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15.04.2002

Recomposed by Jimi Tenor

Kleopatra Sofroniou

Jimi Tenor, Recomposed by Jimi Tenor © Deutsche Grammophon Recomposed by Jimi Tenor

Meine erste Begegnung mit Jimi Tenor war 2000. Sieben Redakteure für alle Musikrichtungen teilten sich mit uns das Redaktionsbüro von Amazon.de – samt Stereoanlage. Was der Allgemeinheit nicht gefiel, flog nach einigen Minuten aus dem CD-Player. An Jimi Tenors damals aktuellem „Out of Nowhere“ bildete sich automatisch ein Konsens. Ich, die Fachfrau für Klassik und Oper, fand seine Musik nett zu hören, bestenfalls amüsant.

2005, mittlerweile bei Universal Music in der Klassik-Abteilung, sollte ich mich um „Recomposed“ kümmern. Popmusiker setzen sich in dieser innovativen Serie der Deutschen Grammophon mit Klassik auseinander. Und für die zweite Folge des Projekts war auserwählt: Jimi Tenor.

Ich wunderte mich. Und ich fragte mich, nachdem ich Jimis Vorschläge fürs Tracklisting sah: Was kommt da raus? Auf dem Zettel standen avantgardistische „Extremitäten“ von Edgar Varèse, minimalistische Klangteppiche von Steve Reich, das postmoderne symphonische Gedicht von Salonen „Wing on Wing“, das andächtige „Choral Concerto“ von Giogri Sviridov und einiges mehr an „Hardcore Moderne“. Ein anspruchsvolles Programm mit Stücken also, die möglichst unterschiedliche Kompositionsansätze und -stile verfolgten.

Und so vielseitig wie das Originalprogramm klangen dann auch die Bearbeitungen. Jimis Rekompositionen verfolgen die unterschiedlichsten Klangwege. Mal loungig, mal funky, mal mysteriös und hypnotisch oder soundtrackartig – aber immer stimmig und stimmungsvoll. Hier ist jemand eigenwillig und phantasievoll mit den Heiligtümern der klassischen Moderne umgegangen. Ohne sich in Theorien und Systeme verwickeln zu lassen. Sehr hörenswert und bezeichnend für Jimis kreativen Geist finde ich z.B. die drei Versionen von Saties Klavierstück „Vexations“. Hier hat Jimi auf der trägen Melodie des Originals drei ganz unterschiedliche rhythmische Konzepte aufgelegt. Oder den „Dirty-Harry-Like“-Soundtrack zum Stück „Déserts“ von Edgar Varèse. Oder mein Lieblingsstück: Boulez’ „Messagesquisse“, ursprünglich für die ungewöhnliche Besetzung von sieben Violoncelli komponiert: Jimis TripHop-artige Bearbeitung halte ich für einen Meilenstein der zeitgenössischen Musik!

Durch Recomposed by Jimi Tenor habe ich in den Originalstücken neue und mehr Facetten entdeckt. Und so ist dieses Album ein Gewinn in doppelter Hinsicht. Als eine der kreativsten Annäherungen an die Klassik, die ich kenne – und als eine Lektion gegen das musikalische Schubladendenken. Auch gegen mein eigenes.

... von Kleopatra Sofroniou (Product Managerin Universal Music Classics & Jazz)