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14.02.2001
Pierre Boulez

Erforschen, dann erfinden: Pierre Boulez

Pierre Boulez, Erforschen, dann erfinden: Pierre Boulez

Ob als Komponist, der in den 50er und 60er Jahren mit seinen avantgardistischen Kompositionen den kontroversen Diskussionen Nahrung gab, oder als Dirigent, der die Meisterwerke der Moderne ins Standardrepertoire aufnahm, Boulez hat einen ebenso individuellen wie weitreichenden und faszinierenden Einfluß auf die Musik des 20. Jahrhunderts ausgeübt.

Im Jahr 2000 feiert man weltweit Boulez' 75. Geburtstag. Er selbst begeht dieses Jubiläum mit einer Reihe internationaler Konzerte, deren Anfang die Konzerttournee Boulez 2000 mit dem London Symphony Orchestra bildet. Für diese Tournee sind über 30 Konzerte in 11 internationalen Musikzentren vorgesehen, die Boulez' ganz persönliche Auffassung von der Entwicklung der Orchestermusik im 20. und am Übergang zum 21. Jahrhundert widerspiegeln. Nach Aussage Boulez' ist es sein Ziel, die Verfahren zu erforschen und einander gegenüberzustellen, mit denen die Komponisten im 20. Jahrhundert Orchestermusik geschrieben haben: "Die Komponenten sind noch weitgehend dieselben wie zu Beginn des Jahrhunderts. Geändert hat sich die Vielzahl der Strukturen, in denen die Komponisten diese traditionellen Elemente anordnen."

 

Für Boulez gehörten Konzerte und Aufnahmen stets zusammen. Seine ersten Einspielungen für das Gelblabel stammen aus den 70er Jahren; im November 1989 unterzeichnete Boulez dann einen langfristigen Exklusivvertrag bei der Deutschen Grammophon mit dem Ziel, gültige Interpretationen von Schlüsselwerken des 20. Jahrhunderts in Aufnahmen festzuhalten. Er sah darin von Anfang an eine wesentliche Dokumentation seiner Arbeit als Dirigent.

 

Das Ergebnis ist eine großartige Serie von Aufnahmen der Meisterwerke aus allen Phasen des 20. Jahrhunderts, von den Werken der Zweiten Wiener Schule über Bartóks Orchester- und Bühnenwerke, dokumentiert in den mehrfach preisgekrönten Einspielungen mit dem Chicago Symphony Orchestra, bis zur aufregenden Sinnlichkeit der Aufnahmen von Debussy und Ravel mit den Berliner Philharmonikern und Ersteinspielungen eigener Kompositionen und von Werken von Birtwistle, Ligeti und Messiaen mit dem Ensemble InterContemporain.

 

Die Veröffentlichungen der Deutschen Grammophon im Jahr 2000 spiegeln Boulez' vielfältiges Engagement für die Musik des 20. Jahrhunderts wider. Im neuen Jahrtausend setzt Boulez seine Erforschung der Mahler-Symphonien mit einer Aufnahme der heiteren, leicht zugänglichen Vierten Symphonie mit dem Cleveland Orchestra fort - es war das erste Werk des Komponisten, das Boulez live hörte. Ein weiterer Höhepunkt des Jahres wird die "Complete Webern Edition" sein, in deren Zentrum Boulez' Aufnahmen von Weberns Vokal- und Orchesterwerk mit den Berliner Philharmonikern und dem Ensemble InterContemporain stehen.

 

Ein Geburtstagsgeschenk besonderer Art für den Maestro, das "Artist's Album", stellt Musikfreunden weniger bekannte Aspekte aus dem Leben und Schaffen Boulez' vor. Und in der zweiten Jahreshälfte wird die Ersteinspielung von Boulez' eigenem "Sur incises" (eine Filmfassung seines Werkes strahlt der französische Fernsehsender "la Cinquième" aus) erscheinen. Und schließlich setzt Boulez seine Suche nach den Wurzeln der musikalischen Moderne mit seiner allerersten Aufnahme einer Bruckner-Symphonie fort, eingespielt mit den Wiener Philharmonikern in Bruckners Heimatkirche von St. Florian.

Lesen Sie auch zu den Alben die musikalischen Landschaften - Paris: Ankommen in der Moderne