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31.08.2001
Musica Antiqua Köln

Thüringer Bachspezialitäten

Musica Antiqua Köln, Thüringer Bachspezialitäten

Die Bachs sorgten schon vor Johann Sebastian für ordentlich Lärm in Thüringen. 2000 fand man in den Archiven der Berliner Singakademie endlich auch die Noten dazu.

Ob musikalische Begabung erblich ist, ist eine schwierige Frage. Schließlich wachsen Musikerkinder schon als Dreikäsehoch mit Dauerbeschallung auf, denn üben müssen Mama oder Papa schließlich auch zu Hause. Aber ganz gleich, ob Umwelt oder Gene "schuld" sind: Fest steht, dass die Bachs über Generationen hinweg das Musikleben in der Mitte Deutschlands mitbestimmt haben. Doch das musikalische Wirken der Bachs begann nicht erst mit Johann Sebastian und seinen Söhnen, wie Carl Philipp Emanuel oder Wilhelm Friedemann. Reinhard Goebel hat sich in Archiven und Bibliotheken auf die Suche nach Musik der frühen Bachs gemacht und diese "Bachiana I" seiner Musica antiqua aufs Notenpult gestellt.

 

Der älteste Bach auf dieser CD wurde im Dreißigjährigen Krieg geboren, heißt Heinrich und erreichte das für damalige Verhältnisse biblische Alter von 77 Jahren. Er war lange Jahrzehnte Organist in Arnstadt, bevor sein Großneffe Sebastian ihm dort nachfolgte. Vielleicht hat er den kleinen Johann Sebastian sogar noch kennengelernt, denn der war, als Heinrich starb, sieben Jahre alt. Goebel spielt qualitätsvolle Kammermusik, zwei Sonaten Heinrichs "a cinque", also in Quintettbesetzung. Auch Heinrichs Sohn Johann Christoph, der lange in Eisenach als Organist wirkte, ist vertreten, und zwar mit Cembalo-Variationen.

 

Vielleicht stammen die aber auch von Johann Christoph II, einem älteren Bruder Johann Sebastians. Der nahm den kleinen Basti nach dem Tod der Eltern daheim in Ohrdruf auf und sorgte auch gleich für dessen ersten Musikunterricht. Fehlen darf schließlich auch nicht Johann Ludwig, der "Meininger Bach", ein Cousin zweiten Grades. Seine Kantaten gefielen dem Thomaskantor Sebastian so gut, dass er sie im Jahr 1726 selbst aufführte. Und auch Johann Ludwigs Instrumentalwerke vereinen italienischen Schwung und deutsche Gründlichkeit: Am spannendsten sind Familienalben, wenn man sie sich, wie in diesem Falle, anhören kann.