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15.08.2001

Lass mich mal ans Steuer, Harry

Lass mich mal ans Steuer, Harry

Es gibt noch die Zeiten, wo das Wünschen hilft. Manchmal reichen ein paar Sekunden Musik und der Film läuft, schwerelos wie ein Traum.

Immer wieder muss ich Diskussionen führen, was eigentlich mondän sei. Das schöne Gefühl, am späten Vormittag das Dach seines Jaguar XJ3 Convertible mit elegantem Schwung aufklappen zu sehen. Der Morgennebel hat sich verflüchtigt. Die Sonne scheint gnädig auf das sanft geschwungene Rund der Mittelmeer-Bucht; weit hinter dem Pool, der Auffahrt und der Akazienallee.

 

Die Nachbarn fahren zum Markt, um ihre Haushälterin abzuholen. Die Gute wollte noch frische Artischocken für den Lunch besorgen. Doch mein XJ3 möchte lieber jagen gehen, auf der Croisette - voilà. Mit knappem Schlack antwortet das Car Stereo auf die Berührung der On-Taste. Und nur Sekunden später ertönt der Jazz-Walzer von Dmitri Schostakowitsch ... Ist das mondän? Oder ist es eher der stolze Besitz von zwei mal zehn Metern Monster Cable. Lautsprecherkabel, High End, Meterpreis 100 DM. Spezialität: Das Kabel ist auf den Musiktypus abgestimmt. Die Wicklung macht den Unterschied. Es gibt Rock-Kabel, Pop-Kabel, Jazz-Kabel und, sic, Klassik-Kabel. Es heißt, man höre den Unterschied. Deutlich.

 

Mir gefällt die "mondän"-Definition im Brockhaus: "Von aufwendiger Eleganz, nach Art der großen Welt." Leugnen ist zwecklos.

 

Diese Musik ist aufwendig, und elegant ist sie gewiss. Manchmal findet sich die große Welt eben im Kleinen. In der Melodie-Miniatur vom Orchestre du Soleil bei Minute 2:07, im melancholischen Geigenstrich bei Albinonis Adagio oder der Flötenfigur in Oregons "Beneath An Evening Sky"."Mondän" ist die perfekte Musik für den Filmemacher in uns allen. Ein Soundtrack, der die Assoziationsschleusen öffnet. Das große Gefühl. Ein sanfter Traum. Ich bin mondän.