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20.09.2018
Hélène Grimaud

Hélène Grimauds neues Album "Memory"

In ihrer neuen Veröffentlichung spielt die französische Pianistin Klavier-Miniaturen von Chopin, Debussy und Silvestrow.

Hélène Grimaud, Hélène Grimauds neues Album Memory © Mat Hennek Hélène Grimaud

Zwei Jahre Jahre nach ihrem letzten Album "Water" veröffentlicht Helene Grimaud ein neues Solo-Oeuvre mit 15 Klavierwerken. Die Auswahl reicht von den romantischen und impressionistischen Träumereien Chopins und Debussys, über Erik Saties minimalistische Miniaturen aus seinen berühmten Gnossiennes und Gymnopédies, bis hin zu den folkloristischen Motiven des zeitgenössischen ukrainischen Komponisten Walentin Silvestrow. Es sind teilweise sehr bekannte Stücke, an die jeder Klassik-Hörer sich sofort erinnert, dann wieder selten, obwohl man denkt, man habe sie doch schon mal irgendwo gehört. Sie sind fragil und transparent, klingen oft sehnsuchtsvoll und melancholisch, geben an anderer Stelle Geborgenheit und Halt. Grimaud gibt ihnen einen ganz eigenen, manchmal geradezu surrealen Klang. Das Album nahm sie in der Münchener Himmelfahrtskirche auf, allein in einem riesigen, halligen Raum, in dem sie jede Note sehr klar artikulieren musste. 

Grimaud stellt in Memory eine ganz besondere Fähigkeit von Musik heraus

Musik kann Bilder der Vergangenheit wachrufen. Wie kein anderes Medium kann sie eindringliche Stimmungen und Gefühle erzeugen. Musiktherapeuten nutzen diese Qualität in der Behandlung von Demenzpatienten. Die Idee zu diesem Album entwickelte sich über einen langen Zeitraum. In aller Ruhe wählte Grimaud schlichte, weiträumige Stücke. Sie wiederholen ein Motiv und verändern dabei seinen Ausdruck, wechseln die Farbe. Die unterschiedlichen Epochen des Repertoires fließen in ihrer Interpretation in einen zeitlosen Fluss der Stimmungen, manchmal vage, dann übermächtig. Das Album beendet sie mit einer Premiere: Der britisch-indische Electronica-Musiker Nitin Sawhney schrieb für sie das neue Stück "Breathing Light", atmendes Licht, eine schöne Metapher für die schwebende Feinstofflichkeit, die sich wie ein roter Faden durch Memory zieht.

Seit ihrem bahnbrechenden Debüt 1995 im Alter von 16 wird die hochtalentierte, technisch perfekte Pianistin in einem Atemzug mit Größen wie Martha Argerich und Jorge Bolet genannt. Gleichzeitig gilt Grimaud als absolut unabhängiger musikalischer und gesellschaftlicher Freigeist. Ihr Engagement für Wölfe und Wasser, ihr Abgang bei Claudio Abbado, ihre Freundschaft mit Sawhney, machen die feingliedrige, kluge und schöne Künstlerin in der heutigen Klassikszene zum Indie-Star. Grimaud ist dazu auch noch Autorin und Aktivistin. Sie besitzt die seltene Gabe der Synästhesie, eine besondere Form der
Sinnesvernetzung, in der Töne als Farben und Farben als Gerüche erscheinen können. Ihre vielseitige Begabung lässt sie auch hier wieder ganz intuitiv über den Tellerrand der "normalen" Klassik-Interpretin hinausschauen. 

Die Interpretin Grimaud erkundet musikalisch die vielen Ebenen, nicht nur ihres eigenen-, sondern des allgemein menschlichen Bewusstseins. Mit ihrem Pianospiel entführt sie die Hörer*in auf eine Gedankenreise in die Tiefe eines einzelnen Moments, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verschmelzen.