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Artikel

07.03.2017
Andris Nelsons

Biografie

Sorgfältigste Vorbereitung, elektrisierende Orchesterleitung und Aufführungen, die direkt vom Herzen kommen, diese Merkmale zeichnen Andris Nelsons’ Kunst besonders aus. Der lettische Dirigent ist Musikdirektor des Boston Symphony Orchestra und designierter Kapellmeister des Gewandhausorchesters Leipzig.

Nelsons tritt sein neues Amt in Leipzig im Februar 2018 an und krönt damit ein Jahrzehnt, in dem er zu einem der überragenden klassischen Dirigenten gereift ist. "Jedes Mal, wenn ich ihn dirigieren sah – in Boston, Tanglewood, New York und Bayreuth –, hat er ein Feuerwerk entfacht", schrieb The New Yorker im Dezember 2014. "Nelsons trifft den ganzen Körper. Der Klang erschüttert nicht nur die Ohren, er verschlingt einen vollständig."

Nelsons’ Erfolg zeigt sich nicht nur im Lob der Kritiker und dem Beifall des Publikums, sondern auch besonders darin, wie schnell er enge, produktive Beziehungen mit erfahrenen Orchestermusikern aufbauen kann. Bei ihrer ersten Zusammenarbeit im März 2011 schuf er sofort eine Verbindung mit dem Boston Symphony Orchester, eine wechselseitige Zuneigung, die in den nächsten beiden Spielzeiten durch Aufführungen beim Tanglewood Festival und in der Symphony Hall in Boston noch zunahm. Er wurde zum 15. Musikdirektor des Orchesters ernannt, seine Amtszeit begann mit der Spielzeit 2014/15 und nach nur einem Jahr wurde sein Vertrag bis zur Spielzeit 2021/22 verlängert. Seither hat er zwei Europatourneen mit dem Orchester unternommen, wobei eine davon im Mai 2016 neun Konzerte in acht Städten umfasste.

Die Partnerschaft des Dirigenten mit dem Gewandhausorchester begann 2011. Nach einem erfolgreichen Debüt-Konzert folgten regelmäßige Auftritte als Gastdirigent, darunter auch das prestigeträchtige Silvesterkonzert 2016 mit Beethovens Neunter Symphonie. Mit Nelsons’ im September 2015 bekanntgegebener Berufung als nächster Gewandhauskapellmeister kündigte sich eine "zukunftsweisende Kooperation" des Gewandhausorchesters mit dem Boston Symphony Orchestra an, die gemeinsame Kompositionsaufträge und pädagogische Initiativen sowie gemeinschaftliche und einander ergänzende Spielplangestaltung umfasst. Nelsons wird den kulturellen Austausch zwischen den beiden Institutionen leiten und mit ihnen häufige transatlantische Konzertreisen unternehmen, bei denen die Musiker des BSO im Gewandhaus und ihre deutschen Kollegen in der Symphony Hall auftreten können. Er sieht die neue Partnerschaft als "eine einzigartige Möglichkeit, die großen musikalischen Traditionen dieser Orchester zu erkunden und für Zuhörer in der ganzen Welt spannende und bedeutsame neue Erfahrungen zu schaffen."

Andris Nelsons arbeitet zudem regelmäßig mit den Wiener Philharmonikern, den Berliner Philharmonikern, dem Concertgebouworkest und dem Philharmonia Orchestra. Seit 2009 gastiert er an der Metropolitan Opera, und im Dezember 2016 kehrte er zum Covent Garden in London zurück, um die Neuinszenierung von Der Rosenkavalier am Royal Opera House zu dirigieren. The Guardian (London) rühmte seine Fähigkeit, "hervorragendes Orchesterspiel« zu inspirieren, das sich durch »ungeheuren Schwung" und "zarteste Feinheit" auszeichnete. Kommende Höhepunkte sind Aufführungen von Mahlers Dritter Symphonie in Boston mit dem BSO und Susan Graham im Januar 2018; eine Reihe von Konzerten mit dem Gewandhausorchester in Leipzig und auf Europatournee im Frühjahr; Beethovens Neunte Symphonie mit den Wiener Philharmonikern in Wien im Mai; und Lohengrin am Covent Garden im Juni.

