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20.09.2018
Danish String Quartet

Lang gereifte Früchte – Das Danish String Quartet spielt Beethoven

Sie gelten als energiegeladenes, von Spontanität geprägtes Streicherensemble. Jetzt startet das Danish String Quartet beim Label ECM New Series eine Folge mit Beethovens späten Streichquartetten.

Danish String Quartet, Lang gereifte Früchte – Das Danish String Quartet spielt Beethoven © Caroline Bittencourt/ ECM Records Danish String Quartet

Das Danish String Quartet besitzt anarchische Qualitäten. Jedenfalls versinken die vier Skandinavier aus Prinzip nicht in Ehrfurcht vor musikalischen Autoritäten. Da wo sie herkommen, "sind die Hierarchien so flach wie die dänische Landschaft", so ihr selbstbewusstes Bekenntnis. Deshalb beeindruckte sie auch lange Zeit die Bewunderung nicht, die den späten Streichquartetten Ludwig van Beethovens traditionell entgegengebracht wird.

Ein Hauch von Anarchie: Das Danish String Quartet

Im Gegenteil, sie belustigten sich sogar über den Heiligenstatus, den der Komponist in der internationalen Streicherszene genießt. Bis sie sich eines Tages vor die Aufgabe gestellt sahen, eines der berühmt-berüchtigten späten Streichquartette des Wiener Klassikers selbst vortragen zu müssen. Der Auftritt sollte bei einem Wettbewerb stattfinden, und so besorgten sie sich, wie sonst auch, die Partitur und begannen zu proben. Dem Notenbild nach zu urteilen, warf das Werk keine ungewöhnlichen Probleme auf.

"Es hätte", so die vier Streicher, "auch irgendein nettes Quartett von Haydn oder Mozart sein können, eine Musik, die man als Student vom Blatt lesen und so spielen kann, dass sie sich ganz anständig anhört. Aber so funktionierte es nicht. Es klang scheußlich und schien sich gegen jede Intuition zu sperren, so ausdauernd wir auch probten." So selbstbewusst sie sich auch damals schon, als musikalische Youngster fühlen durften: Jetzt mussten sie sich eingestehen, dass der späte Beethoven tatsächlich anders tickt und eine rätselhafte Faszination ausübt.    

Intuitiver Zugriff: Lang gereifte Früchte

Diese Geschichte findet sich im Booklet zu ihrem neuen Album. Sie illustriert eindrücklich, wie aus einer Irritation eine musikalische Leidenschaft erwachsen kann und warum sich die vier jungen Streicher mit Beethoven so viel Zeit gelassen haben. Die Frucht musste reifen. Um Beethoven so intuitiv zu spielen und dann aufzunehmen, wie es die vier Skandinavier lieben, mussten sie die spezielle Stimmung, die Beethovens späte Quartette verströmen, geduldig in sich wirken lassen und persönlich verarbeiten.

Jetzt scheint die Zeit aber reif zu sein, denn das Danish String Quartet startet ab sofort unter dem Titel Prism eine Serie von Alben, in denen jeweils eines der späten Beethoven-Quartette mit einer atmosphärisch passenden Bach-Fuge und einem weiteren Meisterwerk der Quartett-Literatur verknüpft werden soll. "Prism I", der gerade erschienene Auftakt der Folge, kombiniert Beethovens Streichquartett Nr. 12 in Es-Dur (op. 127) mit Bachs Fuge in gleicher Tonart (von Mozart arrangiert) und Schostakowitschs letztem Streichquartett Nr. 15 in es-Moll.         

Moderne Brechungen: Prism I

Die Korrespondenzen dieser Werke sind erstaunlich und manifestieren sich auf dem neuen Album des Danish String Quartet in äußerst transparenter Form. So ist in Beethovens Streichquartett Nr. 12 deutlich der Bachsche Einfluss zu spüren. Gleichzeitig durchbricht der Wiener Klassiker die kontrapunktische Linearität des barocken Altmeisters. Dadurch schafft er, in den Worten des Danish String Quartet, "eine Unzahl verschiedener Farben, Richtungen und Möglichkeiten – ungefähr so, wie ein Prisma einen Lichtstrahl aufspaltet und umlenkt".

Die Lust an diesen Brechungen ist den vier Streichern jederzeit anzumerken. Mit Beethoven durchmessen sie ein ungeheures Spektrum majestätischer, tänzerischer und träumerischer Stimmungen. Mit Schostakowitsch blicken sie in tiefe Abgründe der Seele. Es wäre jedoch ein Fehler, das Quartett auf seine moderne, seine sprengende Dimension zu reduzieren. Das ganze Album über schwingt eine Bachsche Strenge mit, die kurioserweise in dem tänzerisch-schwebend dargebotenen Mozart-Arrangement von Bachs Fuge in Es-Dur diskret konterkariert wird.