Klassik Newsletter

Sie wollen immer aktuell informiert sein? Dann geben Sie im Feld unten Ihre E-Mail-Adresse ein. Unser Newsletterservice versorgt Sie wöchentlich mit allen Neuigkeiten zum Thema klassische Musik.

Mit dem Klick auf den Button „Ok“ willige ich darin ein, dass ich den Newsletter abonniere und meine personenbezogenen Daten zu diesem Zweck gemäß der Datenschutzerklärung verarbeitet werden.
OK

Nichts verpassen

Nutzen Sie KlassikAkzente Online auch wenn Sie nicht auf unserer Seite sind:
Social Networks:

Artikel

13.09.2018
Diverse Künstler

Enthusiastisches Tribut - Katia Labèque zelebriert Moondogs kompositorischen Erfindungsreichtum

Mit ihrem Album "Moondog" hat sich die französische Pianistin dem Schaffen eines faszinierenden Komponisten des 20. Jahrhunderts gewidmet, in dessen Klangwelt sie sich völlig frei bewegt.

Diverse Künstler, Enthusiastisches Tribut - Katia Labèque zelebriert Moondogs kompositorischen Erfindungsreichtum © Umberto Nicoletti Katia Labèque

Die Pianistin Katia Labèque bereichert die Musikszene seit vielen Jahrzehnten an den Tasten um viele außergewöhnliche Konzerterlebnisse. Ob im Duo mit ihrer Schwester Marielle Labèque oder im Zusammenspiel mit Jazz-Größen wie Herbie Hancock und Chick Corea - die französische Künstlerin stellt immer wieder ihre musikalische Aufgeschlossenheit und ihre Freude an besonderen Projekten unter Beweis. Für das aktuelle Album ist Katia Labèque gemeinsam mit dem E-Gitarristen und Sänger David Chalmin, dem E-Bassisten Massimo Pupillo und dem Schlagzeuger Raphael Séguinier ins Studio gegangen, um neun Kompositionen von Moondog in Aufnahmen einzufangen, die vor elektronischer Wucht und pulsierenden Beats strotzen.

Der amerikanische Komponist Louis Thomas Hardin, der ab Mitte des 20. Jahrhunderts künstlerisch unter dem Namen Moondog die Musikszene bereichert hat, führte bis zu seinem Tod im Jahr 1999 ein bewegtes Künstlerleben in Amerika und Deutschland. Durch einen Unfall erblindete er bereits mit 16 Jahren und lebte viele Jahre als exzentrischer Straßenmusiker in New York und später in Deutschland. Dichtend, musizierend und gekleidet wie ein Wikinger, zog er die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich, parallel arbeitete er als Multiinstrumentalist mit angesehenen Künstlern aus der Klassik- und Jazzszene zusammen, ging in der Carnegie Hall ein und aus, nahm zahlreiche Platten auf und feierte Erfolge als Komponist.

So schillernd seine Persönlichkeit war, so traditionell war jedoch sein musikalischer Ansatz, verriet er 1994 in einem Interview: "Ich bin ultrakonservativ. Ich rebelliere gegen die Rebellen. Die Rebellen sind für mich die Atonalisten und Polytonalisten. Ich bleibe der Tonalität und den alten Formen treu, weil ich denke, dass ihre Möglichkeiten nicht ausgeschöpft sind und auch nie ausgeschöpft werden können." Seine Klangsprache ist dennoch alles andere als eingängig - mal ist es die vorwärtstreibende Energie der Stücke, die eine elektrisierende Atmosphäre schafft, dann wieder ist es die melancholische Stimmung, die den Reiz ausmacht.

Katia Labèque ist eine in jeder Hinsicht überzeugende Interpretin für Moondogs vielschichtige Musik. Mit ihren klassischen Wurzeln und der Lust am Experimentieren hat die Pianistin hörbar einen ganz eigenen Zugang zu den Kompositionen gefunden und taucht gemeinsam mit den drei Kollegen tief in Moondogs reizvolle Klanglandschaften ein und zollen der Ursprungsidee des Komponisten Tribut: Ob Songs oder Orchesterstücke, Kanons oder Madrigale, Werke für Orgel oder für Kammerensemble – Moondog hat seine Musik in den meisten Fällen mit extravaganten Perkussionsrhythmen unterlegt und setzt darüber hinaus auf die Kraft der Repetition.

So ist auch Katia Labèques Album ein Meisterwerk der musikalischen Vielschichtigkeit: Effekte, Loops, elektrische Sounds und prickelnde Beats mischen sich mit den klaren Tönen des Flügels zu einem musikalischen Erlebnis, das die Sinne beflügelt und immer wieder Überraschungen bereit hält. In den jazzigen Figuren erahnt man plötzlich den genialen Geist von Johann Sebastian Bach und vor einer schillernden Fläche von Effekten strahlen die fragmentartigen Melodieschnipsel an den Tasten doppelt so hell. So wird das Album, das neun Titel von Moondog in dieser Besetzung in einem neuen künstlerischen Licht erscheinen lässt, für Klassikfans, Jazzfreunde und musikalische Grenzgänger zu einem intensiven Hörvergnügen.