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14.02.2001

Weltpremiere für "Sieben Fugen": Mikhail Pletnev

Michail Vasil’evič Pletnëv, Weltpremiere für Sieben Fugen: Mikhail Pletnev

Mikhail Pletnev macht keine halben Sachen. Wenn er Tschaikowsky spielt, liest er Tag und Nacht Puschkin und Tolstoi. Jetzt lagen wohl Ibsens Dramen und Strindbergs düsteren Parabeln neben den Noten von Edvard Grieg.

Die neueste Einspielung von Mikhail Pletnev ist eine Reise in den Norden. Aber eine, die den Abfahrtsort - Mitteleuropa - nicht aus dem Blick verliert. Denn Edvard Grieg kommt zwar aus einem der nördlichsten Städte Europas - der Komponist ist im norwegischen Bergen geboren - seine Ausbildung zum Musiker erhielt er aber von 1858 bis 1862 am Konservatorium von Leipzig. Und dort lernte er die Musik Richard Wagners kennen, beschäftigte sich intensiv mit Mendelssohn und Schumann. Doch als er nach Skandinavien zurückkehrte, machten ihn Komponisten-Freunde auf die Volksmusik seines Landes aufmerksam. Nationalmusiken lagen im Trend der Zeit und was Grieg in den kommenden Jahren komponierte, trug viel zur kulturellen Selbstfindung Norwegens - das gerade erst aus jahrhundertelanger Staatengemeinschaft mit Dänemark und Schweden entlassen war - bei.

 

Die Aufnahmen dieser neuen CD verfolgen - und das ist ein seltener Glücksfall - diese biographisch-musikalische Spur. Erst kürzlich sind Kompositionen aus Griegs letzten Studentenmonaten in seinem alten Verlagshaus C. F. Peters in Druck erschienen: die "Sieben Fugen" erleben mit dieser Einspielung ihre Weltpremiere. Mikhail Pletnev rückt diese frühen Klavierstücke mit ihren 17 Minuten Spieldauer ins Zentrum seiner Einspielung - gemeinsam mit den Lyrischen Stücken aus den Jahren 1867 bis 1901. Diese Klavierminiaturen schlagen den Bogen von Griegs "Leipziger Schule" - Anklänge an Mendelssohn, Schumann und Chopin schimmern durch - zum neuen Element nordischer Volksmusik. Von Griegs Klavierwerken heißt es immer wieder, sie erforderten mehr Gestaltung als Technik. Mikhail Pletnev, der mit seinen euphorisch besprochenen Einspielungen von Werken Rachmaninoffs (4596342) und Liszts (4576292) seine beeindruckende Virtuosität nicht nur einmal unter Beweis gestellt hat, verzichtet auf den Pomp der großen Wirkung.

 

Er gibt den Stücken selbstbewusst den Rahmen, der ihnen zukommt, zeigt ihre schillernden Facetten, die zarte Melancholie in manchen der "Lyrischen Stücke". An Hand seiner Chopin-Einspielung (4534562) schrieb die "Süddeutsche Zeitung" über ihn: "Keineswegs sentimental, sondern herb, seriös, wunderbar beredt, vielstimmig, klug." - Das ist der Pianist Mikhail Pletnev. Griegs reizvolle Verbindung von herbem skandinavischen Melos mit der deutschen Romantik ist idealer musikalischer Stoff für einen solchen Interpreten.