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06.10.2016
Lucie Horsch

Unverblümte Spielfreude - Lucie Horsch präsentiert ein lebhaftes Debüt bei Decca

Die junge niederländische Blockflötistin hat sich für ihr Debütalbum auf Werke von Antonio Vivaldi konzentriert und bringt dabei alle Facetten ihres Instruments zur Geltung.

Lucie Horsch, Unverblümte Spielfreude - Lucie Horsch präsentiert ein lebhaftes Debüt bei Decca ©Decca / Dana Van Leeuwen Lucie Horsch

Lucie Horsch braucht nur wenige Sekunden, um die Blockflöte von ihrem Image als Schülerinstrument zu befreien. Wie ein gutes Buch, dass einen ab der ersten Zeile fesselt, zieht das Album die Ohren mit Vivaldis "Concerto in G-Dur für Flautino und Streichersofort in seinen Bann und man wird unweigerlich vom musikalischen Erzählwillen der jungen Solistin gefesselt. In Antonio Vivaldis Musik hat Lucie Horsch den perfekten Stoff dafür gefunden, um ihre ungekünstelte Spielfreude auszudrücken. Ihre Interpretationen sind expressiv und kurzweilig, technisch perfekt und gespickt mit gestalterischem Erfindungsreichtum - wer die Blockflöte bisher nur aus Schülervorspielen kannte, wird mit diesem Album sein blaues Wunder erleben.

Abwechslungsreich und glaubwürdig

Vivaldi hat viele seiner Werke für begabte junge Musikerinnen aus dem venezianischen Waisenhaus "Ospedale della Pietà" komponiert, die sich begeistert auf seine Musik stürzten, kaum dass sie fertig war. Diese mitreißende Unbefangenheit durchdringt auch die Aufnahmen von Lucie Horsch. 14 Konzerte für Traversflöte und fünf Konzerte für Blockflöte hat Antonio Vivaldi hinterlassen. Vier Flötenkonzerte sowie raffinierte Arrangements verschiedener anderer Stücke hat Lucie Horsch für ihr Album ausgewählt. In den Konzerten und "La tempesta di mare" RV 433 und  "La notte" RV 439 kommt die programmatische Bildhaftigkeit von Vivaldis musikalischer Sprache besonders lebendig zum Ausdruck. Dabei zeigt sich: Flöte ist nicht gleich Flöte. In "La notte" kreiert Lucie Horsch mit der Altflöte eine angemessen düstere Atmosphäre, für die Arrangements des "Cum dederit" aus Vivaldis "Nisi dominus" und der Arie "Vedro con mio diletto" aus Vivaldis Oper "Giustino" hat sie die Sopran- und die Tenorflöte ausgewählt und gestaltet damit wunderbar gesangliche Bögen, die die Beweglichkeit der menschlichen Stimme nachempfinden.

Im Andante aus dem Concerto in D-Dur RV 532, das Vivaldi ursprünglich für zwei Mandolinen gedacht hat, übernimmt Lucie Horschs Vater und Solocellist des Royal Concertgebouw Orchestra, Gregor Horsch, die zweite Stimme.

Musikalische Begeisterungsfähigkeit

Lucie Horschs virtuose Eskapaden mit Vibrato, Flatterzunge und Permanentatmung erinnern mitunter an die munteren Kapriolen eines Kolibris, der sich überschwänglich in den Himmel schraubt. Über 500 Fingersätze bietet die Blockflöte - damit kann sich Lucie Horsch im Dschungel von Vivaldis Arpeggien nach Herzenslust austoben.

Das Streicherensemble der "Amsterdam Vivaldi Players" zeigt unter der Leitung der britischen Geigerin Candida Thompson viel kammermusikalische Feinsinnigkeit und begleitet Lucie Horschs filigranes Spiel mit sattem, warmen Klang und vielfarbigem Ausdruck in historisch authentischer Tradition auf Darmsaiten.

Ein echtes Highlight ist auch Lucie Horschs Interpretation von Vivaldis "Frühling" aus den beliebten Violinkonzerten "Die Vier Jahreszeiten". Gänzlich ohne jegliche Begleitung spielt die junge Flötistin das virtuose Arrangement von Jean-Jacques Rousseau aus dem Jahr 1775 und beweist damit einmal mehr ihre selbstbewusste und aufrichtige Begeisterung für ihr Instrument, dem sie Töne entlocken kann, die man - viel zu voreilig - vermutlich nicht für möglich gehalten hätte. So wird das Album noch dazu ganz nebenbei zu einer echten musikalischen Horizonterweiterung.