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07.09.2016
Fritz Wunderlich

Ein hinreißend moderner Tenor – 50 Hits von Fritz Wunderlich

Er liebte das romantische Kunstlied ebenso wie herzerfrischende Schlager. Jetzt veröffentlicht Deutsche Grammophon zum 50. Todestag von Fritz Wunderlich ein breitgefächertes Best of des unvergessenen Sängers.

Fritz Wunderlich, Ein hinreißend moderner Tenor – 50 Hits von Fritz Wunderlich © DG Fritz Wunderlich

Das Singen war ihm in die Wiege gelegt. Ob Oper oder Operette, ob Kunstlied oder Schlager, ob geistliche oder weltliche Musik – Fritz Wunderlich eignete es sich an und verwandelte es in Gold. Legendär ist seine magische Verbindung zum Publikum. "Von seinen Gefühlen führte", so Startenor Jonas Kaufmann, "immer eine direkte Verbindung zu den Gefühlen des Zuhörers. Selbst seichte Musik und unmögliche Texte klingen bei ihm so, als wären sie das Schönste von der Welt."

Es gab nichts, was er auf dem Feld der Gesangskunst nicht konnte, und seine Neugierde war, wie Zeitzeugen und Freunde übereinstimmend berichten, unstillbar. Dabei zog er auch, wie man seinen Aufnahmen bis heute anmerkt, zarte Verbindungslinien zwischen den höchst unterschiedlichen Genres. Dem Schlager haftet bei Wunderlich etwas durchaus Ernstes an, und im romantischen Kunstlied ist der Witz, das charmante Augenzwinkern nicht zu überhören, das der bodenständige Pfälzer einem Schubert oder Schumann in manchen Passagen abringen konnte.

Highlights eines Jahrhunderttenors: Parforceritt durch das Gesamtwerk

Wer einen komprimierten Überblick über das Schaffen des allseits beliebten Tenors bevorzugt, der kann jetzt auf ein Doppel-Album mit 50 Hits zurückgreifen, das anlässlich seines 50. Todestages parallel zu der edlen Gesamtausgabe "Fritz Wunderlich – Sämtliche Studioaufnahmen für Deutsche Grammophon" erscheint. "Fritz Wunderlich – The 50 Greatest Tracks" ist dabei aber alles andere als ein bunt zusammengewürfeltes Best of des Sängers.

Das Doppel-Album hat vielmehr eine persönliche Note, vereint es doch die Lieblingsstücke der Witwe des Sängers. "Es war atemberaubend", so Eva Wunderlich im Beiheft zum Album, "all seine Highlights so komprimiert komplett durchzuhören." Die feinsinnige Harfenistin, die ihren Mann durch einen Unfall am 17. September 1966 verlor, hat mit ihrer Auswahl einen Parforceritt durch das Gesamtwerk des Sängers unternommen und sein Können von mehreren Seiten beleuchtet.         

Natürlicher Charme: Wunderlichs Gesangskunst

Die Hörerinnen und Hörer bekommen Fritz Wunderlich hier in seiner vielfältigen Begabung als Opern- und Operettensänger, als Schlagerinterpreten und als unübertroffenen Meistertenor geistlicher Werke und romantischer Kunstlieder zu hören. Das Spektrum ist enorm, und die Auswahl offenbart bei aller Vielfalt eine erstaunliche Kontinuität. Denn gleich, ob Wunderlich "Dies Bildnis ist bezaubernd schön" aus Mozarts Zauberflöte, Bachs "Ich will bei meinem Jesu wachen" oder Spolianskys "Heute Nacht oder nie" singt, es ist immer wieder dieser natürliche, unverkrampfte Charme, der den Hörer sofort in Bann schlägt und sich durch alle Genres zieht.

Fritz Wunderlich hat nichts halbherzig getan. Er hat immer alles gegeben, und seine sanft fließende Stimme war wie ein musikalisches Werkzeug für ihn, dem er sich dankbar annahm. Nach leichten Anfangsschwierigkeiten hat er schließlich auch zum romantischen Kunstlied gefunden, wie die Aufnahmen mit seinem jahrelangen Mentor Hubert Giesen eindrucksvoll beweisen. Wer die Lieder von Schubert und Schumann in dieser Sammlung hört, der ist hingerissen von der Schnörkellosigkeit, der gefühlvollen Magie und betörenden Modernität dieses Tenors.

Das zeigt sich auch in drei sensationellen Welterstveröffentlichungen, die das Doppel-Album bereithält, womit es sich nicht nur für Wunderlich-Einsteiger, sondern auch für Kenner empfiehlt: Mit Wagners sehnsuchtsvollem "Lied vom Steuermann" und den beiden berührenden Operetten-Arien "Das Lied vom Leben des Schrenk" (Eduard Künneke) und "Zwei Augen, die wollen mir nicht aus dem Sinn" (Leo Fall) wagt sich Wunderlich weit in die Gefilde grenzenlosen Gefühlsüberschwangs vor. Doch auch hier behält er ein natürliches Maß bei. Sein Gesang überschreitet nie die Grenze zum Kitsch.