Klassik Newsletter

Sie wollen immer aktuell informiert sein? Dann geben Sie im Feld unten Ihre E-Mail-Adresse ein. Unser Newsletterservice versorgt Sie wöchentlich mit allen Neuigkeiten zum Thema klassische Musik.

Mit dem Klick auf den Button „Ok“ willige ich darin ein, dass ich den Newsletter abonniere und meine personenbezogenen Daten zu diesem Zweck gemäß der Datenschutzerklärung verarbeitet werden.
OK

Nichts verpassen

Nutzen Sie KlassikAkzente Online auch wenn Sie nicht auf unserer Seite sind:
Social Networks:

Artikel

15.11.2018
György Kurtág

"Endgame" an der Scala – Uraufführung von György Kurtágs erster Oper

Am Abend des 15. Novembers wurde an der Mailänder Scala die erste Oper von György Kurtág uraufgeführt. Der ungarisch-französische Komponist hat über sieben Jahre an dem Bühnenwerk gearbeitet.

György Kurtág, Endgame an der Scala – Uraufführung von György Kurtágs erster Oper © Rolf Hans/ECM Records György Kurtág

György Kurtág gehört zu den bedeutendsten Gestalten der musikalischen Avantgarde. Der ungarisch-französische Komponist hat eine ureigene Tonsprache geschaffen, als deren Hauptkennzeichen ein Höchstmaß an Konzentration, lyrische Intensität und strukturelle Klarheit gelten. Neben der Akribie, dem hohen Qualitätsanspruch und der schöpferischen Kraft des Komponisten besteht eines seiner wichtigsten Erfolgsrezepte darin, seinen persönlichen Erfahrungsreichtum in seine Kunst einzubringen.

Höhen und Tiefen des 20. Jahrhunderts: György Kurtág

Der hochbetagte Komponist hat viele Höhen und Tiefen des 20. Jahrhunderts durchlebt. Als eines seiner Schlüsselerlebnisse beschreibt er den Einmarsch der sowjetischen Truppen in Ungarn im Jahre 1956. Damals ist er dreißig Jahre alt, als eine ganze Welt für ihn zusammenbricht. 1957 geht er nach Paris, vertieft seine musikalischen Kenntnisse bei Olivier Messiaen und befasst sich mit Arnold Schönberg und Anton Webern. Doch so bereichernd die Erfahrung mit der westlichen Avantgarde ist: Innerlich ist er von tiefen Krisen geschüttelt.   

Das "Endgame" als Oper – oder: Die Abgründe besingen  

In jener Zeit sieht er Samuel Becketts Theaterstück "Fin de partie". Das Drama handelt von vier Charakteren, die sich in einer verfahrenen Situation befinden. Sie sind in einem leeren Raum gefangen und hängen in psychologisch fataler Weise voneinander ab. Befehlsgewalt und Unterordnung, familialer Druck, Krankheit, Schmerz, dazu eine offenbar unwirtliche Außenwelt, in die man nur durch zwei kleine Fenster im Hintergrund blicken kann – das Stück dringt tief in die Abgründe der menschlichen Lage ein.

György Kurtág ist gefesselt von dem Drama. Wahrscheinlich trifft es seine damalige Stimmung, die von einem grundstürzenden Vertrauensverlust in das Leben geprägt ist. Jedenfalls lässt ihn Beckett nicht mehr los. Er wird dem Werk des irischen Schriftstellers kleinere Arbeiten widmen. Im Hintergrund wartet jedoch das Endspiel auf seine musikalische Chance. In den letzten sieben Jahren hat der 92-Jährige, dessen Werk in zahlreichen Schlüsselaufnahmen beim Münchener Label ECM New Series vorliegt, nun an seinem "Endgame" gearbeitet.

Am heutigen Abend wird die vom Publikum bereits heiß ersehnte Oper, mit deren höchst unterschiedlichen Charakteren György Kurtág sich persönlich identifizieren kann, an der Mailänder Scala uraufgeführt.