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22.02.2018
Leonard Bernstein

Voller Glut – Mammut-Edition zum 100. Geburtstag von Leonard Bernstein

Ob Broadway oder Konzertsaal: Er begeisterte sein Publikum immer, als Komponist oder als Dirigent oder aber in Personalunion. Jetzt erscheinen in einer Edition sämtliche Aufnahmen, die Leonard Bernstein als Dirigent für DG und Decca getätigt hat.

Leonard Bernstein, Voller Glut – Mammut-Edition zum 100. Geburtstag von Leonard Bernstein © Susesch Bayat / DG Leonard Bernstein

Er kostete das Leben in vollen Zügen aus. Grenzen schien es für ihn nicht zu geben. Mit entwaffnender Ehrlichkeit gab er einmal zu Protokoll: "Als ich Mitte 20 war, wurde bei mir ein Lungenemphysem diagnostiziert. Mit 35 würde ich tot sein, hieß es. Dann haben sie gesagt, ich würde mit 45 sterben. Dann mit 55. Doch ich kriege das schon hin. Ich rauche. Ich trinke. Ich bleibe nächtelang auf. Ich vögle rum. Ich habe eben an allen Fronten genug zu tun."

Großer Kommunikator: Leonard Bernstein (1918–1990)

Auf 100 Zigaretten pro Tag bringt es Bernstein, der keinen Moment genussfrei verstreichen lassen möchte. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Lebemännern des Kulturszene kreist er dabei nicht allein um sich selbst. Zwar ist er mit einem gesunden Selbstbewusstsein gesegnet und liebt es, im Mittelpunkt zu stehen, aber er weiß sich auch zu verschenken und opfert sich für andere auf. Früh setzt er sich für die Bewegung der Afroamerikaner ein und gibt die ersten Benefiz-Konzerte für AIDS-Kranke.

Zu seiner Frau kehrt er, nachdem sie eine Krebsdiagnose erhalten hat, zurück und kümmert sich um sie. Seine männlichen Liebhaber stehen vorläufig zurück. Aber auch in kleineren Gesten offenbart sich seine berührende Großherzigkeit. Orchestermusikern bietet er nach dem Konzert freimütig sein Whisky-Glas an. Sie dürfen an seinem heiß geliebten Ballantine‘s Scotch nippen. Kurz: Leonard Bernstein, von Kollegen und Freunden schlicht Lenny genannt, behält nichts für sich. Er teilt. 

Den Künstler ehren: Das Bernstein-Jahr 2018

Musik begreift er als Kommunikation, als Fest, als riesengroße Party, an der möglichst viele Liebhaber der Kunst, gleich welcher sozialen Schicht, teilhaben sollen. Am 25. August 2018 würde dieser begeisterte Philanthrop, der Dirigent, Komponist, Pianist und begnadete Entertainer Leonard Bernstein nun 100 Jahre alt werden. Grund genug, ihn ausgiebig zu feiern und sein Lebenswerk, das in unzähligen mitreißenden Aufnahmen vorliegt, detailliert in Augenschein zu nehmen.

Deshalb widmet Deutsche Grammophon dem schillernden Künstler dieses Jahr zahlreiche Veröffentlichungen. Im Zentrum stehen zwei umfassende Editionen: eine mit Bernsteins Schaffen als Dirigent und eine mit seinem Oeuvre als Komponist. Die vom Publikum bereits sehnsüchtig erwartete Box mit seinen Aufnahmen als Dirigent macht  – nach einigen wenigen vorab erschienenen Wiederveröffentlichungen - jetzt den beeindruckenden Anfang. Das Beste vorweg: Die durchnummerierte und limitierte Edition übertrifft alle Erwartungen und ist ein Zeugnis für Bernsteins mitreißende Kunst der Interpretation und Musik-Vermittlung.

Unschlagbare Edition: zutiefst persönliche Interpretationen und sprechende Bilder 

Zusammengekommen sind 121 CDs, 36 DVDs (Unitel-Bestand) und eine Blu-ray Audio Disc. Ganze sinfonische Zyklen bestimmen die Ausgabe, darunter die neun Sinfonien von Beethoven mit den Wiener Philharmonikern – auch als Blu-ray in außerordentlicher Klangqualität. Sämtliche Sinfonien von Schumann und Brahms finden sich in der Edition und natürlich die Sinfonien Gustav Mahlers, die Bernstein so sehr liebte und die er quasi lebte. Speziell die fünfte, deren Partitur man "Lenny" mit ins Grab legte.

Daneben: natürlich Bernsteins höchsteigene "West Side Story" und Werke von amerikanischen Komponisten-Kollegen wie Gershwin, Copland oder Charles Ives. Und aus der "Alten Welt": von Haydn, Mozart, Schubert, Liszt, Mendelssohn, Elgar, Richard Strauss, bis hin zu Debussy, Ravel, Britten und Schostakowitsch erstreckt sich das Spektrum. Reiches Orchesterrepertoire, durchweg mit wilder Leidenschaft dargeboten.

Auf den DVDs erlebt man Bernstein ganz in seinem Element: Musik, die durch den Körper strömt, Pultekstasen, die man nicht vergisst! Unterhaltsam: der Pädagoge Bernstein, der ausgewählte Sinfonien erläutert (CDs 116–121). Eine Offenbarung schließlich: das reich bebilderte, 200-seitige Booklet mit dem berührenden Vorwort von Jamie Bernstein, der Tochter des Dirigenten. Dass auf den CD-Hüllen das Cover-Design der Ersterscheinungen prangt, gehört inzwischen zum Standard solcher Pacht-Editionen, ist aber deshalb nicht minder reizvoll.