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31.05.2018
Günther Groissböck

Keine Angst vor der Dunkelheit - Günther Groissböck singt Mahler, Brahms, Wagner und Wolf

Für sein aktuelles Decca-Album "Herz-Tod" hat der österreichische Bassist vier romantische Liederzyklen eingesungen, in denen die Komponisten die Abgründe des menschlichen Daseins beleuchten.

Günther Groissböck, Keine Angst vor der Dunkelheit - Günther Groissböck singt Mahler, Brahms, Wagner und Wolf © Gerhard Ringhofer Günther Groissböck

Die Faszination für tiefschürfende menschliche Gefühle und die Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit hat in der Romantik viele künstlerische Blüten getrieben und vor allem der Liedgesang ist ein Genre, das sich für die intensive Auseinandersetzung mit existenziellen Fragen bestens eignet. Der österreichische Bassist Günther Groissböck spürt den dunklen Farben der Romantik nach und hat dafür vier Liederzyklen ausgewählt, deren Texte um Liebe, Tod, Vergänglichkeit und Schmerz kreisen.

Richard Wagner komponierte 1857 und 1858 seine Wesendonck-Lieder nach fünf Gedichten von Mathilde Wesendonck. Günther Groissböck stellt mit seiner voluminösen und zugleich facettenreichen Bassstimme unter Beweis, dass die Lieder zwar ursprünglich für eine Frauenstimme gedacht waren, dass sie sich aber auch wunderbar aus der Perspektive eines Mannes singen lassen, denn die Themen darin haben keinen geschlechtsspezifischen Ansatz, sondern sind zutiefst menschlicher Natur. So lässt der Sänger die bekannten Werke klanglich in einem ganz neuen Licht erstrahlen und präsentiert gemeinsam mit Gerold Huber am Klavier sensible Interpretationen von Wagners romantischen Kleinoden, die bereits die musikalische Größe und viele Anklänge der Oper "Tristan und Isolde" in sich tragen.

Auf seiner musikalischen Reise ins innere der menschlichen Seele und durch die Welt des romantischen Lied-Repertoires hat Günther Groissböck auch "Vier ernste Gesänge, op. 121" von Johannes Brahms aus dem Jahr 1896 ausgewählt. Der Liedzyklus für Bass und Klavier bezieht sich auf drei Texte aus dem Alten Testament, die den Tod und die Vergänglichkeit des Lebens thematisieren. Der Text des vierten Liedes entstammt dem Neuen Testament und stellt Glaube, Hoffnung und Liebe in den Mittelpunkt. Auch die "Drei Gedichte von Michelangelo" für Bass und Klavier von Hugo Wolf, die im März 1897 entstanden sind, geben mit den Liedern "Wohl denk' ich oft an mein vergangnes Leben", "Alles endet, was entstehet" und "Fühlt meine Seele das ersehnte Licht" Einblicke in die poetische und romantische Gedankenwelt des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Günther Groissböck kostet jede sprachliche Wendung in den Texten aus und gestaltet die Lieder mit berührendem emotionalen Ausdruck und unprätentiöser Authentizität. Gerold Huber versteht es, an den Tasten alle Zwischentöne zum Leuchten zu bringen und erweist sich als feinfühliger Partner auf der künstlerischen Erkundungstour im Spannungsfeld von Leben und Tod.

Gustav Mahlers Rückert-Lieder von 1901 runden das tiefgründige Programm des Albums ab und bringen mit Mahlers Handschrift noch weitere Klangfarben ins Spiel. Die fünf Kompositionen werden auch immer wieder gerne in der Orchesterfassung aufgeführt. Günther Groissböck und Gerold Huber bringen jedoch auch in der intimen Besetzung mit Stimme und Klavier Mahlers komplexe musikalische Sprache formvollendet zum Ausdruck.