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21.08.2018
DG120

"The Shellac Project" – Unterhaltungskünstler, Multitalente und ein weltbekannter Knabenchor

Legendäre Schellack-Aufnahmen der DG werden in Zusammenarbeit mit Google Arts & Culture zu einem digitalen Hörerlebnis. Darunter befinden sich Aufzeichnungen von Otto Reutter, Johannes Heesters und dem Leipziger Thomanerchor.

DG120, The Shellac Project – Unterhaltungskünstler, Multitalente und ein weltbekannter Knabenchor © DG The Shellac Project

Mit unserer redaktionellen Reihe "The Shellac Project" begleiten wir die Veröffentlichungen im Rahmen des Schellack Projektes der Deutschen Grammophon. Gemeinsam mit Google Arts & Culture präsentiert das Traditionslabel passend zu seinem 120. Jubiläum historische Aufnahmen aus dem Archiv in digitalem Gewand. Diese Woche stehen vier Künstler sowie ein Chor im Fokus, von denen uns einige im Laufe des Schellack Projekts immer wieder begegnen werden. Die vorgestellten Einspielungen sind Teil der ersten Auflage von 75 Titeln, die seit dem 3. August auf allen DG Kanälen sowie den Partner-Plattformen Google Play Music, YouTube Music, Spotify, Apple Music und Amazon digital zur Verfügung stehen.

Frühe Aufnahmen von Erich Kleiber

Der österreichische Dirigent Erich Kleiber, Vater von Carlos Kleiber, trat 1923 als Nachfolger von Leo Blech sein Amt an der Staatsoper in Berlin an und prägte in den folgenden zwölf Jahren nicht nur das Berliner, sondern das deutsche Musikleben wie kaum ein anderer. 1935 musste er unter Druck des Naziregimes zurücktreten und emigrierte zunächst nach Kuba, dann nach Argentinien. 1950 kehrte Kleiber nach Europa zurück mit der Bestrebung, wieder an der Berliner Staatsoper zu dirigieren, dazu sollte es aber nie kommen. Die Aufnahme eines Auszugs aus Smetanas "Moldau" aus dem Jahr 1928 stellt ein frühes Zeugnis von Erich Kleibers hervorragendem Dirigat dar. Am Pult der Staatskapelle Berlin ist eine frische und lebendige Interpretation des weltbekannten Werkes zu hören. Eine weitere Einspielung mit Kleiber als Leiter des Traditionsorchesters ist Dvořáks "Slawischer Tanz C-Dur op. 46 Nr. 1".

Váša Příhoda: Einer der besten Geiger seiner Zeit

Der Geiger Váša Příhoda erblickte im damaligen Königreich Böhmen, heute die Tschechische Republik, das Licht der Welt. Kurz nach Ende des ersten Weltkriegs war der außerordentlich talentierte Musiker vollkommen mittellos gezwungen, im "Café Ristorante Grande Italia" in Mailand aufzutreten. Bei einem Konzert im Jahr 1919 mit Paganinis Variationen über "Nel cor più non mi sento" vernahm Arturo Toscanini erstmals den Klang des tschechischen Geigers und soll gesagt haben, dass Paganini selbst seine Musik nicht besser hätte spielen können. Mit der Hilfe des großen Dirigenten begann die Karriere des jungen Příhoda, der bewaffnet mit technischer Zauberei und einem auffallend reichen Ton vor allem für seine romantischen Interpretationen bekannt wurde, darunter Antonín Dvořák "Humoreske op. 101 Nr. 7". Váša Příhoda war einige Jahre mit Alma Rosé, der Nichte Gustav Mahlers, verheiratet. Als er 1938 Elgars "Salut d’amour (Liebesgruß) op. 12" gemeinsam mit dem Pianisten Otto Alfons Graef zur Aufnahme brachte, waren sie bereits wieder geschieden.

