Klassik Newsletter

Sie wollen immer aktuell informiert sein? Unser Newsletterservice versorgt Sie wöchentlich mit allem zum Thema klassische Musik.

OK

Nichts verpassen

Nutzen Sie KlassikAkzente Online auch wenn Sie nicht auf unserer Seite sind:
Social Networks:

Artikel

26.10.2017

Gregory Porter entpuppt sich als Crooner vom Schlage Nat King Coles

Auf seinem dritten Blue-Note-Album "Nat King Cole & Me" zollt Gregory Porter sehr liebevoll und einfühlsam seinem größten musikalischen Vorbild Tribut.

Gregory Porter, Gregory Porter entpuppt sich als Crooner vom Schlage Nat King Coles Erik Umphery Gregory Porter 2017

"Wohl jeder Künstler", meint Gregory Porter, "klammert sich erst einmal an ein Vorbild, bevor er anfängt eine eigene Stimme zu entwickeln und sich aus seiner Komfortzone herauszutrauen."  Und so natürlich wie es für einen Künstler ist, sich an einem gewissen Punkt in seiner Karriere von seinen Vorbildern zu lösen, so natürlich ist es auch, irgendwann wieder zu ihnen zurückzukehren. Seine eigene musikalische Persönlichkeit hat Gregory Porter dem Publikum in den letzten sechs Jahren auf vier Studioalben mit größtenteils selbst geschriebenen Songs sehr eindrucksvoll vorgestellt. Die ersten beiden waren für Grammys nominiert, die anderen beiden wurden 2014 ("Liquid Spirit") und Anfang dieses Jahres ("Take Me To The Alley") mit der begehrten Trophäe ausgezeichnet. Nachdem er sich nun also als eigenständiger Künstler etablieren konnte, hält Porter die Zeit für gekommen, seinem großen Vorbild auf dem Album "Nat King Cole & Me" endlich gebührend Tribut zu zollen. "Ich denke, es ist nur natürlich, dass ich zu den Quellen meiner Inspiration und zu meinen Ursprüngen zurückkehre", begründet Porter die Hommage. "Und diese Quellen waren meine Mutter und Gospelmusik und Nat King Cole."

Wobei die Erinnerungen an seine vor rund 25 Jahren verstorbene Mutter und Nat King Cole sehr eng miteinander verflochten sind. "Meine Mutter hat mir erzählt, dass ich, als ich fünf Jahre alt war, einen kleinen Song geschrieben hatte", erinnert sich Gregory Porter. "Ich nahm das Lied auf Kassette auf und spielte es ihr vor, als sie von der Arbeit nach Hause kam." Nachdem sie den Song gehört hatte, rief Ruth Porter begeistert aus: "Junge, du klingst wie Nat King Cole!" Das Kompliment seiner Mutter machte den kleinen Gregory so neugierig, dass er sofort ihre Plattensammlung nach sämtlichen Aufnahmen von Nat King Cole durchforstete. Dort stieß er dann auf Songs wie "Pick Yourself Up" und "Smile", die ihn geradezu persönlich anzusprechen schienen. In seiner kindlichen Phantasie betrachtete Porter, der mit seinen Geschwistern von der Mutter alleine aufgezogen wurde, den Sänger und Pianisten gar als eine Art Vaterersatz.

Etwas von dem unverwüstlichen Optimismus und den Lebensweisheiten, die Nat King Cole ihm damals über seine Songs vermittelt hatte, möchte Gregory Porter nun durch "Nat King Cole & Me" auch an jüngere Generationen und nicht zuletzt seinen eigenen, noch kleinen Sohn weitergeben. Begleitet von einem Klavier-Trio, dem London Studio Orchestra unter der Leitung des Spitzenarrangeurs Vince Mendoza und Gästen wie Trompeter Terence Blanchard, unterzieht Porter einige von Coles meistgeschätzten Klassikern (u.a. "Mona Lisa", "Smile", "Pick Yourself Up", "Quizas, Quizas, Quizas" und "Nature Boy"), aber auch den von ihm selbst verfassten Song "When Love Was King" einer behutsamen Revision. "Die Auswahl der Songs nahm ich wie immer auf emotionale Weise vor", sagt Porter. "Ich trug all die Lieder zusammen, die mir im Laufe der Jahre etwas bedeutet hatten... Nats Musik vermittelt mir Familiarität und hat eine beruhigende Wirkung auf mich. Sie aufzunehmen war mir ein persönliches Bedürfnis."

Gregory Porter ist natürlich nicht der erste Künstler, der Nat King Cole Tribut gezollt hat. Und er wird sicherlich auch nicht der letzte sein. Aber eine so spürbar persönliche und emotionale Hommage an den legendären Crooner war bislang nur dessen Tochter Natalie Cole gelungen, die 1992 für das Album "Unforgettable... With Love" drei Grammys erhielt. Die Sängerin hatte damals mit einem posthumen Duett besondere Aufmerksamkeit erregt. Gregory Porter, der mit einer ähnlich samtigen Baritonstimme wie Nat King Cole gesegnet ist, verzichtet hier wohlweislich auf solche Gimmicks. Unter die Haut gehen seine einfühlsamen Interpretationen nämlich auch so.