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26.01.2001

Nachruf auf Luíz Bonfá, den Komponisten von "Manhã de Carnaval"

Nachruf auf Luíz Bonfá, den Komponisten von Manhã de Carnaval

Am 12. Januar 2001 erlag der Komponist und Gitarrist Luíz Bonfá im Alter von 78 Jahren in Rio de Janeiro seinem Krebsleiden. So wie sein im vergangenen Jahr verstorbener Kollege Baden Powell genoß auch Bonfá weitaus mehr Ruhm im Ausland als in seiner Heimat Brasilien.

Zeit seines Lebens zehrte Luíz Bonfá vor allem von der Popularität zweier Kompositionen: "Manhã de Carnaval" und "Samba de Orfeu". Die beiden eingängigen Themen waren Bestandteil des Soundtracks des Marcel Camus-Filmes "Orfeu Negro" ("Black Orpheus"), der 1959 beim Filmfestival in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde und noch im gleichen Jahr den Oscar als bester ausländischer Film einheimste.

Es ist unbestritten, daß die von Antônio Carlos Jobim und Luíz Bonfá geschriebenen Kompositionen wesentlichen Anteil am internationalen Erfolg dieses Filmes hatte. Mehr noch als Jobims etwas melancholisch geratener Klassiker "A Felicidade" entwickelte sich Bonfás "Manhã de Carnaval" zu einem regelrechten Ohrwurm. Laut dem "Guiness-Buch der Rekorde" zählt die Nummer zu den zehn meistgespielten Stücken aller Zeiten. Im Laufe der Jahrzehnte wurde "Manhã de Carnaval" von so unterschiedlichen Künstlern wie Frank Sinatra, Paco de Lucia, Julio Iglesias, José Feliciano, Perry Como, Joan Baez, Andy Summers und zahllosen Jazzern immer wieder neuinterpretiert. Auch die drei Tenöre Plácido Domingo, Luciano Pavarotti und José Carreras ließen den Evergreen natürlich nicht ungeschoren davonkommen.

Der am 17. Oktober 1922 in Rio geborene Luíz Floriano Bonfá erlernte mit 12 Jahren zunächst autodidaktisch Gitarre, bevor er sich dann als Schüler des Uruguyaners Isaias Savio mit Feuereifer ins Studium der klassischen Gitarre vertiefte. Nach dem Gewinn eines Nachwuchswettbewerbes erhielt er Anfang der 40er Jahre die ersten Engagements bei verschiedenen brasilianischen Radiostationen. 1952 wagte Bonfá dort den Absprung, um seine Solokarriere zu starten. Erste Erfolge feierte er in der Vor-Bossa Nova-Ära, als einige seiner Stücke Eingang ins Repertoire von u.a. Dick Farney und Ângela Maria fanden. Nachdem der Gitarrist schließlich Ende der 50 Jahre durch den "Orfeo Negro"-Soundtrack internationale Bekanntheit errungen hatte, öffneten sich im auch bald die Türen der großen Plattenstudios in New York und Los Angeles.

Alles in allem war Luíz Bonfá, der in den 60ern in die USA zog und erst 1975 endgültig nach Brasilien zurückkehrte, an rund 500 Platteneinspielungen beteiligt. In seinen US-Jahren arbeitete der Gitarrist u.a. mit Frank Sinatra, Elvis Presley, Quincy Jones, Ella Fitzgerald, Tony Bennett, George Benson und Julie Andrews zusammen, sorgte durch Liebschaften mit Hollywood-Diven wie Ava Gardner aber auch anderweitig für Schlagzeilen. Aus den unter seinem eigenen Namen erschienenen Alben ragt vor allem das 1963 gemeinsam mit Stan Getz eingespielte Meisterwerk "Jazz Samba Encore!" heraus.

In den 90er Jahren kamen von dem gesundheitlich schon angeschlagenen Gitarristen nur zwei neue Alben heraus, die seinen Namen auf dem Cover trugen: 1991 "The Bonfá Magic" und 1995 "Almost In Love". "Almost In Love" trug den Untertitel "Ithamara Koorax Sings The Luíz Bonfá Songbook" und war eine Hommage der Sängerin Ithamara Koorax an den Komponisten und Gitarristen, der an der Einspielung allerdings auch selbst mitwirkte. Produziert hatte das Album kein Geringerer als Arnaldo DeSouteiro, der in Deutschland durch die beiden vorzüglichen Doppel-CD-Compilations "A Trip To Brazil" als Bossa-Spezialist bekannt wurde. Auf diesen beiden Compilations, die DeSouteiro für Universal Music zusammenstellte, ist Bonfá gleich mehrfach zu hören: auf Volume 1 u.a. mit Lalo Schifrin ("Manhã de Carnaval"), Ithamara Koorax ("Samba de Orfeu"), Quincy Jones ("Non-Stop To Brazil") und Astrud Gilberto ("The Gentle Rain") sowie auf Volume 2 mit Caterina Valente ("Menina Flor"). Letztes Jahr wurde außerdem Bonfás Album "The Composer Of Black Orpheus Plays And Sings Bossa Nova" in der Reihe "Verve By Request" wiederveröffentlicht.

Eine merkwürdige Koinzidenz ist, daß am exakt selben Tag wie Luíz Bonfá in Rio in São Paulo auch der frühere brasilianische Dreisprung-Olympiasieger, Gitarrist, Journalist und Schauspieler Adhemar Ferreira de Silva verstarb. Der fünf Jahre jüngere Adhemar hatte 1959 in dem Film "Orfeo Negro" den Tod verkörpert.

Ausgewählte Diskographie:

Stan Getz & Luís Bonfá Jazz Samba Encore!
Luís Bonfá The Composer Of Black Orpheus Plays And Sings Bossa Nova
OST Black Orpheus Original Orfeo Negro Soundtrack
Various Artists A Trip To Brazil, Volume 1: 40 Years Of Bossa Nova
Various Artists A Trip To Brazil, Volume 2: Bossa And Beyond
Ithamara Koorax feat. Luís Bonfá - Almost In Love: Ithamara Koorax Sings The Luís Bonfá Songbook (Paddle Wheel 503)