Thomanerchor Leipzig: Bach-Ästhetik der 1920/30er

Der einst von Johann Sebastian Bach selbst geleitete Thomanerchor Leipzig gehört bis heute zu den bedeutendsten Interpreten seiner Werke. Unter der Leitung des 1918 zum Kantor des traditionsreichen Chores berufenen Karl Straube wurde der Choral "Dir, dir, Jehova, will ich singen" im Jahr 1927 eingesungen. Die Aufnahme zeichnet sich u.a. durch die Eröffnungspassage des Organisten Helmut Walcha aus, der damals keine Erwähnung auf dem Druck fand. Später wurde der junge Musiker zum Inbegriff der Orgeleinspielungen des gelben Labels und erwarb sich einen Weltruf als Bachinterpret. Unter der Leitung Straubes nahm der Thomanerchor 1928 mit den Fugen "Alles, was Odem hat, lobe den Herrn" und "Der aber die Herzen forschet" sowie dem Choral "Du heilige Brunst" Teile von Bach-Motetten auf und legte damit weitere Zeugnisse der Bach-Ästhetik dieser Zeit ab. Außerdem im Rahmen des Schellack Projekts digital zu erleben sind die Titel "Viel schöner Blümelein" und "Sandmännchen".

Otto Reutter: Meister des "Berliner Couplets"

Mit dem Unterhaltungskünstler Otto Reutter geht es auf Zeitreise in das Berlin der Weimarer Republik. Bereits vor dem ersten Weltkrieg konnte Otto Reutter durch seine Auftritte im Wintergarten des Berliner Central-Hotels Ruhm erlagen. Im Zuge der "Großen Inflation", die die Wirtschaft in der Weimarer Republik bestimmte, verlor Reutter jedoch einen Großteil seines Vermögens und kehrte aus dem Ruhestand auf die Bühne zurück. Der Vaudeville-Star schrieb seine humorvollen Couplets selbst, Lieder voller politischer Satire und weltvergessener Weisheiten, und sang mit einer so klaren Aussprache, dass man noch heute jedes Wort der alten Aufnahmen aus den 1920er Jahren glasklar verstehen kann. Zu den bekanntesten deutschen Couplets gehört "Wie reizend sind die Frauen", 1927 von Reutter aufgenommen. Im gleichen Jahr spielte der Sänger auch das Lied "Ick wundere mir über jarnischt mehr" mit unverkennbarem Berliner Dialekt ein. Dabei nimmt er seine Zeit und seine Zeitgenossen auf den Arm. Mit dem Titel "Es geht mir in jeder Hinsicht immer besser" stellte Reutter die Macht des positiven Denkens in Frage, indem er sich über die beliebte "Autosuggestion"-Methode des französischen Apothekers und Psychologen Emile Coué lustig macht.

Von Populärmusik bis Operette mit Johannes Heesters

Johannes Heesters ging als wahres Multitalent in die Geschichte ein. Das Repertoire des in den Niederlanden geborenen Tenors und Schauspielers reichte von Populärmusik bis hin zur Operette. Der 2011 im Alter von 108 Jahren verstorbene Künstler stand ganze 90 Jahre seines Lebens auf der Bühne. Der Ursprung seiner Karriere, die stets mit der Kontroverse um seinen Erfolg in Nazi-Deutschland einherging, liegt in den 1930er Jahren. Hochkarätige Auftritte in Film und Fernsehen sowie auf der Bühne sicherten seine Popularität beim deutschen und österreichischen Publikum auch in den Jahrzehnten nach dem Krieg. So erwies sich "Liebling, was wird nun aus uns beiden" aus der musikalischen Romanze "Immer nur Du" 1941 als großer Hit Heesters'. Sein Revuesong "Man müsste Klavier spielen können" wurde zur Legende: ein Lied, das behauptet, dass ein Mann Klavier spielen können sollte, um die Frauen zu erobern. Den Titel "Nimm mein Herz in deine Hände" aus der Operette "Der Bettelstudent" nahm Heesters mit der Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Alois Melichar auf.

Mehr Informationen und weitere Inhalte finden Sie auf der Google Arts & Culture Plattform sowie auf der DG120-Website.