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19.12.2017
Amadeus Quartett

Das Amadeus Quartet: Geistige Brüder und musikalische Seelenverwandte

Vor 70 Jahren wurde das Amadeus-Quartet gegründet. 40 Jahre währte die musikalische Gemeinschaft der vier Musiker und ihre Erfolgsgeschichte berührt bis heute. DG würdigt das Ensemble mit einer Gesamtausgabe seiner Einspielungen. Ein Porträt.

Amadeus Quartett, Das Amadeus Quartet: Geistige Brüder und musikalische Seelenverwandte © All rights reserved Amadeus Quartett

Im schönsten Fall gleicht das Zusammenspiel im Ensemble einer musikalischen Liebesbeziehung: Empfindsam, offenherzig und leidenschaftlich versteht man sich ohne Worte und steht dem anderen kompromisslos und treu zur Seite. Beim Amadeus-Quartet war dies 40 Jahre lang der Fall. Mit seinem außergewöhnlich innigen Zusammenspiel und seinen packenden Einspielungen hat das Ensemble klangvoll Geschichte geschrieben. Nun, 70 Jahre nach seiner Gründung, erscheint bei Deutsche Grammophon eine eindrucksvolle Gesamtschau mit 70 Alben, die die Interpretationsgabe und Ausdruckskraft des legendären Quartets noch einmal neu erfahrbar macht: Ein packendes Erlebnis und ein intensiver Blick in die Streichquartettkultur des vergangenen Jahrhunderts.

Von Flüchtlingen zu Weltstars: Die berührende Geschichte eines Ensembles

In der Geschichte des Amadeus-Quartets spiegelt sich auch ein Stück Weltgeschichte des vergangenen Jahrhunderts. So hatten sich die drei jungen österreichischen Geiger Norbert Brainin, Siegmund Nissel und Peter Schidlof in einem englischen Internierungslager kennengelernt, in das sie als "feindliche Ausländer" eingesperrt worden waren: Drei Musiker unter schwierigsten Lebensumständen, die dem mühseligen Kriegs-Alltag mit ihrer Gabe trotzten und ihr erstes gemeinsames Konzert vor Mit-Internierten gaben. Nachdem sie entlassen worden waren, wurden alle drei Schüler von Max Rostal und lernten wenig später den englischen Cellisten Martin Lovett kennen. Schließlich wechselte Schidlof von der Geige zur Bratsche, die vier Musiker schlossen sich zum Quartett zusammen und gaben bereits am 13. Juli 1947 ihr erstes öffentliches Konzert in der Dartington-Hall. Noch nannten sie sich "Brainin-Quartett", bald darauf jedoch tauften sie sich "Amadeus-Quartet". 1948 traten sie bei einem Konzert in der Wigmore Hall in London erstmals unter diesem Namen auf und starteten eine Erfolgsgeschichte, die bis heute ihresgleichen sucht.

Ausdrucksstark, dicht und intim: Der besondere Klang des Amadeus-Quartet

Die Besetzung des Amadeus-Quartets war von Beginn an außer Diskussion und so wuchsen die vier Musiker, jeder für sich eine Ausnahmebegabung auf seinem Instrument und eine charakterstarke Künstlerpersönlichkeit, ungemein eng zusammen. Dies spiegelt sich bis heute in dem dichten und intimen Klang, den das Ensemble bei seinen Interpretationen erreichte und der von warmer und farbenreicher Schönheit ist. Als würden sie zu einer einzigen kraftvollen Stimme verschmelzen, die agogisch und eindringlich die Phrasen gestaltet, durchdringen die vier Musiker in ihren Einspielungen ein breites Repertoire an Kompositionen für Streichquartett. Darunter finden sich nahezu alle Streichquartette aus Klassik und Romantik, darüber hinaus Werke des 20. Jahrhunderts, zum Beispiel von Benjamin Britten oder Peter Racine Fricker. Zudem ist die Formation auch als Streichquintett sowie als Streichsextett zu erleben, wobei stets Cecil Aronowitz als 2. Bratscher und William Pleeth als 2. Cellist mit dem Amadeus-Quartet zusammen musizierten. 

Das Ende einer 40-jährigen Gemeinschaft

Als am 15. August 1987 Peter Schidlof starb, stand außer Frage, dass sein Tod auch das Ende des Quartets bedeutete. Mittlerweile sind auch Siegmund Nissel und Norbert Brainin verstorben und der Cellist Martin Lovett somit das einzige noch lebende Gründungsmitglied des Ensembles. Im Booklet zur Edition bei Deutsche Grammophon schreibt Lovett: "Es gibt da dieses Bonmot über die Definition eines Streichquartetts. Demnach möchte die erste Geige eigentlich lieber ein Solist sein, die zweite Geige möchte die erste Geige spielen, der Bratscher möchte lieber Geige spielen und der Cellist hasst sie alle. Nun – ich habe die anderen nicht gehasst, ich habe sie geliebt. Wir waren wie Brüder. Und als das einzige noch lebende Mitglied, habe ich nun keine Brüder mehr."

Was überdauert, ist das berührende Spiel eines der größten Streichquartette des 20. Jahrhunderts. Auf den insgesamt 70 Alben der Edition wird es neu zum Leben erweckt.