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17.08.2017
Nikolaus Harnoncourt

11 Fakten über Dirigenten: Nikolaus Harnoncourt

In der sechsten Folge unserer redaktionellen Reihe "11 Fakten über Dirigenten" beschäftigen wir uns mit dem Leben und Wirken Nikolaus Harnoncourts.

Nikolaus Harnoncourt, 11 Fakten über Dirigenten: Nikolaus Harnoncourt © UNITEL Nikolaus Harnoncourt

Die ersten fünf Folgen unserer Serie "11 Fakten über Dirigenten" bestritten wir mit folgenden schillernden Künstlerpersönlichkeiten: Leonard Bernstein, Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Wilhelm Furtwängler und Pierre Boulez. Heute widmen wir uns dem Schaffen eines zutiefst rebellischen Dirigenten, der als Vorreiter der historischen Aufführungspraxis Musikgeschichte geschrieben hat: Nikolaus Harnoncourt.

  1. Nikolaus Harnoncourt kam am 6. Dezember 1929 in Berlin als Spross einer weitverzweigten Adelsfamilie zur Welt. Väterlicherseits entstammte er einem luxemburgisch-lothringischen, mütterlicherseits einem österreichischen Grafengeschlecht. Sein vollständiger Name, den er in dieser Form jedoch nicht führte, lautet: Johann Nicolaus Graf de la Fontaine und d’Harnoncourt-Unverzagt.
  2. Nikolaus Harnoncourt wuchs in Graz auf. 1948 ging er zum Cellostudium nach Wien und erhielt dort Unterricht bei Emanuel Brabec, einem begehrten Hochschullehrer, der als erster Cellist der Wiener Philharmoniker und Mitglied des Barylli-Quartetts hohes Ansehen genoss. Durch die Begegnung mit Größen wie Eduard Melkus (Geiger, Bratschist) und Josef Mertin (Organist, Sänger) rückten ihm die Alte Musik und die Idee der originalgetreuen Darbietung näher. Josef Mertin gilt als ein früher Wegbereiter der historischen Aufführungspraxis.
  3. Während seiner musikalischen Lehrjahre lernte er die Geigerin Alice Hoffelner kennen, die er im Jahre 1953 heiratete. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor, die in der Mehrzahl ebenfalls den Künstlerberuf ergriffen: Elisabeth von Magnus (Mezzosopranistin), Philipp Harnoncourt (Regisseur und Dramatiker), Eberhard Harnoncourt (Schauspieler) und Franz Harnoncourt (Arzt). 
  4. Ebenfalls 1953 gründete Nikolaus Harnoncourt den Concentus Musicus Wien, ein Instrumental-Ensemble, das sich der Alten Musik verschreiben und der historischen Aufführungspraxis maßgebliche Impulse geben sollte. Harnoncourt leitete das Ensemble, dem auch seine Frau angehörte, vom Cello aus.
  5. Seine Dirigentenlaufbahn startete Nikolaus Harnoncourt in den 1970er Jahren. Als sein Debut gilt ein Auftritt im Jahre 1972 an der Mailänder Scala, wo er MonteverdisIl ritorno d’Ulisse in patria“ dirigierte. In den Folgejahrzehnten erwarb er sich den Ruf eines wegweisenden Neuerers am Pult, der just mit seiner geschichtlichen Sensibilität unser modernes Hörgefühl maßgeblich geprägt hat.
  6. Der renommierte Musikkritiker Christian Wildhagen hält Nikolaus Harnoncourt für den einflussreichsten Dirigenten seit '45. Harnoncourt habe, so Wildhagen, unser "Stilbewusstsein und die Rezeption der Musik von der Renaissance bis in die Romantik stärker beeinflusst und auf die Dauer verändert als jeder andere Dirigent nach dem Zweiten Weltkrieg".
  7. Nikolaus Harnoncourt dirigierte ohne Taktstock.
  8. Nikolaus Harnoncourt arbeitete gern mit exzentrischen, mindestens eigenwilligen Pianisten zusammen, darunter das österreichische Genie und Enfant terrible des Klassikbetriebs, Friedrich Gulda, der junge Wilde Lang Lang und der Mitbegründer des Jazzrock Chick Corea.
  9. Nikolaus Harnoncourt soll einmal über Herbert von Karajan gesagt haben, dass er "ein guter Porschefahrer" gewesen sei. Das Verhältnis der beiden Giganten galt als gespannt. Harnoncourt war in seinen jungen Jahren unter Karajan Cellist bei den Wiener Symphonikern. Als Orchestermusiker plagte ihn oft das Gefühl, die Dirigenten hätten kein Konzept während er selbst glaubte, in der Position anders vorzugehen.
  10. Als Hobby pflegte Nikolaus Harnoncourt die Holzbildhauerei. Seinen Kindern schnitzte der bekennende Katholik, der in St. Georgen regelmäßig die Sonntagsmesse besucht haben soll, zur Heirat Kruzifixe.
  11. Nikolaus Harnoncourt starb am 5. März 2016 im Kreis seiner Familie in St. Georgen im Attergau. Dort liegt der große Künstler auf einem kleinen Friedhof begraben.