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01.02.2002
Kim Kashkashian

Sing, sing, sing ein Lied für mich?

Kim Kashkashian, Sing, sing, sing ein Lied für mich?

Luciano Berio verführt für die Moderne. Mit der Viola der Kim Kashkashian keine Kunst.

Die aus Armenien stammende, amerikanische Kim Kashkashian spielt Viola, bis sie singt. Das ist kein schlechter Witz, der auf brutales Traktieren der großen Geiger-Schwester abzielt. Kim Kashkashian luchst ihrem Instrument eine Klangfarbe ab, die der menschlichen Stimme zum Verwechseln nahe kommt - was übrigens schon bei den Barockstreichern als die höchste Tugend unter Instrumentalisten galt. Der Impuls sei identisch, sagt Kim Kashkashian, ob der Klang auf einem Instrument oder in der Brust eines Menschen erzeugt wird. Auf ihrer neuesten Veröffentlichung mit zwei Werken des italienischen Komponisten Luciano Berio ist das ganz wörtlich genommen.

 

"Voci" - "Stimmen" - heißt das erste Stück für Solo-Viola und Instrumentalgruppen, "Naturale" für Viola und Perkussion das Zweite. Beide entstanden in den Achtzigerjahren, als sich Berio intensiv mit sizilianischen Volksgesängen beschäftigte. Lieder über Arbeit, Wiegenlieder, Volkslieder und Liebeslieder aus verschiedenen Teilen Siziliens, auf die Berio durch den sizilianischen Bratschisten und Musikforscher Aldo Bennici gestoßen war, der sie 1984 und 1985 auch uraufführte. Die Aufnahme mit Kim Kashkashian stellt die originalen Lieder ausden volkskundlichen Archiven der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom ins Zentrum. Sechs Lieder, die wie ein Findling, ein urzeitlicher Fels, in die Hörwelt der Gegenwart ragen. Sie bilden, wie Jürg Stenzl im Booklet schreibt, "die Ausgangspunkte und Zentren der Partitur, sechs 'Herzstücke', auf die die Musik hinsteuert und von der sie sich wegbewegt". Berios Werke, die nicht geizen mit komplexen Klangschichtungen, er- schließen sich völlig neu, wenn sie im Zusammenhang mit den sizilianischen Volksliedern gehört werden. Wie eine feine Klangspur führen die alten Gesänge durch die beiden Stücke von Luciano Berio.

Aufgenommen bei einem Konzert in Salzburg 1999, dirigiert die Werke der Berio-Schüler Dennis Russel Davies, mit dem Kim Kashkashian bereits häufig zusammengearbeitet hat. Er habe einen Sinn für dieses gesangliche Element, für diese Notwendigkeit zu atmen, sagt Kashkashian.
Die Stimme der Viola hat gesprochen.

 

Zum Interview mit Kim Kashkashian gehts hier.