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03.12.2001

Das große Weihnachtskonzert

Das große Weihnachtskonzert

"Der Weihnachtsabend wäre bei uns nicht denkbar gewesen ohne ein feierliches Lied..." spricht Hans Clarin. Und tatsächlich ist das, was er auf der bei Phillips erschienenen CD "Das große Weihnachtskonzert" erzählt, umschmückt und coloriert von Liedern und instrumentalen Feierlichkeiten, bei denen man auch vor dem Weihnachtsabend auf beschauliche Weise zur Ruhe kommen kann.

Zu diesem Anlass ist es sebstverständlich, dass die Regensburger Domspatzen als jubilierende Engelein in Erscheinung treten. Diese himmlischen Heerschaaren flattern aber nicht hemmungslos durcheinander: Seit 1994 ist es Roland Büchner, der dafür sorgt, dass dieser Knabenchor ein geschlossener Klangkörper mit reifer Gesangskultur ist, der über die gesamte irdische Welt fliegt, von Europa bis nach Asien und Amerika und selbst Papst Paul VI frohlocken ließ.

 

Ebenso glanzvoll ist das renommierte "Ensemble Classique", bestehend aus sechs virtuosen Blechbläsern und einem Schlagwerker. Zunächst von Leonard Bernstein gefördert, erobern diese Klangakrobaten seit ihrem Debüt beim Schleswig-Holstein-Musik-Festival die Konzertsäle in der ganzen Welt.
Mit Pauken und Trompeten zieht also archaische Feststimmung ein, die gemeinsam mit dem Chor zu einem triumphalen Ereignis wird, ein Fest für die Ohren und Balsam fürs Gemüt.

 

Dreh- und Angelpunkt der Konzertidee ist, wie könnte es anders sein, die Weihnachtsgeschichte. Es spricht eben jener Hans Clarin, der märchenhaft erzählen kann, auch wenn er nicht zum Pumuckl wird. Liebevoll ausgestaltet und anrührend in Szene gesetzt werden bei ihm Maria und Joseph zu äußerst sympatischen Figuren, mit denen man ein Stück des Weges geht, die Beschwerlichkeiten und vor allem natürlich die Freude an der Geburt Jesu teilt.

 

Neben den frei gestalteten biblischen und anderen Texten handelt es sich musikalisch um eine typisch alpenländische Weihnacht. Die Auswahl der Lieder ("Es wird scho glei dumpa") deutet das an, von der anderen Seite der Alpen klingt eine Blechbläserbearbeitung von Vivaldis Largo aus dem "Winter" herüber und letztlich sind die Regensburger Domspatzen und der Münchener Schauspieler Clarin gewissermaßen als Experten in eigener Sache dabei.

 

Vor allem jedoch ist es die Harfenistin Eva Deborah Keller, deren solistisches und begleitendes Spiel immer wieder an die Alpenmusik erinnert. Und hier gelingt ein überaschender Spagat: Die im Allgäu gebürtige Preisträgerin des internationalen Harfenwettbewerbs "Aidimos" erhielt als Kind Unterricht auf dem Hackbrett, einem Instrument, das der alpenländischen Volksmusik verpflichtet ist.
Gleichzeitig tritt die Harfe in diesem Konzert vornehmlich dann auf, wenn der Text auf die Wurzeln des Volkes Israels verweist. Dann ist nämlich vom König David die Rede, der bekanntlich Harfe spielte. Dessen historisches Instrument war jedoch eigentlich die Kinnor, ein wiederum dem Hackbrett sehr ähnlichen Instrument.

 

Neben dieser symbolischen Bedeutung spielt Eva Deborah Keller aber einfach traumhaft schön, fühlt sich ein in die Kinderstimmen, die sie begleitet und schafft eine Atmosphäre von tiefer Zufriedenheit.

 

Man darf sich natürlich darüber wundern, was ein Erzähler bei einem Konzert zu suchen hat, noch dazu einer, der von sich behauptet, dass es zur Musik bei ihm nicht gereicht habe. Aber wenn sich der von ihm erzählte Text und die Musik derart harmonisch ergänzen und wenn als großes Ganzes solch ein Schmuckstück dabei herauskommt, dann ist es eine Freude, an solche weihnachtlichen Wunder glauben zu können.