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11.01.2018
Diverse Künstler

Sinnliche Fülle – Sämtliche Opern- und Choraufnahmen von Eugen Jochum

Er war ein Meister feierlicher Klangpoesie. Jetzt erscheinen sämtliche Opern- und Choraufnahmen, die Eugen Jochum für Deutsche Grammophon getätigt hat, in einer limitierten Edition: Ein reichhaltiges Paket überwältigender Vokalmusik.

Diverse Künstler, Sinnliche Fülle – Sämtliche Opern- und Choraufnahmen von Eugen Jochum © Susesch Bayat Eugen Jochum

Er wollte nie im Vordergrund stehen. Exzentrisches Bühnengehabe lehnte Eugen Jochum kategorisch ab. Der bodenständige Bayer betrachtete sich als Diener der Kunst. "Meine musikalische Begabung", gab er einmal ohne jede Koketterie zu Protokoll, "betrachte ich als Geschenk von oben. Ich möchte, dass sie nie Selbstzweck werde, und ich glaube, dass ich die Aufgabe habe zu dienen – Medium zu sein für die Gedanken der großen Meister, die ihrerseits Gedanken des höchsten Wesens aussprechen."

Wiederentdecktes Genie: Eugen Jochum (1902–1987)

Dass er mit dieser Haltung keine Idealbesetzung des gerade aufkeimenden Medienzeitalters war, ist offensichtlich. Und so verwundert es auch nicht, dass ihm der glamouröse Ruhm eines Herbert von Karajan oder Sir Georg Solti versagt blieb. Seine stille Seriosität und persönliche Nüchternheit hätten ihn fast sogar um sein musikalisches Nachleben gebracht, drohte er doch nach seinem Tod im Jahre 1987 fast vollständig in Vergessenheit zu geraten. Wären da nicht seine Aufnahmen gewesen, die in den Archiven geduldig ihrer Entdeckung harrten.

Durch seine unfassbar vitalen Einspielungen widerfuhr dem Maestro nachträglich Gerechtigkeit, und die Ironie der Geschichte ist, dass er auf diese Weise doch noch zum Medienhelden avancierte. Nicht als Divo freilich, sondern als hochproduktive Künstlergestalt, die medial ein überaus reiches Erbe hinterlassen hat, das den Vergleich mit den Genies des 20. Jahrhunderts nicht zu scheuen braucht. Es ist der mystische, geheimnisumwitterte Ton, der seine Aufnahmen kennzeichnet.

Sinnliche Fülle: Sämtliche Opern- und Choraufnahmen

Jochums sinnlicher, großzügiger Klang, der wie von einer heiligen Aura umgeben strahlt, war schon in seiner 2017 erschienenen Orchester-Box bewundert worden. Jetzt kommt als zweiter Teil seiner "Sämtlichen Aufnahmen für Deutsche Grammophon" die limitierte Edition mit seinen Opern- und Choraufnahmen auf den Markt. Wie kaum anders zu erwarten, fällt sie nicht minder attraktiv aus, zumal Jochum in der geistlichen Chormusik sein Gespür für mystische Stimmungen noch eindrücklicher zur Geltung bringen kann.

Ob man hier an seine legendäre Live-Aufnahme des Mozart-Requiems aus dem Wiener Stephansdom denkt, an die h-Moll-Messe von Bach oder an geistliche Werke von Bruckner, stets gebietet Jochum mit beeindruckender Strenge über seine jeweils ausführenden Künstler und treibt jenen Klang hervor, der sofort Gänsehaut macht. Mit Größen wie Dietrich Fischer-Dieskau oder Plácido Domingo hatte der Maestro aber auch die Crème de la Crème der Sängerelite an Bord, was selbstredend auch für seine Orchester und Chöre galt.    

Hautnahes Portrait: Ein Must-have für das Klassik-Regal

"Eugen Jochum – Complete Recordings on Deutsche Grammophon, Vol. 2: Opera and Choral Works" umfasst 38 CDs, darunter etliche Klassiker der Chor- und Opernmusik. Vollkommen neu in digitaler Gestalt: eine sorgsam remasterte Fassung von Wagners "Lohengrin", die sich mit einem glänzenden Auftritt des jungen Meistertenors Lorenz Fehenberger empfiehlt. Flamboyant: Carl Orffs "Carmina Burana", aufgenommen unter Anwesenheit des Komponisten, mit dem Symphonieorchester und Chor des Bayerischen Rundfunks.

Eine überaus unterhaltsame Beigabe ist Jochums spritzige Orgel-Improvisation über den Cole Porter-Song "I love Paris". Nicht minder kurzweilig nimmt sich Jochums persönliche Deklamation von Passagen aus seiner Autobiographie "Erzähltes Leben – Ein Selbstportrait" aus. Es ist berührend, die Stimme des Dirigenten zu hören. Zusammen mit dem reichhaltigen Booklet, das eine Einführung von Jochums Tochter enthält, und dem originalen Coverdesign der jeweiligen Ersterscheinungen entsteht so ein hautnahes Portrait eines fast vergessenen Genies.