Klassik Newsletter

Sie wollen immer aktuell informiert sein? Dann geben Sie im Feld unten Ihre E-Mail-Adresse ein. Unser Newsletterservice versorgt Sie wöchentlich mit allen Neuigkeiten zum Thema klassische Musik.

Mit dem Klick auf den Button „Ok“ willige ich darin ein, dass ich den Newsletter abonniere und meine personenbezogenen Daten zu diesem Zweck gemäß der Datenschutzerklärung verarbeitet werden.
OK

Nichts verpassen

Nutzen Sie KlassikAkzente Online auch wenn Sie nicht auf unserer Seite sind:
Social Networks:

Artikel

04.10.2018
Hilary Hahn

Lang ersehnt – Das neue Bach-Album der Stargeigerin Hilary Hahn

Zwei Jahrzehnte hat ihre Fangemeinde auf diesen Augenblick gewartet. Jetzt erscheint Hilary Hahns zweites Bach-Album mit Werken für Violine solo: die lang ersehnte Vervollständigung ihres fulminanten Aufnahmedebüts von 1997.

Hilary Hahn, Lang ersehnt – Das neue Bach-Album der Stargeigerin Hilary Hahn © Dana van Leeuwen Hilary Hahn

Als Hilary Hahn im Jahre 1997 ihr Debütalbum vorlegte, da zeigten sich nicht wenige Kritiker spontan skeptisch. Das Repertoire sorgte für Irritationen. Die junge 17-jährige Solistin hatte sich zwei Partiten und eine Sonate für Violine solo von Johann Sebastian Bach erwählt, technisch und poetisch extrem anspruchsvolle Werke, deren Interpretation nach dem einhelligen Urteil der Fachwelt ein Höchstmaß an Reife erfordern.

Steile Karriere mit Bach: Hilary Hahn

Die Skepsis verflog indes schnell. Von der Möglichkeit fehlender Reife sprach niemand mehr, als das Album in der Öffentlichkeit ankam und das Publikum sich mit der Spielkultur von Hilary Hahn vertraut zu machen begann. Die US-amerikanische Geigerin schien sich jenseits gängiger Kategorien zu bewegen. Ihr Spiel war weder frühreif noch jugendlich-frisch, sondern von einer erstaunlichen Intensität, die keinen Zweifel daran ließ, dass Hahn einen besonderen Draht zu Bach hat.  

Die Veröffentlichung von "Hilary Hahn plays Bach" liegt jetzt 20 Jahre zurück. Auf dem legendären Album, das eine wahre Bach-Euphorie auslöste und Hilary Hahn berühmt machte, interpretierte sie Bachs zweite und dritte Partita sowie dessen dritte Sonate für Violine solo. Damals, so stellte Hahn nach der Veröffentlichung ihrer Bach-Interpretationen verblüfft fest, "verging keine Woche, ohne dass mich jemand aus dem Publikum gefragt hätte, wann ich den Rest des Zyklus aufnehme".   

Album bei Decca: Die Vervollständigung des legendären Zyklus

Jetzt hat das Warten ein Ende. Mit ihrem gerade erschienen Album bei Decca Classics vervollständigt Hilary Hahn den für seinen Schwierigkeitsgrad berühmt-berüchtigten Zyklus des weit in die Zukunft vorausblickenden Barockkomponisten. Damit sind nunmehr alle Sonaten und Partiten für Violine solo von Johann Sebastian Bach in der Interpretation von Hilary Hahn greifbar. Doch wie spielt die inzwischen dreifache Grammy-Preisträgerin heute Bach?

Die Versuchung, einen Reifungsprozess in ihr neues Album hineinzuprojizieren, ist groß. Doch erneut entzieht sich Hahn den konventionellen Schubladen und fordert die Hörerinnen und Hörer dazu auf, sich selbst ein Bild zu machen und ihr auf der Entdeckungsreise zu Bachs zauberisch schönen, oft von einem melancholischen Hauch umwehten Geigen-Monologen offenherzig zu folgen. Am ehesten lässt sich ihr Spiel noch mit einem Bild des romantischen Dichters Friedrich Hölderlin fassen.     

Ein Hauch von Melancholie: Heilignüchterne Geigen-Monologe

Hölderlin hatte in seinem Gedicht "Hälfte des Lebens" vom "heilignüchternen Wasser" gesprochen, in das die Schwäne – "trunken von Küssen" – ihr Haupt tunken. Hahns Spiel besitzt diese heilige Nüchternheit, diese Frische des Wassers. Zugleich ist es hitzedurchströmt, "trunken von Küssen". Exemplarisch: Die Sonate Nr. 1 in g-Moll, in die sie ebenso viel poetische Wärme hineinlegt, wie sie sie mit ihrem präzisen Spiel hell durchleuchtet.

Die Sonate Nr. 2 in a-Moll zeichnet sich durch lange Linien aus, die Hilary Hahn mit viel Geduld und spürbar genussvoll zieht. Im Gegensatz zur ersten Sonate wirkt die zweite öffnender, zuversichtlicher, weniger melancholisch. Eine Mischung aus Gelassenheit und Wehmut verströmt die Partita Nr. 1 in h-Moll, die Hahn bei aller tänzerischen Verve, die sie der Komposition verleiht, doch tief in sich ruhen lässt.