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11.01.2018
Diverse Künstler

Voller Glut – Sensationelle Mozart-Aufnahmen von Ferenc Fricsay

"Sein Name ist Legende, sein Nachruhm enorm." (Neue Zürcher Zeitung) Jetzt erscheinen bahnbrechende Mozart-Aufnahmen von Ferenc Fricsay – ein sagenhafter Schatz, der im Archiv des Deutschlandfunks Kultur schlummerte.

Diverse Künstler, Voller Glut – Sensationelle Mozart-Aufnahmen von Ferenc Fricsay © Max Jacoby / DG Ferenc Fricsay

Ferenc Fricsay gehört zu den tragischen Künstlern des 20. Jahrhunderts. Der ungarische Dirigent starb früh, im Alter von nur 48 Jahren. Und als hätte er seinen frühen Tod vorausgeahnt, arbeitete er ohne Unterlass und schuf binnen kürzester Zeit eine ureigene "Ästhetik, die gültig geblieben ist" (Hartmut Lück).

Alles für die Musik: Ferenc Fricsay (1914–1963)  

Dabei fand der 1914 in Budapest geborene Ausnahmedirigent äußerst widrige Bedingungen vor. Hineingeboren in die weltpolitischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, sah sich der Sohn einer jüdischen Mutter früh schon mit dem deutschen und ungarischen Antisemitismus konfrontiert und stand nach dem Zweiten Weltkriegs fassungslos vor den moralischen und physischen Trümmern des Nazi-Regimes. Seiner Leidenschaft für die Musik tat dies keinen Abbruch.

Im Gegenteil: Die Musik bot Trost in jenen Jahren, und daran änderte auch der verheerende Zustand, in dem Fricsay das RIAS-Symphonie-Orchester im Jahre 1948 vorfand, nichts. Als er das Orchester übernahm, waren mit den Musikern nur "zweit- und drittklassige Konzerte" zu bestreiten, so Fricsay rückblickend. Für den passionierten Dirigenten kein Grund zur Resignation, sondern eher Ansporn. Der Ungar gewinnt gut ausgebildete Musiker für das Orchester und formt es binnen weniger Jahre zu einem hochdifferenzierten Klangkörper. 

Voller Glut: Mozarts Fieber

Das Publikum ist begeistert. Die Konzerte des RIAS-Symphonie-Orchesters boomen, und Ferenc Fricsay spürt, dass er diesen einzigartigen, von entfesselter Aufbruchsstimmung durchwirkten Ton festhalten muss. Unermüdlich treibt er das Orchester zu Aufnahmen an. Für den Rundfunk widmet er sich in den Jahren 1951–1954 dem Orchesterwerk Wolfgang Amadeus Mozarts. Fricsay, übrigens ein ausgezeichneter Kenner zeitgenössischer Musik, hält Mozart für "den größten Geist der Musik, der je gelebt hat".

Doch im Gegensatz zu vielen Musikliebhabern sieht er in dem sinnenfrohen Bonvivant nicht den leichtfüßigen Tänzer. Im Gegenteil. Mozart ist für ihn "voll Glut, voll Leidenschaft und in jedem Takt – wenn er wollte – voll Drama". Was dies heißt, demonstrieren jetzt Fricsays hochmoderne Mozart-Aufnahmen für den Rundfunk. Jahrzehntelang schlummerten sie in den Archiven des Deutschlandfunks Kultur. Jetzt werden sie erstmals in remasterter Gestalt dem Klassik-Publikum übergeben.

Absolute Musik: "ein Schimmer Gold" – "ein gewisses Glücksgefühl"

Vier Tonträger umfasst diese Ausgabe, die ohne jede Übertreibung als Sensation gelten kann. So tiefsinnig, so sehnsuchtsgetrieben hat man Mozart selten gehört. Fricsay entdeckt romantische Motive bei dem Wiener Klassiker. Mozart rückt näher an Beethoven heran und ein wenig von Haydn ab. Dabei unterschlägt Fricsay nie das beglückende, erleichternde Moment bei Mozart, der für Fricsay absolute Musik geschaffen hat. Ob in der Auswahl der hier zu hörenden Sinfonien, der kleineren Orchesterwerke oder der als Boni beigefügten Arien:

Stets spürt man, was Fricsay meinte, als er von dem "Schimmer Gold", dem "gewissen Glücksgefühl" sprach, das Mozart stiftet. Deshalb sei diese limitierte Edition allen Liebhabern tiefsinniger Orchestermusik ans Herz gelegt. Das musikalische Erlebnis ist überwältigend, und die beigefügten Mozart-Notate des ungarischen Dirigenten sowie der hochinformative Essay Wolfgang Stährs über Fricsays legendäre Jahre beim RIAS-Symphonie-Orchester bieten zudem Lesegenuss pur.