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06.03.2019
Max Richter

Wegweisend – Max Richters Soundtrack zu dem Film "White Boy Rick"

Am 7. März 2019 kommt der amerikanische Kriminalfilm "White Boy Rick" von Yann Demange in die deutschen Kinos. Max Richter hat dazu einen wegweisenden Soundtrack geschaffen, der auch ohne Bilder eine magische Wirkung entfaltet.

Max Richter, Wegweisend – Max Richters Soundtrack zu dem Film White Boy Rick © DG White Boy Rick - Max Richter

Max Richter kann mit bewegten Bildern umgehen. Wie seine großartigen Scores beweisen, erspürt der deutsch-britische Komponist instinktsicher den Takt und Klang filmischer Szenarien. Dabei beeindruckt die poetische Autonomie seiner Filmarbeiten: Scores von Max Richter funktionieren im Kino wie als Soundtracks, die unabhängig vom filmischen Geschehen ihre magische Wirkung entfalten. Sein aktueller Soundtrack untermauert diese Qualität mit sensationeller Eindringlichkeit.

Maximale Spannung: Max Richters neuer Soundtrack  

Die Musik zu dem amerikanischen Kriminalfilm "White Boy Rick" ist von beeindruckender Gespanntheit. Sie besitzt heftige Dramatik, spart aber nicht mit zarten Gesten, die von verletzlichen menschlichen Beziehungen zu handeln scheinen. Richter-Fans dürfen sich auf die bewährten Klangbausteine des Komponisten freuen: öffnende Ambiente-Sounds, bebende Electronica und gelungene Akzentsetzungen, ob sinfonisch anmutend oder in Form romantisch verträumter Meditationen am Klavier.

Doch aufgepasst: Der Original Soundtrack zu "White Boy Rick" ist zwar ein echter Richter, aber er reicht weit darüber hinaus. Wie in keiner anderen Filmarbeit riskiert der Komponist ein enorm breites Spektrum von Stimmungen und fügt die unterschiedlichen Farben seiner Musik zu einem erstaunlich schlüssigen Muster. The Line of Best Fit,das angesagte Online-Magazin aus London, hat deshalb schon den Begriff der Sonate bemüht. Ray Honeybourne spielt damit auf die streng durchdachten Verwandlungsprozesse in Richters Soundtrack an.    

Detroit in den 80ern: "White Boy Rick"  

"Das soll natürlich nicht heißen, dass der Soundtrack zu 'White Boy Rick' eine einzige Sonate ausbreitet", so Honeybourne, der sich von Richters Komposition begeistert zeigt. Aber die prägende Duftmarke einer "frühen Stimmung" und deren allmähliche Verwandlung könnten doch erklären, warum der Komponist "kontinuierlich Werke von bemerkenswerter Qualität" schaffe. Die Grundstimmung des Soundtracks ist eine zwischen unheilvollen Ahnungen, brutalen Einsichten und versöhnlichen Momenten schwankende Melancholie.

Jeder kann sich dazu seine ganz eigenen Bilder machen. Er kann sich aber auch den Film anschauen, der am 7. März 2019 in die deutschen Kinos kommt und Richters faszinierende Klanglandschaften in der Handlung widerspiegelt. Der von einer wahren Begebenheit ausgehende Film spielt im Detroit der 1980er Jahre. Die im Niedergang begriffene Industriestadt ist von einer Crack-Epidemie befallen. Die jungen Leute rauchen Kokain, weil sie keine Hoffnung auf die Zukunft haben.

Verletzliche Vater-Sohn-Beziehung: "Wershe & Son"

Rick Wershe zieht unter diesen harten Bedingungen zwei Teenager auf. Um über die Runden zu kommen, handelt der alleinerziehende Vater illegal mit Waffen. Als das FBI auf ihn aufmerksam wird, versucht es seinen vierzehnjährigen Sohn als verdeckten Informanten zu gewinnen. Rick junior willigt ein. Er kann seinen Vater damit vor einem Gefängnisaufenthalt bewahren. Doch der Junge gerät allmählich selbst auf die schiefe Bahn und wird zum Dealer.

Max Richter bringt die Dramatik des Films in Stücken wie "Big Man Now" oder "Trigger" mit brachialen Industrial-Sounds zum Ausdruck. Dagegen dominieren in "Wershe & Son" oder "Baby Keisha" sanfte Töne, die von den empfindsamen Dimensionen der menschlichen Beziehungen zeugen. Erstaunlich bleibt, dass sich die krassen Gegensätze zu einem Ganzen fügen.