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09.11.2001

Nicht nur für Kenner und Liebhaber

Michail Vasil’evič Pletnëv, Nicht nur für Kenner und Liebhaber

Im 18. Jahrhundert stand noch auf den Noten, von wem sie gespielt werden sollten. Bei Mikhail Pletnev schreibt uns glücklicherweise niemand vor, wer ihn hören darf.

Carl Philipp Emanuel Bach war modern. Manche seiner Kompositionen vermarktete er lieber selbst und nannte gleich im Titel, an wen er dabei dachte: Als er praktisch im jährlichen Turnus zwischen 1779 und 1787 seine umfangreiche Werkreihe für Tasteninstrumente herausbrachte, überschrieb er sie ausdrücklich mit der Widmung "Für Kenner und Liebhaber". Er richtete sich damit in seinen Hamburger Jahren sowohl an den Kenner, der kompositorische Kunstfertigkeit erwartete, wie auch an die Musikliebhaber, die die gefällige Melodie suchten. Die Sonaten dieser Sammlung gehören ohne Zweifel zu den reifsten und musikalisch wertvollsten Sonatenwerken Carl Philipp Emanuel Bachs. Dass Mikhail Pletnev sie einspielt, verwundert nicht, wenn man seine Aufnahmen mit den Klavierkonzerten Joseph Haydns genauer hört. Der russische Pianist, dessen kürzlich veröffentlichtes Carnegie-Recital seinen Rang als einer der weltweit führenden Interpreten bestätigte, hat eine Vorliebe für die Grenzüberschreiter, für die Musik, die gleichsam zwischen den Epochen changiert. Carl Philipp Emanuel Bach blieb mit einem Bein dem Barock verhaftet, während er mit dem anderen weit in das 19. Jahrhundert vorpreschte.

 

Der "Hamburgische Unpartheyische Correspondent" empfahl die Bach'sche Sammlung seinen Lesern 1785 ausdrücklich, weil sie so abwechslungsreich mit unterschiedlichen Formen und Stimmungen spielt: "Das musikalische Genie unsres vortrefflichen Bachs scheint in der That unerschöpflich zu seyn. Man mag seine Sonaten ansehen und unter sich vergleichen, man wird immer finden, dass jedes Stück gleichsam von ganz neuer Erfindung sey, und seine eigene Originalität habe, obgleich in allen der Bachsche Geist unverkennbar ist, so dass man diesen Componisten im eigentlichen Verstande den unvergleichlichen nennen kann." Davon scheint mehr und mehr auf den Interpreten abzufärben. Denn auch über Mikhail Pletnev schrieb die Fachpresse 212 Jahre später: "Nie habe ich eine bessere Interpretation der berühmten "Doppel-Drittel" oder der so genannten "Cello-Etüde" gehärt. Oder der Ecossaises. Und der Fantasien? Und der Sonaten?" ("Classic CD" über Pletnevs Chopin-Album). Carl Philipp Emanuel Bach und Mikhail Pletnev das ist die spannend-unterhaltsame Begegnung von zwei Unvergleichlichen.