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06.10.2016

Slawisches Musikantentum in leuchtenden Farben - Jiří Bělohlávek dirigiert Dvořáks tänzerische Schmuckstücke

Jiří Bělohlávek bringt mit der Tschechischen Philharmonie die "Slawischen Tänze" von Antonín Dvořák zum Blühen.

Jiri Belohlavek, Slawisches Musikantentum in leuchtenden Farben - Jiří Bělohlávek dirigiert Dvořáks tänzerische Schmuckstücke © Decca Jiří Bělohlávek

Wie kaum ein anderes Werk stehen die "Slawischen Tänze" von Antonín Dvořák für die sinnliche und lebensfrohe Musikalität der slawischen Nationen. Gleich einem bunt leuchtenden Kosmos finden sich in ihnen verschiedenste Stimmungsmomente und Gefühlsbilder wider und erzählen sie mal humorvoll, mal mit leichter Melancholie von der mitreißenden Kraft der Musik. In einer bemerkenswerten neuen Einspielung hat sich die Tschechische Philharmonie unter der Leitung von Jiří Bělohlávek nun diesem Meisterwerk Dvořáks angenommen und die zwei Reihen von jeweils acht Tänzen idealtypisch und mitreißend in Szene gesetzt.

Kreative Meisterwerke Antonín Dvořáks

Die Entstehung der beiden jeweils achtteiligen Reihen von Slawischen Tänzen ist eng verknüpft mit der Beziehung zwischen Antonín Dvořák und dem Berliner Musikverleger Fritz Simrock, der – angeregt durch Brahms' ungarische Tänze – 1878 bei Dvořák anfragte, ob dieser nicht Lust hätte, ebenfalls eine Reihe effektvoller Tänze zu komponieren. Bei Dvořák fiel diese Anregung auf überaus fruchtbaren Boden, zumal er sich nach seiner Abkehr von der Neudeutschen Schule ohnehin immer stärker folkloristischen Elementen zugewandt hatte. So entstanden in Folge die ersten acht slawischen Tänze des Opus 46, in denen Dvořák spritzig, kreativ und stimmungsvoll mit den unterschiedlichen Charakteristika slawischer Tänze spielte. Mal nahm er einen böhmischen Ländler als Grundlage, mal eine ukrainische Dumka, mal verwendete er Elemente des böhmischen Furiants, mal setzte er furios zum Springtanz an. Dabei gelang es ihm, die ureigenen Färbungen der slawischen Mentalität mit feiner Poesie und schwelgerischer Brillanz in Musik zu übersetzen und mit seinen Slawischen Tänzen mal melodietrunkene, mal perkussiv auftrumpfende Stimmungsbilder zu schaffen. Acht Jahre später knüpfte Antonín Dvořák an diese Meisterleistung an und verpflichtet sich gegenüber Simrock, weitere acht Tänze zu schreiben. Gleichwohl: Anfangs schien dies schwieriger als erwartet. "Zweimal etwas gleiches zu machen ist verdammt schwer" schrieb Dvořák  an seinen Verleger, der wollte, dass die neuen Kompositionen "klingen wie der Teufel". Sein Wunsch wurde erfüllt und Dvořák krönte mit seinem Opus 72 meisterhaft die tänzerische Reihe. "Ich glaube, diese sind ganz anders (kein Spaß und keine Ironie)" schrieb Dvořák zu seiner zweiten Reihe der Slawischen Tänze. Und in der Tat: Ist die erste Reihe geprägt von stampfender Spielfreude und effektvoller Melodik, so zeigt sich Dvořák in der zweiten von einer melancholischeren, mitunter nostalgischen Seite, die klangvoll zum Tragen kommt.

Vital, packend und urmusikantisch

Kaum ein Orchester könnte für die Einspielung dieser sinnesfreudigen Schöpfungen besser geeignet sein als die Tschechische Philharmonie unter der Leitung von Jiří Bělohlávek. Das Ensemble widmet sich dem furiosen Werk ihres Landmanns Antonín Dvořák mit mitreißender Lebendigkeit und Passion und zeigt in seiner Interpretation den ganzen melodischen wie harmonischen und rhythmischen Reichtum der Slawischen Tänze auf. Vital, packend und urmusikantisch kommen die tänzerischen Schmuckstücke daher und entwickeln getragen vom dichten Orchestersound der Philharmonie ihre ganz eigene Dynamik. Dabei gelingt es dem Orchester auf faszinierende Art und Weise, die Gratwanderung zwischen direkter, schwelgerischer Sinnlichkeit und fein kommentierender, mitunter ironisch verschmitzter Ausdeutung zu meistern. Ein eindrucksvolles Klangerlebnis und ein begeisterndes Zeugnis slawischer Musikalität.