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Artikel

18.01.2018
Karl Böhm

Eine Klasse für sich – Sämtliche Opernaufnahmen von Karl Böhm

Er gilt als einer der bedeutendsten Dirigenten des 20. Jahrhunderts. Jetzt veröffentlicht Deutsche Grammophon sämtliche Opernaufnahmen, die der große Karl Böhm für das Gelblabel getätigt hat. Eine wegweisende Ausgabe!

Karl Böhm, Eine Klasse für sich – Sämtliche Opernaufnahmen von Karl Böhm © by UNITEL Karl Böhm © by UNITEL

Karl Böhm war ein unerbittlicher Perfektionist. Der österreichische Dirigent forderte Orchestermusikern und Sängern alles ab. Gefürchtet: seine Proben. Einige davon sind auf Film festgehalten. Hochkonzentriert, eigensinnig und entschlossen, erlebt man den Maestro hier ganz in seinem Element. Eine echte Autorität, respektgebietend und ungeheuer selbstsicher!

Bewundert und gefürchtet: Karl Böhm (1894–1981)

Manch ein Orchestermusiker stöhnte über seine strenge Art. Aber Böhms Resultate nötigten allen – Musikern, Publikum und Kritik – die höchste Bewunderung ab. Unübertroffen: Böhms Gehör. In Dresden machten sie sich einen Spaß daraus, Fehler in ihr Spiel einzubauen. Böhm bemerkte alles. Er identifizierte noch den kleinsten Missklang im Orchester. In akribischer Hinsicht war dem österreichischen Dirigenten nichts vorzumachen. Aber diese Perfektion geschah nicht um ihrer selbst willen.

Böhm litt an unausgegorener Musik, und das trieb ihn an, den Klang immer weiter zu vervollkommnen, bis das bestmögliche Ergebnis erreicht war. Dass sich hinter seinem gebieterischen, für viele Dirigenten seiner Zeit typischen Charakterbild eine hochsensible Künstlerpersönlichkeit verbarg, darüber bestand nie ein Zweifel. Mutet sein überstrenger Stil aus heutiger Sicht auch irritierend an, so war Böhm doch keinesfalls unzugänglich oder gar unfair. Böhm wusste, was er von seinen Künstlern verlangen durfte und was nicht.

Mitatmen – mitfühlen: Die Lust am Gesang

Ein besonderes Gespür besaß er für die stimmlichen Anlagen und Fähigkeiten seiner Sängerinnen und Sänger. Er kannte ihre jeweilige Atemlänge und wusste, wie er ihre individuellen Stärken hervortreibt. "Ich kann mich an Dirigenten erinnern", so Böhm in einem Filmportrait, "die sagten: ‚Sie müssen die Phrase länger singen.‘ Dann sagt der Sänger, und zwar mit Recht: ‚Ja, aber irgendwo muss ich auch atmen.‘" Böhm war davon überzeugt, dass ein Dirigent mit den Sängern mitatmen muss. Der Gesang war nicht abstrakt zu lenken.

Er verlangte persönliche Praxis, Einfühlungsvermögen von einem Dirigenten. Das ist nur ein Grund dafür, warum Böhms Opern- und Vokalaufnahmen, die Deutsche Grammophon jetzt in einer umfassenden Edition auf den Markt bringt, bis heute nichts von ihrer überwältigenden Schönheit und hinreißenden Frische eingebüßt haben. Egal ob er Mozart, Wagner oder Strauss dirigierte, Böhm holte aus den Sängerinnen und Sängern stets alles heraus. Der gesangliche Charme seiner Aufnahmen bleibt einzigartig.

Sängerische Extraklasse: Fritz Wunderlich, Birgit Nilsson, Lisa della Casa 

"Karl Böhm: The Operas – Complete Vocal Recordings on Deutsche Grammophon" umfasst 70 CDs, darunter zahlreiche Klassiker der Aufnahmegeschichte, wie Mozarts "Zauberflöte" mit Fritz Wunderlich, Wagners "Tristan" mit Birgit Nilsson oder Strauss’ "Rosenkavalier", der hier in zwei Einspielungen vorliegt, 1969 mit der großen Mezzosopranistin Christa Ludwig, die Böhm als ihren idealen Mentor ansah.

Dazwischen: etliche Perlen, die erstmals digital erscheinen, sowie zwei Tonträger, auf denen man Karl Böhm eloquent über sein Schaffen reflektieren hört. Eine absolute Kultproduktion ist Alban Bergs "Wozzeck" mit dem Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin. Überwältigend schließlich: Mahlers Kindertotenlieder in der gänsehautträchtigen Interpretation von Fischer-Dieskau und die 1954er-Version der Strauss-Oper "Ariadne aus Naxos":

Hier mit einer glänzend aufgelegten Lisa della Casa in der Titelrolle. Zahlreiche weitere Klassiker säumen die Edition, die auch in der Gestaltung nichts zu wünschen übrig lässt. Die CD-Hüllen locken mit dem Coverdesign der Ersterscheinungen, und das unterhaltsame Booklet wartet mit einem äußerst einfallsreichen Essay des umtriebigen Musikschriftstellers Richard Osborne auf.