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24.05.2017

Gitarrist der Extraklasse – Sämtliche Solo-Aufnahmen von Narciso Yepes

Narciso Yepes war einer der imponierendsten Gitarren-Virtuosen des 20. Jahrhunderts. Jetzt erscheinen seine gefeierten Solo-Aufnahmen für Deutsche Grammophon in einer attraktiven Gesamtedition.

Narciso Yepes, Gitarrist der Extraklasse – Sämtliche Solo-Aufnahmen von Narciso Yepes © Clive Barda / DG Narciso Yepes

Narciso Yepes war ein Mann der leisen Töne. Obgleich von bestechender Virtuosität, hat der spanische Ausnahmegittarist nie einen Starkult um sich gemacht.

 Feinsinniger Künstler: Narciso Yepes (1927–1997)

Dabei hätte er allen Grund gehabt, sich für etwas Besseres zu halten. Aber Yepes wollte einzig und allein durch sein Gitarrenspiel beeindrucken. Ihm widmete der 1927 im Südosten Spaniens nahe Lorca geborene Musiker sein Leben. Unermüdlich übte er Gitarre, ließ keine Zeit verstreichen, die nicht seinem Instrument geweiht war, und erarbeitete sich im Laufe der Jahrzehnte ein beeindruckend reichhaltiges Repertoire. Yepes war mit bedeutenden Komponisten des 20. Jahrhunderts bekannt.

Genies wie Leo Brouwer, Ernesto Halffter oder Joaquín Rodrigo komponierten Werke für den spanischen Gitarristen. Dadurch besaß Yepes eine intime Nähe zum Repertoire des 20. Jahrhunderts, dessen poetische Qualität er mit seinem feinfühligen Spiel eindrucksvoll zur Geltung brachte. Als Liebhaber der Tradition grub sich Narciso Yepes aber auch weit in die Geschichte zurück, interpretierte bekannte und unbekannte Größen der Renaissance und des Barock und drang tief in die sich rasant entwickelnden Klangwelten des 18. und 19. Jahrhunderts ein.    

Beeindruckendes Repertoire: Von der Renaissance bis ins 20. Jahrhundert

Addiert man hierzu noch seine eigenen Kompositionen für den Film, sein Interesse am Flamenco und anderen musikalischen Erscheinungen seiner spanischen Heimat, dann ergibt sich ein erstaunlich breites Interessengebiet. Narciso Yepes hat keine Klangnuance ausgelassen, die sich auf der klassischen Gitarre realisieren lässt. Sein zehnsaitiges Instrument, das er gemeinsam mit dem renommierten Gitarrenbauer José Ramírez entwickelte und seit 1964 spielte, bot ihm zusätzliche Möglichkeiten der Virtuosität und Klangerweiterung.

Entsprechend vielfarbig sind seine Aufnahmen. Jede einzelne von ihnen ist ein unvergessliches Hör-Erlebnis. Konsumiert man sie jedoch in der Summe, dann breitet sich eine Farbenpracht aus, die schier überwältigend ist. Wer in diesen ästhetischen Hochgenuss kommen möchte, dem bietet sich jetzt eine ausgezeichnete Gelegenheit. Deutsche Grammophon hat soeben eine Edition auf den Markt gebracht, die erstmals sämtliche Solo-Aufnahmen zusammenführt, die Narciso Yepes für das Gelblabel getätigt hat.    

Unterhaltsames Booklet: Abgerundete Gesamtausgabe

 "Narciso Yepes: The Complete Solo Recordings on Deutsche Grammphon" umfasst 20 CDs, darunter etliche Aufnahmen, die erstmals in digitaler Gestalt erscheinen. So zum Beispiel Yepes' gestochen scharfe Lauten-Interpretation von Bachs Präludium, Fuge und Allegro in Es-Dur (BWV 998), Mauro Giulianis sanft und fließend vorgetragene Sonatine in D-Dur (op. 71, Nr. 3) sowie Francisco Tárregas melancholisch anmutendes Prelude in d-Moll. Daneben: Die ganze Fülle der brillanten Yepesschen Gitarrenkunst während der Jahre 1967 bis 1989, mit Repertoire aus mehr als fünf Jahrhunderten. Über 50 Komponisten bietet diese Edition auf!

Damit bezeugt sie nicht nur das beeindruckend vielfältige Gitarrenspiel von Narciso Yepes, sondern bietet darüber hinaus auch einen ausgezeichneten Überblick über die klassische Gitarrenliteratur insgesamt. Daran finden auch Laien, die sich gerade erst mit Gitarrenmusik zu beschäftigen beginnen, ihre Freude, zumal das unterhaltsame Booklet mit dem glänzenden Essay von Gitarrenspezialist Graham Wade einen leichten Einstieg in die Materie ermöglicht. Ergreifend überdies: die Fotos des Gitarristen, die seinen künstlerischen Ernst einfangen. Ein grafischer Genuss: die CD-Hüllen, die den Covern der Ersterscheinungen nachempfunden sind.