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19.10.2001

Wagner zur Salami

Wagner zur Salami

"...trifft..." geht in die nächste Runde: Auch Christoph Schlingensief und Diedrich Diederichsen haben Lieblingskomponisten.

Das Feuilleton jammerte, "Bild" jubelte und auch dazwischen gab es jede Menge Medienresonanz auf die ersten beiden Veröffentlichungen der "...trifft..."-Serie. Als Harald Schmidt den altehrwürdigen Thomanerchor samt Kantor Georg Christoph Biller in seiner Show präsentierte, war das erste Etappenziel erreicht: Klassik ist in aller Munde. Und für die Jungs des Thomanerchors ging ein Traum in Erfüllung. Endlich kann man Bach singen und cool sein.

 

Jetzt geht die "..trifft..."-Serie in die zweite Runde: Christoph Schlingensief trifft Richard Wagner und Diedrich Diederichsen stellt Arnold Schönberg vor. Natürlich sind das wieder zwei Paarungen auf hohem intellektuellen Niveau und zugleich mit großem Entertainment-Wert. Schlingensief etwa bestand auf einem wunderbaren Coverfoto in schwarzem Leder - als Referenz und Huldigung an Stardirigent Herbert von Karajan, der seiner Wagner-Einspielung ebenfalls in Leder und mit visionärem Blick in die Ferne voranstand. "Ich erinnere mich noch gut an das Leder-Foto mit Herbert von Karajan", sagt Schlingensief. "Die Platte stand bei meinen Eltern im Schrank und ich habe sie mir immer wieder angeschaut. Der grau melierte, extrem gut aussehende Mann im schwarzen Leder-Outfit; das hatte etwas."

 

Schlingensief startet seine Doppel-CD mit der Ouvertüre aus dem "Fliegenden Holländer" und endet mit dem "Parsifal" - "Nur eine Waffe taugt". Dazwischen gibt er einen erstklassigen Wagner-Überblick: pathetisch, mit großer Geste, dem Sinn für Humor und doch ernsthaft zusammengestellt. - Und, ja, der "Walkürenritt" ist auch dabei. Dazu stellt Schlingensief einen Text, in dem er seine Wagner-Leidenschaft aus der Sozialisation erklärt: "Als Sohn eines Apothekers gelangte Wagners Musik an jedem Sonntag so gegen 9.30 Uhr, also gut zwei Stunden nach Frühstück und Frühmesse, in mein gebadetes Ohr. Mal war es ,Tannhäuser', mal ,Rienzi', aber am liebsten ,Der Ring'." Später allerdings kam eine allgemeinmenschliche Faszination für Wagner hinzu: "Bach war Mathematiker und Wagner Kyniker. Warum wohl interessierte sich Nietzsche für Wagner? Lesen Sie dazu Nietzsches ,Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik'. Da wird das Apollinische mit dem Dionysischen verbunden." Schließlich beschallte Schlingensief seine Salami mit Wagners Musik. Alles weitere im Booklet der CD...

 

Diedrich Diederichsen wiederum ist Deutschlands Poptheoretiker Nummer eins. Er hat "Spex" mitgegründet und über Jahre zu großen Teilen bestückt, dazu mit "Texte zur Kunst" einige erstklassige Stücke verfasst, Bücher geschrieben und übersetzt, er unterrichtet an der Merz Akademie in Stuttgart, ist Gastdozent am Art Center College in Los Angeles und lebt in Berlin. Auf seiner Doppel-CD stellt er Arnold Schönberg vor.

 

"Weniger das Porträt eines Künstlers ist hier angestrebt", schreibt Diederichsen im Booklet, "als ein Beitrag zum aktuellen Musikdiskurs, ein Beitrag, dessen innerer Zusammenhang, sein zuweilen ungeduldiges Umschalten und dann wieder Zurückschauen zum eben Liegengelassenen gerne mit einem DJ-Set verglichen werden kann. Dieser hat naturgemäß nicht nur didaktische Absichten, aber eines seiner Ziele wäre durchaus, dass mancher, der ihn hört, wie Wolfgang Moers' Lastwagenfahrer aus seinem Comic ,On the Road' ausrufen möge: ,Ich kann mir ein Leben ohne Zwölftonmusik gar nicht vorstellen!'" Diederichsen liefert einen spannenden Beitrag zur Neuentdeckung der Zwölfton-Ikone Schönberg. Er zieht Verbindungen zur aktuellen elektronischen Musikszene und zeigt einen intelligenten Zugang zu Schönbergs sperrigem Werk. Zum 50. Todestag, Schönberg starb am 13. Juli 1951, versucht Diederichsen eine Diskussion zu eröffnen: "Mir geht es darum, Anschlüsse in seinem Werk für heutige Problemstellungen zu finden, die sich im kulturellen Raum neben, über und unter dem entwickeln, was von sich schon weiß, was es tut."

 

Weitere Informationen unter www.trifft.de

 

Zu den bereits erschienenen Titeln "Iris Berben trifft Giuseppe Verdi" und "Harald Schmidt trifft Johann Sebastian Bach"