Im Mai 2016 unterzeichnete der Dirigent einen Exklusivvertrag mit Deutsche Grammophon, der den Weg bereitete für drei bedeutende Projekte mit dem BSO, dem Gewandhausorchester und den Wiener Philharmonikern:

Nelsons und das BSO nehmen sämtliche Symphonien von Schostakowitsch und die Oper Lady Macbeth von Mzensk auf. Das erste Album – das als Teil der Serie Shostakovich Under Stalin’s Shadow erschien – war eine Liveaufnahme der Symphonie Nr. 10, die im Februar 2016 den Grammy in der Kategorie "Beste Orchesteraufführung" erhielt. Auf dem nächsten Album, das im Mai 2016 herauskam, sind auf 2 CDs die Symphonien Nr. 5, 8 und 9 des russischen Komponisten sowie die Suite aus Hamlet versammelt. Es erhielt 2017 den zweiten Grammy der Serie, wiederum als "Beste Orchesteraufführung", und wurde von der Sunday Times (London) für die "großartigen Aufführungen eines Dirigenten und eines Orchesters auf der Höhe ihrer Kunst" gepriesen.

Nelsons nimmt zudem die Symphonien von Anton Bruckner mit dem Gewandhausorchester auf. Das Projekt startete im Mai 2017 unter dem Beifall der Kritik mit der Veröffentlichung der Symphonie Nr. 3 des österreichischen Komponisten. Gramophone rühmte Nelsons’ Arbeit: "Als Bruckner-Interpret ist er direkt, umsichtig und raumgreifend, er leitete die Aufführung mit sicherer Hand und Zielstrebigkeit, hielt sich aber auch sorgfältig an die Anweisungen zu Tempi und Dynamik." Die zweite Veröffentlichung dieser Reihe koppelt Bruckners Symphonie Nr. 4 mit dem Vorspiel zu Wagners Lohengrin, Erscheinungsdatum ist Februar 2018.

Darüber hinaus hat Nelsons bereits die Arbeit an der Aufnahme sämtlicher Beethoven-Symphonien bis 2019 mit den Wiener Philharmonikern begonnen. 2020 wird er anlässlich von Beethovens 250. Geburtstag mit dem Orchester alle neun Symphonien in Wien aufführen. Nelson hat auch mit Unitel GmbH einen audiovisuellen Exklusivvertrag.

Andris Nelsons wurde als Spross einer musikalischen Familie 1978 in Riga geboren. Er hatte als Kind Klavierunterricht und machte später rasche Fortschritte als Trompeter. Schon als Teenager trat er mit dem Orchester der Lettischen Nationaloper auf und gewann Einblick in den professionellen Orchesterbetrieb. Frühe Erfahrungen als Dirigent erwarb er unter Anleitung von Mariss Jansons, der sein Lehrer und Mentor wurde. Mit 21 Jahren dirigierte Nelsons erstmals an der Lettischen Nationaloper, zwei Jahre später wurde er deren Musikdirektor.

Die visionären Aufführungen von deutscher und slawischer Musik, die der junge Dirigent in Lettland und als Chefdirigent der Nordwestdeutschen Philharmonie leitete, blieben auch in Großbritannien nicht unbemerkt und führten zu seiner Berufung als Musikdirektor des City of Birmingham Symphony Orchestra (2008–15). "In sieben Jahren wurde aus dem kaum bekannten Andris Nelsons ein Held", bemerkte The Times (London) am Ende seiner Amtszeit. "In dieser Zeit kam Birmingham in den Genuss von so manchem sensationellen Konzerterlebnis."

Jetzt freut sich Nelsons auf seinen neuen Posten in Leipzig. In einem Interview mit der New York Times nannte er seine Ernennung "eine außerordentliche Verantwortung, eine außerordentliche Freude und eine große Ehre". Und er fügte hinzu, mit dem Bostoner und dem Leipziger Orchester werde er sich ganz seiner Pflicht widmen, "die musikalische Qualität zu erhalten, neue Werke zu fördern, ein breiteres Publikum zu gewinnen und die nächste Generation von Zuhörern heranzuziehen".

11/2017