kölner Hochschule die Musica Antiqua Köln, die er durch Einspielungen mit Werken von Händel, Hasse, Biber oder Bach an die Spitze der internationalen Ensembles für Musik der frühen Neuzeit und des Barocks leitete.

 

Und so klingt auch Telemann unter seiner Ägide lebhaft und authentisch, zuweilen sogar fröhlich unbeschwert, wenn es darum geht, eine im frühen 18.Jahrhundert ein wenig aus der Mode gekommene Courante anzustimmen, wie sie einst der Sonnenkönig so mochte. Aus dem trockenen Protestanten der vorherrschenden Deutung wird ein vielschichtiger Zeitgeistbeobachter, der die Trend seiner Epoche aufnahm, sie in die eigene Formensprache übernahm, ohne sich dadurch von seiner Personalstilistik zu entfernen. "Der Segen aufführungspraktischer Neuorientierung, die seit gut drei Jahrzehnten die Interpretation barocker Musik befeuert, erweist sich bei Komponisten vom Kaliber eines Telemanns indes noch deutlich als am Bachschen Genius, von dem ja auch bei inkompetenter Darstellung noch immer ein Fünkchen weiterglimmt", fasst die Süddeutsche Zeitung am 21. März die Besonderheiten von Goebels Bearbeitung zusammen. Mit anderen Worten: Telemanns "Sinfonia Spirituosa" gehört zu den wichtigen Neuerscheinungen auf einem Gebiet, das noch viele Überraschungen zu bieten hat.